06.06.2013
aero.de

Lufthansa-Chef Franz: Entscheidung über neue Interkontflotte noch 2013

Europas Fluggesellschaften spüren langsam wieder Rückenwind. Der Branchenverband IATA verdoppelte in dieser Woche seine Gewinnschätzung für den europäischen Luftverkehrsmarkt auf 1,6 Milliarden US-Dollar.

Auf dem jüngsten Jahrestreffen der International Air Transport Association (IATA) in Kapstadt leckten die versammelten Airlinechefs daher auch keine Krisenwunden mehr, sondern dachten laut über Investitionen in neue Flotten nach. Auch Lufthansa will in diesem Jahr noch zuschlagen. Der Konzern befinde sich in "fortgeschrittenen Gesprächen" mit Airbus und Boeing über bis zu 50 Langstreckenjets, sagte Lufthansa-Chef Christoph Franz in Kapstadt.

Im März holte sich Franz von seinem Aufsichtsrat bereits das OK für Investitionen in 35 Airbus A320neo, 35 A321neo, 30 A320ceo und zwei weitere A380. Für die Schweizer Konzerntochter Swiss bestellte Lufthansa zeitgleich sechs Boeing 777-300ER, mit denen in Zürich ab nächstem Jahr der Airbus A340-300 abgelöst werden soll.

Allein diese 108 Flugzeuge haben einen Listenwert von gut neun Milliarden Euro, die Lufthansa ihren Mitarbeitern und Aktionären abspart. Gut 3.500 Stellen will Franz im Konzern abbauen, den Anlegern strich das Management die Dividende. Das Konzernprogramm "SCORE" - manch Lufthanseat nennt es inzwischen auch "SCARE" - soll das operative Ergebnis von zuletzt mageren 524 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2015 auf satte 2,3 Milliarden Euro heben.

Gewinne verspricht vor allem die Langstrecke. Im Eiltempo hat Franz nach seinem Amtsantritt die angestaubten Kabinen der Interkontflotte erneuert. Die neuen Kabinen der First und Business Class ernteten viel Lob der von jeder Airline umworbenen Vielfliegerklientel. In den neu angeschafften Airbus A380 und Boeing 747-8 lässt es sich sehr komfortabel um die Welt reisen.

Ersatz für 48 Airbus A340
In spätestens vier bis fünf Jahren dürfte Lufthansa damit beginnen, ihre langsam in die Jahre kommende A340-300- und A340-600-Interkontflotte von jeweils 24 Flugzeugen auszutauschen. Die alten Vierstrahler sollen bis 2025 durch moderne, treibstoffsparende Twins ersetzt werden.

Lufthansa befasse sich hierfür intensiv mit den A350-900- und A350-1000-Jets von Airbus und den Boeing-Fliegern 787-9/-10X und 777X, sagte Franz. Eine Entscheidung werde aber erst im zweiten Halbjahr fallen. Dann dürfte Boeing den Nachfolger der aktuellen Triple Seven zum Verkauf anbieten. Das sich abzeichnende Konzept einer 777-8X in der Größe der aktuellen 777-300ER und einer -9X mit knapp über 400 Sitzen scheint es Lufthansa besonders angetan zu haben. Ein solcher Megatwin könnte nicht nur die restlichen 747-400 in den Ruhestand verabschieden, sondern eventuell auch einige 747-8 vorzeitig ersetzen, deutete Franz in Kapstadt überraschend an.

"Wenn ein Twin in der Größe der 747-8 auf den Markt kommt, muss sich jede Airline mit einem solchen Flugzeug befassen", wird Franz zitiert. Lufthansa hat inzwischen sieben 747-8 von Boeing erhalten, weitere zwölf Jumbos der neuesten Generation sind bestellt.

Auf den Trend zu immer größeren Reichweiten bei neuen Langstreckenjets - ein Zugeständnis der Flugzeugbauer an die Anforderungen ihrer Großkunden aus Asien und den Golfstaaten - reagiert Lufthansa mit gewissem Unmut. Lufthansa zahlt traditionell nicht gerne für Reichweiten, die sie nicht selbst ausschöpft.

Das zuvor große Interesse der Frankfurter an der 787-10X - Lufthansa wurde als potenzieller Erstkunde gehandelt - soll sich abgekühlt haben, nachdem im März neue Leistungsdaten die Runde machten. Stärkere GEnx-1B-Triebwerke und ein auf 7.100 Nautische Meilen (13.150 km) erhöhter Einsatzradius werden die 787-10X zwar flexibler einsetzbar, aber auch schwerer machen.

aero.de / Dennis Dahlenburg / flugrevue.de / as


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