15.12.2016
FLUG REVUE

Welchen Einfluss haben Stress und Schichtdienst?Harvard-Studie findet hohen Anteil depressiver Piloten

Eine freiwillige Umfrage der renommierten Harvard-Universität unter 1848 Linienpiloten kam zu dem alarmierenden Ergebnis, dass deren Neigung zu Depressionen anteilig doppelt so hoch liegt, wie der Durchschnitt unter erwachsenen US-Bürgern.

Boeing 787 Cockpit Simulator

Amerikanische Linienpiloten räumen deutlich häufiger depressive Stimmungen ein, als der US-Durchschnitt der Bevölkerung erwarten lässt. Foto und Copyright: Boeing  

 

Die am Freitag im Fachjournal "Environmental Health" veröffentlichte Studie ergab einen Anteil von 12,6 Prozent der Befragten, die depressive Neigungen einräumten. Einen nochmals verdoppelten Anteil meldeten jene zwischen April und Dezember 2015 befragten Piloten, die in den vier Wochen zuvor mehrfach beschimpft oder sexuell belästigt worden waren.

Die Forscher des Instituts "Harvard T. H. Chan School of Public Health" fanden auch heraus, dass Piloten psychische Probleme eher vertuschen, als sich zu offenbaren. Der beteiligte Forscher Joseph Allen sagte: "Viele Piloten versuchen, alleine mit depressiven Symptomen zurechtzukommen. Es könnte sein, dass sie sich bewusst keine Hilfe suchen, da sie Folgen für ihre Karriere befürchten." 

Laut FAA-Vorschriften werden die Piloten bei ihrem jährlichen flugmedizinischen Tauglichkeitstest auch auf mentale Gesundheit untersucht. Dabei sind die Flugärzte aber stark auf die Offenheit seitens der Patienten angewiesen. Im Rahmen der anonymen Studie meldeten vier Prozent der Befragten sogar, in den letzten zwei Wochen vor der Befragung Selbstmordgedanken gehabt zu haben. 

Die Forscher schränken ein, dass die Ergebnisse der Studie nicht pauschal auf die gesamte Pilotenschaft übertragbar seien. Die Menge der erkannten depressiven Piloten sei aber "signifkant". Die Mediziner empfehlen den Fluggesellschaften und Luftfahrtbehörden, ihre vorsorglichen Betreuungsprogramme für die mentale Gesundheit auszuweiten. Künftig müsse von Seiten der Forschung noch näher ermittelt werden, inwieweit der unregelmäßige Schlafrhythmus der Piloten zu ihrer depressiven Stimmungslage beitrage. Die Trägödie von Germanwings-Flug 4U 9525 lege weitere Studien zum Thema psychische Pilotengesundheit nahe.

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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