15.07.2015
aero.de

Flug BA-762Techniker verwechselten Airbus A319 mit A321

Ein Knall reißt Flug BA-762 von London nach Oslo aus der Routine. Dem linken Triebwerk fehlt die Verkleidung. In 6.000 Fuß Höhe brechen die Piloten den Steigflug ab. Es knallt erneut, jetzt von rechts. 26 Minuten nach dem Start gelingt der British-Airways-Crew in Heathrow die Notlandung auf 27R.

British Airways Airbus A319

British Airways Airbus A319. Foto und Copyright: British Airways  

 

Download: Abschlussbericht des AAIB zu Flug BA-762 (PDF)

Beide Triebwerke liegen frei. Für die Rücklandung stand der schwer lädierten G-EUOE nur ihr linkes V2500 zur Verfügung. Am rechten Triebwerk brennt eine geborstene Treibstoffleitung. Passagiere und Crew verlassen den Airbus über die Notrutschen. Die Flughafenfeuerwehr löscht das rechte Triebwerk.

Am Morgen des 24. Mai 2013 kamen 80 Menschen mit dem Schrecken davon. Zwei Jahre ermittelte das britische AAIB zu dem Vorfall.

Am Dienstag schlossen die Unfallermittler die Akten. "Die Untersuchung hat festgestellt, dass die Verkleidungen beider Triebwerke nach einem Fehler in der Wartung entriegelt waren", erklärte das AAIB. Mitarbeiter in der Technik  hatten die A319 nachts zuvor mit einer A321 verwechselt.

An den A319-Triebwerken stand eigentlich nur ein Ölwechsel an. Den Technikern fehlte dafür zunächst eine Pumpe. Sie unterbrachen ihre Arbeit an Position 513, ließen die Fan Cowl Doors solange entriegelt. In der Nachtschicht waren 44 Flugzeuge zu Checks in der Technik angemeldet.

Drei Stunden später kehrten sie mit der benötigten Pumpe zurück, allerdings an das falsche Flugzeug. Vier Wartungspositionen weiter, auf Position 517, parkte die A321 G-EUXI. Obwohl die Triebwerksverkleidungen der A321 verriegelt und die Ölstände in Ordnung waren, bemerkten die Techniker die Verwechselung nicht.

"Fehlidentifikationen vom Flugzeugen" passieren in der Technik sogar "relativ häufig", schreibt das AAIB. Solche Schnitzer würden aber meist rechtzeitig bemerkt und blieben folgenlos. Nicht in diesem Fall.

Auch dem Fahrer des Schleppers und den Piloten fiel beim Walkaround nicht auf, dass die verschlossenen Fan Cowl Doors der A319 entriegelt waren, obwohl es dafür "sichtbare Anhaltspunkte" gegeben habe. Dies gehe aus Fotos hervor, die ein Bodenmitarbeiter zufällig vor dem Start machte. Sie zeigen einen später auf 2,5 Zentimeter rekonstruierten Spalt.

Um Verletzungen vorzubeugen hatten die Techniker die geöffneten Riegel in eine Zwischenstellung gebracht. Dies habe die Erkennbarkeit beim Walkaround erheblich eingeschränkt, schreibt das AAIB. Auch sei die Signalfarbe der unter dem Triebwerk positionierten Riegel weitgehend abgetragen gewesen.

"Dieser und ähnliche Vorfälle zeigen, dass es mit der Airbus-A320-Familie schon öfter zu Starts mit entriegelten Fan Cowl Doors kam", mahnt das AAIB Änderungen am Verschlussdesign an. Es sei "offensichtlich, dass entriegelte Verschlüsse in der Praxis auch beim Walkaround nicht immer entdeckt werden".

Airbus befasse sich bereits mit Lösungen  für das Problem. Der EASA legt das AAIB nahe, Maßnahmen gegen Übermüdung von technischem Personal zu ergreifen. Einer der beiden für das Flugzeug verantwortlichen Techniker arbeitete den siebten Schichttag in Folge. Drei Mal machte er Überstunden.

aero.de/Dennis Dahlenburg


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