11.04.2013
aero.de

Internationale Leasinggeber erleben böse Überraschung

Leasinggebern drohen Millionenschäden aus dem Untergang der indischen Fluggesellschaft Kingfisher.

Kingfisher Airbus A321

Kingfisher Airbus A321. Foto und Copyright: Premshree Pillai, CC  

 

Die mit rund 2,5 Milliarden US Dollar völlig überschuldete Gesellschaft hinterlässt offenbar auch diesen Gläubigern einen Scherbenhaufen. Ihre seit Monaten gegroundete Restflotte bestand aus geleasten Airbus A320 und ATR-Turboprops. Bei der Rückholung ihres Fluggeräts aus Indien treffen die Flugzeugfinanzierer auf rechtliche und praktische Hürden.

Finanzunternehmen, die Flugzeuge ins Ausland verleasen, werden durch die Kapstadt Konvention aus dem Jahr 2001 geschützt. Der internationale Vertrag garantiert unter anderem ein weltweit standardisiertes Verfahren für die Wiederinbesitznahme verleaster Flugzeuge und Triebwerke. Indien hat die Kapstadt Konvention im Jahr 2008 ratifiziert.

Der US Leasinggigant ILFC musste in Indien dennoch einen langen Rechtsweg beschreiten, um jetzt zumindest ein erstes Flugzeug von Kingfisher zurückzuholen. Mitte März genehmigte das Hohe Gericht von Neu Delhi die Rücknahme einer A321. Die ILFC flog ihre Maschine umgehend aus.

"Eines unserer sechs Flugzeuge, eine A321, wurde freigegeben", antwortete ILFC-Sprecher Paul Thibeau in dieser Woche auf eine Email-Anfrage von aero.de. "Das Flugzeug war in einem akzeptablen Zustand."

Letzteres scheint nicht für alle ehemaligen Kingfisher-Flugzeuge zu gelten. Nach Informationen des "Wall Street Journal" (Mittwoch) sollen aus vielen Maschinen in der Zwischenzeit wesentliche Teile entfernt worden und nicht mehr auffindbar sein - darunter Triebwerke, Hilfstriebwerke, Fahrwerke und sogar Sitze.

Auf diesen Kosten werden die Leasinggeber, unter ihnen auch die Bank of China, wohl sitzenbleiben. Neben der A321 der ILFC konnte nach Informationen unserer Redaktion bislang erst ein ATR 72-500 aus Indien zurückgeholt werden. Die Maschine soll künftig in Indonesien fliegen.

Der Fall Kingfisher wirft kein gutes Licht auf die indische Regierung, die 2008 eine Einhaltung der Kapstadt-Standards garantiert hatte. "Es ist für Indien aber noch nicht zu spät, seine negative Wahrnehmung umzukehren, die gegenwärtig innerhalb des International Finance Forum überwiegt", sagte ILFC-Chef Henri Courpron in Richtung Neu Delhi.

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aero.de / Dennis Dahlenburg



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