02.07.2010
FLUG REVUE

DLR BranchenausblickDLR-Branchenanalyse: Erholung im deutschen und internationalen Luftverkehr

Der Rückgang des globalen Luftverkehrs ist nach Einschätzung des DLR gestoppt. Die Verkehrszahlen zeigen seit Anfang des Jahres je nach Region einen leichten oder massiven Aufwärtstrend.

Symbolfoto IATA Zahlen

In der IATA sind nahezu alle großen Airlines zusammengeschlossen. Der Verband gibt regelmäßig Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage der Branche (C) Archivfoto: FLUG REVUE / Stolzke  

 

Der starke Einbruch des weltweiten Luftverkehrs im letzten Jahr scheint vorerst gestoppt zu sein, die negativen Wachstumsraten des letzten Jahres wandelten sich seit Anfang dieses Jahres in positive, so dass das Niveau von Juni 2009 wieder erreicht und sogar leicht überschritten wurde. Dies ist eine der zentralen Aussagen des neuen Global Aviation Monitors (GAM), den das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) soeben veröffentlicht hat.

Dieser quartalsmäßig erscheinende Bericht aus dem DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr beschreibt die Verkehrssituation in den einzelnen Weltregionen und gibt einen Ausblick über die künftige Entwicklung in den nächsten drei Monaten. Dabei machen die Wissenschaftler sowohl Aussagen zum globalen Flugangebot, wie auch zum europäischen und deutschen Markt sowie zu einzelnen Flughäfen und Fluggesellschaften.

"Die jüngsten Veränderungen sind besonders auf das weiterhin hohe Wachstum in Asien und dem Mittleren Osten zurückzuführen, aber auch in Europa und Deutschland sind steigende Tendenzen erkennbar. Dabei wird auch hier für die kommenden Monate ein anhaltendes Wachstum erwartet. Der größte Luftverkehrsmarkt Nordamerika konnte dagegen bisher noch keine positive Entwicklung verzeichnen", erläutert DLR-Wissenschaftler Peter Berster, der die Studie leitete.

Die Wissenschaftler untersuchten weltweit mehr als 3.500 Flughäfen und rund 850 Fluggesellschaften. Seit den 50er Jahren ist ein stetiges Wachstum im Luftverkehr zu verzeichnen, das lediglich von einigen kurzfristigen Einbrüchen, verursacht beispielsweise durch die Ölkrise oder die Terrorangriffe vom 11. September 2001, unterbrochen wurde. Besonders in den letzten Jahren ist es zu einem starken Aufschwung im Luftverkehr gekommen. Nachdem im Jahr 2008 etwa 30 Millionen Flüge im planmäßigen Linien- und Charterluftverkehr weltweit angeboten wurden, gab es im Jahr 2009 aufgrund der Finanz- und Weltwirtschaftskrise einen starken Einbruch und nur noch 29 Millionen Flüge. Mit Beginn des Jahres 2010 stoppte der Abwärtstrend und erstmals waren wieder positive Wachstumsraten zu verzeichnen. Nun setzt sich dieser positive Trend weiter fort und auch in Deutschland gibt es mit einer gewissen Verzögerung wieder ein Wachstum, das voraussichtlich auch in den kommenden Monaten anhalten wird.

Im Berichtsmonat Juni 2010 wurden rund 2,62 Millionen Flüge angeboten, was einer Zunahme von rund 5,7 Prozent gegenüber Juni letzten Jahres entspricht, wo noch ein Rückgang von vier Prozent zu verzeichnen war. Während der Verkehr insgesamt wieder das Vorjahresniveau erreicht und teilweise sogar übertrifft, gibt es jedoch auch Unterschiede in den einzelnen Regionen. Betroffen von der Krise ist immer noch Nordamerika, dessen Verkehr zur Zeit erst knapp die Werte des letzten Jahres erreicht, eine grundlegende Besserung ist noch nicht in Sicht.
 
In anderen Regionen, wie beispielsweise dem Mittleren Osten, wird sich die positive Entwicklung mit mehr als zehnprozentigem Wachstum dagegen fortsetzen, wenn auch in etwas geringeren Maßen als noch zu Beginn dieses Jahres. Der Luftverkehr in Asien, der Anfang 2009 zwischenzeitlich in die Verlustzone geraten war, konnte sich wieder stabilisieren und weist seit Anfang 2010 zweistellige Wachstumsraten auf, dabei wird für die nächsten drei Monate hier ebenfalls ein überproportionales Wachstum erwartet.

Positive Entwicklungen spiegeln sich auch auf immer mehr großen Flughäfen wider. So haben Flughäfen, wie beispielsweise Los Angeles oder Chicago in Nordamerika, die im Winter noch Stagnation oder negative Entwicklungen verzeichneten, heute wieder ein Wachstum von mehr als fünf Prozent. Auch in Europa zeigen große Flughäfen wie Frankfurt, London, Madrid oder Amsterdam inzwischen wieder positive Entwicklungen.

Die höchsten Steigerungsraten gibt es auf Flughäfen in Asien, so in Peking, und vereinzelt in Europa, wie beispielsweise in Kopenhagen oder Moskau. In Deutschland lassen sich unter anderem auf kleineren Flughäfen mit Low Cost Carrier (LCC)-Angeboten positive Entwicklungstendenzen erkennen. Auch die meisten Großflughäfen verfügen inzwischen wieder über eine höhere Anzahl von Flugangeboten als noch vor einem Jahr. Parallel hierzu verläuft auch die Entwicklung bei den Fluggesellschaften.

Für das nächste Vierteljahr ist global gesehen somit mit einem ähnlichen Flugangebot wie vor dem Ausbruch der weltweiten Wirtschaftskrise zu rechnen. Dabei gibt es Unterschiede in den einzelnen Verkehrsmärkten.

Während der USA-Markt im nächsten Quartal noch nicht wieder die Werte von 2008 erreichen wird, werden für Europa ähnliche Werte wie 2008 erwartet. Das weltweite Flugangebot wird insgesamt zwischen 2,6 bis 2,7 Millionen Flügen pro Monat liegen Dies ist teilweise jedoch saisonbedingt und auf die Sommersaison zurückzuführen. Auch in Deutschland scheint die positive Entwicklung weiter anzuhalten, dabei wird auch für die nächste Zeit mit einem Anstieg von bis zu fünf Prozent gerechnet.




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