28.04.2011
FLUG REVUE

DLR-Studie: Keine weiteren Zuwächse im Low Cost-Segment

Nach mehr oder minder kontinuierlichen Zuwachsraten in den Jahren 2002 bis 2010 verzeichnet das Low Cost-Segment des Luftverkehrs mittlerweile eine rückläufige Tendenz. Eine der Ursachen hierfür kann die seit dem 1. Januar 2011 neu eingeführte Luftverkehrssteuer sein, so eine DLR-Studie.

Für innerdeutsche Reisen fällt die Steuer durch Hin- und Rückflug gleich zweimal an. So weist besonders der innerdeutsche Verkehr der Low Cost Carrier (LCC) einen Rückgang von über acht Prozent bei den Starts auf. Dies ist eine der Kernaussagen aus dem neuen "Low Cost Monitor" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.

Nach einer starken Zunahme in den Jahren 2002 bis 2007, einer Abschwächung im Jahr 2008 und einem tiefen Einbruch im Frühjahr 2009 ist seit Anfang 2010 wieder ein Wachstum im Low Cost-Verkehr festzustellen, das sich in den Sommermonaten 2010 verstärkt fortsetzte. Im Frühjahr 2011 wird dieses Wachstum jedoch stark gebremst und es sind teilweise sogar wieder rückläufige Wachstumsraten festzustellen.

Während die Anzahl der angebotenen Strecken der Low Cost Carrier in Deutschland mit 507 unterschiedlichen Strecken geringfügig über dem Wert von 2010 liegt und damit gleichzeitig einen neuen Höchstwert für ein Winterhalbjahr darstellt, gibt es dagegen einen Rückgang bei den angebotenen Flügen und Sitzplätzen.

Im Januar 2011 gab es 20 Low Cost-Fluggesellschaften in Deutschland, die insgesamt rund 4100 Flüge angeboten haben. Das sind fast 1,5 Prozent weniger Flüge als im Jahr davor. Somit ist die seit rund 15 Monaten feststellbare positive Wachstumsrate erst einmal gebremst.

Gemessen an der Zahl der Flüge (Starts im Januar) stellt das Low Cost-Segment von Air Berlin trotz eines Rückgangs gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit Abstand das größte Low Cost-Angebot aller Low Cost Carrier in Deutschland dar. Das ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass dabei zahlreiche Strecken von TUIfly übernommen worden sind. Diverse hoch frequentierte innerdeutsche Verbindungen sind schon zu einem früheren Zeitpunkt durch die Übernahme der Fluggesellschaft dba in das Netz von Air Berlin integriert worden.

Im Vergleich zum Vorjahr gab es daneben besonders bei Ryanair und Easyjet mit jeweils zehn neuen Strecken eine größere Zunahme in diesem Bereich. Während auch einige kleinere Gesellschaften ihr Streckenangebot erhöhten, gab es Rückgänge bei Air Berlin und Germanwings. Das gesamte Flugangebot reduzierte sich seit Einführung der neuen Luftverkehrssteuer in Deutschland um 60 Flüge pro Woche, lediglich Easyjet führte eine nennenswerte Erhöhung durch.

Im Januar 2011 wurden insgesamt 507 unterschiedliche Strecken im innerdeutschen und grenzüberschreitenden Verkehr bedient. Dies sind zwölf Strecken (ein Zuwachs von 2,4 Prozent) mehr als im Winter 2010 und sogar zehn mehr als im Jahr 2008, als der bisherige Höchststand bei den Winterwerten seit Einführung der Low Cost-Angebote vor rund neun Jahren erreicht wurde.

Im Jahr 2010 nutzten auf den 26 internationalen und regionalen Verkehrsflughäfen über 65 Millionen Passagiere die Angebote von Low Cost-Airlines für ihre Flugreisen. Bei einem lokalen Gesamtpassagieraufkommen von über 190 Millionen Passagieren auf den betrachteten Verkehrsflughäfen beträgt der Marktanteil des LCC-Segments somit rund 34 Prozent. Insgesamt hatten die Berliner Flughäfen zusammen genommen mit über 13 Millionen Passagieren im Low Cost-Verkehr das höchste Aufkommen aller Flughäfen in Deutschland.

Die Betrachtung des gesamten europäischen Marktes zeigt weiterhin die Marktführerschaft der beiden Fluggesellschaften Ryanair und Easyjet, die zusammen über 42 Prozent der Low Cost-Flüge anbieten. Mit über 7600 Starts sowie rund 1400 Strecken verfügt Ryanair über das größte Verkehrsangebot, vor Easyjet, Flybe und dem Low Cost-Segment von Air Berlin.

Das Zielland Nummer eins bei den Low Cost Carriern bleibt Großbritannien, das mit weitem Abstand die meisten Flüge aufweist. Auf den nächsten Plätzen folgen Italien, Deutschland und Spanien. Inzwischen ist London-Gatwick der Flughafen mit dem größten Aufkommen an Low Cost-Flügen und hat damit London-Stansted auf den zweiten und Dublin auf den dritten Platz verdrängt. Berlin-Schönefeld ist im europäischen Vergleich auf Rang 14 vorgerückt, gefolgt von Berlin-Tegel auf Platz 15 und Köln/Bonn auf Rang 17.




  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 12/2016

FLUG REVUE
12/2016
07.11.2016

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Neue Junkers F 13 fliegt
- Dreiteilung airberlin
- Flughafen Lyon
- Erprobung Pilatus PC-24
- Wonsan Air Festival
- Brennstoffzellen im Alltagstest
- Extra Raumfahrt

aerokurier iPad-App