21.07.2015
Erschienen in: 07/ 2015 FLUG REVUE

A320-FamilieeasyJet übernimmt ihr 250. Flugzeug

Die britische Niedrigpreis-Airline setzt erfolgreich auf Flugzeuge der A320-Familie und übernahm jetzt in Hamburg ihren 250. Jet.

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Wir sind die jüngste Airline, die jemals einen 250. Airbus übernommen hat“, sagte easyJet-Chefin Carolyn McCall bei der Übernahme ihres neuesten Airbus A320 in Hamburg Ende April stolz. Alle 17 Tage erhält die britische Niedrigpreis-Airline  derzeit einen neuen Jet, um bis zum Jahr 2019 die Flottengröße auf über 300 Airbus-Flugzeuge zu erhöhen. Von denen soll ein Drittel zu neuen Zielen starten. Auch 100 Airbus A320neo sind schon fest bestellt.

Fünf Prozent Wachstum pro Jahr sind die Zielvorgabe bei easyJet, die derzeit mit sieben Prozent deutlich übertroffen wird. Gerade erzielte das Unternehmen erstmals auch in einem Winterhalbjahr einen Gewinn und wies für die sechs Monate bis Ende März 2015 ein Vorsteuerergebnis von umgerechnet 9,75 Millionen Euro aus.

„easyJet ist Europas bevorzugte Kurzstreckenairline“, lobte Airbus-A320-Programmvorstand Klaus Röwe bei der Übergabe seinen Stammkunden aus Großbritannien. Einst war es eine Erstbestellung von easyJet für die A319, die in der damals neuen Konfiguration dank doppelter Notausgänge über dem Flügel erstmals 156 Fluggäste befördern durfte und der A319 damit endgültig zum Durchbruch verhalf. Heute bevorzugt easyJet die größere A320, die derzeit 180 und ab den Auslieferungen im Mai 2016 186 Passagiere bei easyJet befördern kann. Während der Sitzabstand dank dünnerer Rückenlehnen nicht abnimmt, gewinnt man den erforderlichen Raum durch eine Umgestaltung des Kabinenhecks. Hier gruppiert Airbus im Rahmen der „Space Flex“-Option künftig die Küchenzeile und zwei Toiletten so um, dass alle drei Elemente nebeneinander an die Kabinenrückwand direkt vor dem Druckschott passen. An den hinteren Kabinentüren stehen dann keine „Monumente“ mehr, so der Fachbegriff, so dass dort eine weitere Sitzreihe installiert werden kann. „Wir haben Leichtbau-Sitze, extraleichte Teppiche in der Kabine und Leichtbau-Servierwagen“, berichtet easyJet-Chefin McCall über ihre maßgeschneiderten Einbauten. „Wir machen alles anders: Wir fliegen jüngere Flugzeuge mit einer höheren Nutzungsdauer pro Tag, lassen diese treibstoffsparend einmotorig am Boden rollen und haben durchgehend schlanke Prozesse bis hin zur Unternehmenskultur. Keiner bei uns stellt das Low-Cost-Modell in Frage. Deshalb ist es für die Legacy-Airlines (klassische Linienfluggesellschaften – Anm. d. Red.) so schwer, uns zu kopieren“, sagt die in Indien geborene Britin. „Nur wir als Low-Cost-Airline haben die Freiheit, das komplette Niedrigpreismodell umzusetzen. Und das muss man von Anfang an so machen. Die Passagiere wollen keine Lounge, denn die haben ja gar keine Zeit.“ Dagegen honorierten die Passagiere eine junge Flotte durchaus, sagt die Airline-Chefin.

Zum schlanken Modell von easyJet gehört, dass die Airline seit Jahren ihre Airbus-Flugzeugübernahmen mit allen Abnahmekontrollen an den Hersteller  Airbus ausgelagert hat, so dass man keine eigene Abnahmemannschaft braucht. Bisher bewähre sich dieser Vertrauensbeweis gut, sagt easyJet. Bei Airbus heißt es, man sei eher pingeliger, wenn man technische Abnahmen im Auftrag eines Kunden durchführe und verlange mehr technische Nacharbeiten, als sie ein typischer Kunde selbst reklamiere. „easyJet ist zwar sehr schlank aufgestellt, aber sie hat Ansprüche wie eine ganz große Firma“, sagt auch CFM-Präsident und -Vorstandschef Jean-Paul Ebanga in Hamburg. Die Briten seien heute schon der weltgrößte Betreiber seines Triebwerks CFM56-5B.

Schon denkt easyJet über größere Airbus-Muster nach: „Wir erwägen derzeit auch die Beschaffung von Airbus A321“, offenbart Carolyn McCall erstmals auf Nachfrage der FLUG REVUE. „Aber die Diskussion darüber ist vertraulich.“


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