17.03.2016
aero.de

StrategieLufthansa vor Komplettübernahme von Brussels Airlines

Nach Jahren als Minderheitsbeteiligung könnte Brussels Airlines alsbald komplett bei Lufthansa landen, um eng bei Eurowings eingespannt zu werden. Schon im zweiten Quartal könnten Konzernchef Carsten Spohr und der Aufsichtsrat das OK für den Kauf der ausstehenden Aktien geben. Alle Voraussetzungen sind erfüllt.

Lufthansa Brussels Airlines

Lufthansa und Brussels Airlines. Foto und Copyright: © Lufthansa  

 

Spohrs Vor-Vorgänger Wolfgang Mayrhuber beteiligte Lufthansa 2008 mit 45 Prozent an der belgischen Fluggesellschaft. Die verbleibenden 55 Prozent sind vor dem Zugriff fremder Investoren geschützt - Lufthansa reservierte die Aktien mit einer Option, die der Konzern jedes Jahr im April ausüben kann.

Bisher griff Lufthansa zwar nicht zu, verlängerte die Option zwischenzeitlich aber bis April 2017. "Eine vollständige Übernahme wird erfolgen, wenn der Turnaround abgeschlossen ist und Brussels fest auf beiden Beinen stehen kann", setzte Spohrs Vorgänger Christoph Franz 2013 in der "Sueddeutschen Zeitung" die wichtigste Vorbedingung für eine Ausübung des Kaufrechts.

Diese Voraussetzung sollte Brussels-Airlines-Chef Bernard Gustin 2015 erfüllt haben - SN wird mit einem Gewinn um 20 Millionen Euro erwartet und will sich auch langfristig stabil in den schwarzen Zahlen behaupten. Für 2018 rief Gustin unlängst ein Gewinnziel von 50 Millionen Euro aus.

Innerhalb der Lufthansa Group stehen die Zeichen seither auf Übernahme. "Im zweiten Quartal könnte Bewegung in die Sache kommen", steckte uns eine mit dem Thema Brussels Airlines vertraute Quelle aus dem Konzernumfeld im Februar.

Der Kaufpreis sollte dabei kein großes Hindernis darstellen - er wurde 2008 auf maximal 250 Millionen Euro für alle Anteile gedeckelt. Davon hat Lufthansa - für die ersten 45 Prozent - bereits 65 Millionen Euro bezahlt. Vor drei Jahren lieh Lufthansa Brussels außerdem 100 Millionen Euro, ein Gesellschafterkredit in der heißen Sanierungsphase.

Lufthansa legt heute ihre Konzernbilanz 2015 vor und sollte am 31. Dezember mit rund 1,5 Milliarden Euro Nettogewinn ins Ziel gekommen sein. Geld für eine Auszahlung der Co-Aktionäre der SN Airholding, darunter die Virgin Group, der Flughafen Brüssel und diverse Finanzinstitute, wäre also genug vorhaben.

Enge Anbindung an Eurowings

Sobald Lufthansa bei Brussels Airlines allein das Sagen hat, dürfte die Airline schnell bei Eurowings anklopfen (oder umgekehrt).

Spohr spannt die kleineren Konzernflugbetriebe, darunter auch Air Dolomiti und die Beteiligung SunExpress Deutschland, eng in die neue Günstigstrategie ein, um Eurowings im umkämpften Günstigflugmarkt schnell zu wettbewerbsrelevanter Größe zu verhelfen.

Eurowings werde bei der "Konsolidierung der europäischen Airlinebranche" eine wichtige Rolle spielen und sei als Plattform perfekt für die Übernahme anderer Fluggesellschaften geeignet, hatte Spohr im Sommer erklärt und dabei wohl auch schon an Brussels Airlines gedacht.

Immerhin wird Brüssel bei Lufthansa nicht erst seit gestern als attraktive Auslandsbasis für Eurowings gehandelt. Eine Komplettübernahme von Brussels Airlines hätte für Lufthansa zudem den willkommenen Nebeneffekt, die derzeit noch angespannte Flottensituation der Günstig-Ops spürbar zu entlasten.

Brussels Airlines verfügt über eine mit Eurowings bestens kompatible Flotte mit 23 Airbus A319/A320 und acht A330. Zwölf verbliebene Avro RJ100 wird Brussels ab April gegen neue A320 austauschen, 2017 soll die Flotte der Airline dann nur noch aus Airbus-Gerät bestehen.

Im Februar beförderte Brussels Airlines 520.000 Passagiere und setzte sich mit einem Wachstum um 15,8 Prozent an die Spitze aller mit Lufthansa assoziierten Flugbetriebe. Die Auslastung lag bei 71,4 Prozent und damit satte 6,9 Punkte höher als im Februar 2015 - Brussels befindet sich spürbar im Aufwind und ist reif für die Übernahme.



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