11.06.2014
FLUG REVUE

Gewinnwarnung und AktienabsturzLufthansa reduziert Ergebnisprognose

Die Prognose für das operative Ergebnis 2014 reduziert sich um bis zu 500 Millionen Euro. Ursachen sind die hinter den Erwartungen zurückbleibende Umsätze im Passagier- und Frachtgeschäft. Nach der Ankündigung ging der Aktienwert der Traditionsairline in den Sinkflug.

747-8i Nummer 75 Lufthansa Jumbo

Nicht mehr im Steigflug wie diese Boeing 747-8 ist die Aktie der Lufthansa. Foto und Copyright: Boeing  

 

Die Deutsche Lufthansa AG passt ihre Ergebnisprognose aufgrund einer hinter den Erwartungen zurückbleibenden Umsatzentwicklung im Passagier- und Frachtgeschäft an: Der Vorstand des Unternehmens rechnet nun für das laufende Geschäftsjahr mit einem operativen Ergebnis in Höhe von rund 1 Milliarde Euro (bereinigt um Einmaleffekte rund 1,3 Milliarden Euro). Bisher hatte der Konzern für 2014 mit einem operativen Ergebnis zwischen 1,3 und 1,5 Milliarden Euro gerechnet (bereinigt um Einmaleffekte 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro). „Die bei der Vorlage der Quartalszahlen Anfang Mai genannten Risiken auf der Umsatzseite haben sich leider konkretisiert“, sagt Simone Menne, Vorstand Finanzen und Aviation Services der Deutschen Lufthansa AG. Der Konzern hatte bereits im Zuge der Berichterstattung zum ersten Quartal auf steigende Risiken für die Ergebnisprognose hingewiesen. Vor allem das Amerika- und Europageschäft des Konzerns litten unter den steigenden Überkapazitäten, das auf diesen Strecken zu Preisrückgängen führt. „Wir werden deshalb unsere Kapazitäten im Winterflugplan spürbar reduzieren“, betonte Menne. Belastend bliebe auch das starke Kapazitätswachstum staatlicher Golfcarrier. Diese drängten vermehrt - auch mittels Beteiligungen an europäischen Fluggesellschaften - immer weiter in den europäischen Markt.

Der Streik der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit Anfang April hat dem Konzern nach eigenen Angaben einen Ergebnisschaden in Höhe von 60 Millionen Euro verursacht. Erst vor kurzem habe sich das Buchungsverhalten wieder normalisiert. Darüber hinaus haben Wertberichtigungen auf Forderungen in venezolanischem Bolivar das Ergebnis in diesem Jahr bereits mit mehr als 60 Millionen Euro belastet.

Das im Rahmen des Zukunftsprogramms Score für 2015 angestrebte Gewinnziel von 2,65 Milliarden Euro hält der Vorstand angesichts dieser Entwicklung für nicht mehr erreichbar. Dennoch will das Unternehmen das Ergebnis gegenüber dem laufenden Jahr deutlich steigern. Die Basis hierfür soll bereits mit der spürbaren Reduzierung von Kapazitäten im Winterflugplan gelegt werden. Zur nachhaltigen Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Lufthansa Group sollen darüber hinaus strukturelle Maßnahmen beschleunigt zur Umsetzung vorbereitet werden. Details hierzu will der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr im Juli vorstellen. Als neues operatives Ergebnisziel 2015 nennt der Vorstand bei stabilen Rahmenbedingungen einen Betrag von rund 2 Milliarden Euro. „Die gegenwärtige Entwicklung zeigt, wie wichtig Score für den Konzern ist. Wir erreichen nachhaltige Stückkostensenkungen. Jetzt geht es darum, zusätzlich die Erlössituation zu stabilisieren, um dem zunehmend schärferen Wettbewerb erfolgreich entgegenzuwirken“, meint Simone Menne. Direkt nach der Ankündigung stürtzte die Aktie der Lufthansa um zehn Prozent ab.

flugrevue.de/Patrick Hoeveler


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