03.05.2012
FLUG REVUE

Lufthansa schreibt 381 Millionen Euro Verlust

Im ersten Quartal 2012 flog die Lufthansa trotz eines Rekordumsatzes bei der Passage Airline Gruppe tief in die roten Zahlen. Mit dem SCORE-Programm, das auch einen Personalabbau vorsieht, sollen deutliche Einsparungen erzielt werden.

Gestiegene Treibstoffkosten, die Besteuerung des Luftverkehrs in Deutschland und Österreich sowie Kosten für den seit Januar 2012 in Deutschland geltenden Emissionshandel wirkten sich laut Lufthansa negativ auf das operative Ergebnis des Konzerns aus. Dieses beträgt zum Ende des ersten Quartals minus 381 Millionen Euro, ein Rückgang um 212 Millionen Euro gegenüber dem Ergebnis des Vorjahresquartals. Das Konzernergebnis liegt bei minus 397 Millionen Euro. Die Verbesserung von 110 Millionen Euro ist vor allem auf die im Vorjahresquartal verbuchten negativen Zeitwertänderungen von Sicherungsoptionen zurückzuführen.

Die Deutsche Lufthansa AG hat im abgelaufenen ersten Quartal 2012 einen Umsatz in Höhe von 6,6 Milliarden Euro erzielt, 5,6 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Anstieg resultierte vor allem aus höheren Verkehrserlösen. Diese konnten im Passagiergeschäft durch eine höhere Absatzmenge und Preissteigerungen erzielt werden.

Christoph Franz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG, sagte: „Wir können nicht warten, bis auch die Politik erkennt, wie sehr wettbewerbsverzerrende Steuern und Abgaben dem Luftverkehr und dem Wirtschaftsstandort Europa schaden. Mit unserem Zukunftsprogramm SCORE reagieren wir auch auf diese Zusatzbelastungen, um die Position von Lufthansa als Nummer Eins in Europa zu sichern und uns im globalen Wettbewerb langfristig behaupten zu können.“

Mit dem Programm SCORE, das Anfang 2012 gestartet ist, will der Konzern das operative Ergebnis gegenüber dem Jahr 2011 bis Ende 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro verbessern. Zu den Maßnahmen zählen die stärkere Zusammenarbeit von Lufthansa und Germanwings, die nach der Kombinierbarkeit von Meilenprogrammen und Buchungen nun auch eine gemeinsame Kapazitätsplanung für den dezentralen Verkehr ab Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Stuttgart und Köln betreiben. Und auch zwischen Austrian Airlines und Germanwings besteht seit März 2012 eine Codeshare-Vereinbarung.


Durch ein konzernweites Einkaufsprojekt will Lufthansa im Weiteren allein im laufenden Jahr 200 Millionen Euro nachhaltig einsparen. Und Einsparungen in Höhe eines zweistelligen Millionen-Euro Betrages sollen sich aus der Optimierung des Nachbarschaftsverkehrs im Airlineverbund ergeben.

Außerdem ist eine 25-prozentige Kostensenkung in den administrativen Bereichen vorgesehen. Insgesamt ein Drittel des SCORE-Volumens will der Konzern durch die Senkung der Personalkosten realisieren. Erreicht werden soll das durch die Zusammenlegung von Doppelfunktionen und den Verzicht auf Tätigkeiten, die keinen Mehrwert für den Kunden schaffen, sowie durch die Ausgliederung von Tätigkeiten in Shared Services-Einheiten. Aufgrund dieser Maßnahmen werden in den administrativen Bereichen in den kommenden Jahren voraussichtlich 3500 Vollzeitstellen weltweit wegfallen.

Mit Blick auf das Geschäftsfeld Passage Airline Gruppe sagte Franz: „Wachstum im Passagiergeschäft war und ist für den Erhalt der Marktposition des Lufthansa Konzerns notwendig. Dass wir in einem nächsten Schritt die durch Wachstum entstandene Komplexität im Konzern reduzieren müssen, ist eine logische und vorhersehbare Konsequenz.“

Lufthansa Passage trägt als größte Einzelgesellschaft des Konzerns einen Anteil von mehr als 900 Millionen Euro zum Zukunftsprogramm bei, davon 600 Millionen auf der Kosten- und 300 Millionen Euro auf der Erlösseite. Erreicht werden soll dies unter anderem durch das Einstellen verlustbringender Strecken und durch ein restriktives Kapazitätswachstum, das für 2012 kein und für die Jahre 2013 und 2014 ein Wachstum von jeweils maximal vier Prozent vorsieht.

Resultierend daraus wird die Flotte der Gesellschaft bis 2014 nicht vergrößert werden, und neue Flugzeuge sollen ältere ersetzen. Bis 2020 sollen bei der Lufthansa Passage so im Kontinentalverkehr nur noch vier verschiedene Flottenfamilien zum Einsatz kommen.

Für das erste Quartal 2012 wies die Lufthansa Passage, inklusive Germanwings, einen operativen Verlust in Höhe von 384 Millionen Euro aus. Das Geschäftsfeld Passage Airline Gruppe insgesamt schrieb in diesem Zeitraum einen Verlust in Höhe von 445 Millionen Euro. SWISS trug mit einem operativen Verlust von 6 Millionen Euro zu diesem Ergebnis bei, Austrian Airlines verzeichnete einen operativen Verlust in Höhe von 67 Millionen Euro.

Lufthansa Cargo erzielte zum Ende des ersten Quartals 2012 einen operativen Gewinn in Höhe von 19 Millionen Euro. Der Rückgang um 45 Millionen Euro im Vergleich zum starken Vorjahresquartal ergibt sich aus dem starken Treibstoffpreisanstieg.

Für das Gesamtjahr 2012 geht der Konzern unverändert von einem Umsatzwachstum gegenüber Vorjahr aus. Der operative Gewinn wird im mittleren dreistelligen Millionen-Euro Bereich erwartet.

Nach einem schwierigen Auftakt bestätigen sich aus heutiger Sicht für den weiteren Jahresverlauf die Erwartungen eines anhaltenden Kostendrucks, insbesondere beim Treibstoff. Die bestehenden konjunkturellen Unsicherheiten führen zu schwer prognostizierbaren Nachfrageentwicklungen.



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