11.04.2016
aero.de

AF/EYLetzter Aufruf für Lufthansa und Turkish Airlines

Klappt ein Deal zwischen Air France-KLM und Etihad über gemeinsame Asienflüge mit Stopp in Abu Dhabi, wird für Lufthansa die Luft dünner. Daran ändern auch neue Codehares mit Singapore Airlines wenig, die Lufthansa diese Woche ankündigte. Der Kranich braucht einen Flügelmann für Asien.

300. Flugzeug Turkish Airlines Airbus A330-300

Airbus A330-300 von Turkish Airlines. Foto und Copyright: Airbus  

 

British Airways hat alle Vorbehalte gegen Golfairlines abgebaut. Inzwischen ist Qatar Airways nicht nur Partner, sondern auch Aktionär des Mutterkonzerns IAG. British Airways konzentriert sich weitgehend auf Nordamerika und fliegt mit Qatar Airways nach Asien und Australien. Das funktioniert prima.

Bei Air France-KLM stellt der scheidende Vorstandschef Alexandre de Juniac gerade die Weichen für einen "Luftkorridor" mit Etihad Airways nach Fernost. Lieber will Air France an Gewinnen gemeinsamer Flüge beteiligt sein, als alleine nach Asien Verluste einzufliegen.

Wie schwierig gerade Südost-Asien für europäische Flugkonzerne inzwischen ist, zeigt das Beispiel Kuala Lumpur. Sechs Monate nachdem Air France ihre Flüge an den KLIA einstellte, gab auch Lufthansa ihre zuletzt noch drei wöchentlichen Nonstops von Frankfurt nach Kuala Lumpur am 28. Februar auf.

Nach Außen hält sich Lufthansa zum Vorstoß von Air France bedeckt. "Wir nehmen das aber ganz sicher nicht auf die leichte Schulter", sagte uns ein Lufthanseat am Dienstag in Hamburg. "British Airways macht es vor, Air France wird es nachmachen, wir werden uns darauf einzustellen haben."

Mit Turkish Airlines war Lufthansa 2012 einmal ganz nahe dran an einer großen Kooperation, ging 2014 aber auf Distanz, beendete Codeshare-Flüge und kürzte sogar Meilengutschriften für Flüge des Allianzpartners. "Mangelnde Wirtschaftlichkeit", lautete damals die kühle Begründung der Frankfurter.

Auf der anderen Seite riss die Bereitschaft nie ab. “Es gibt Potenzial für eine engere Bindung zwischen Turkish und Lufthansa”, hielt Turkish-CEO Temel Kotil im Spätsommer 2015 in einem Interview mit Bloomberg die Tür offen. “Sie sind die stärkste Airline in Nordeuropa, und wir sind die stärkste Airline in Südeuropa.”

Im Gegensatz zu Emirates sucht Turkish aktiv Partner in Europa, die ihre Netze mit dem entstehenden Transithub Istanbul verbinden möchten. Der neue Megaairport soll mit seiner Inbetriebnahme 2018 Turkish zum nächsten Wachstumsschub von jetzt 300 auf 450 Flugzeuge bis 2023 verhelfen.

Außerdem gründet Turkish Airlines, ebenfalls im Gegensatz zu den Golfairlines, ihr Wachstum auch auf einem starken Heimatmarkt - 2015 legte der Inlandsverkehr mit einem Plus von 11,8 Prozent sogar stärker zu, als die Langstrecken, auf denen Turkish 9,0 Prozent mehr Passagiere zählte.

Beim Angebots- und Netzausbau achtet Turkish Airlines penibel auf ein ausgewogenes Verhältnis von Kurz- und Langstrecke. "Das ist in jedem Fall ein stimmigerer Mix als alles, was wir sonst in der Region sehen", sagte der Lufthansa-Mann.

Vielleicht führt die Annährung von Air France-KLM und Etihad also dazu, dass es Lufthansa und Turkish noch einmal miteinander versuchen.



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