19.01.2015
Erschienen in: 07/ 2014 FLUG REVUE

Billigflug-RieseRyanair plant Wachstumsschub

Die Nummer eins im europäischen Niedrigpreis-Flugverkehr will noch größer werden. Mit neuer Freundlichkeit und weniger Gebühren will Ryanair die nächste Zielgruppe erobern: Geschäftsreisende.

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Ab September 2014 bekommen wir endlich wieder neue Flugzeuge geliefert, nach eineinhalb Jahren Pause“, sagt Ryanair-Vorstandschef Michael O’Leary bei einer Pressekonferenz in Frankfurt-Hahn Mitte Mai 2014. Bei Boeing liegen Ryanair-Bestellungen für 180 neue Jets vor. Die letzten fünf Aufträge wurden erst Ende April 2014 unterzeichnet. Bis März 2019 sollen alle diese Flugzeuge ausgeliefert werden, bis zu 50 pro Jahr. Bis dann will Ryanair auf 110 Millionen Passagiere im Jahr gewachsen sein. Damit hat die Fluggesellschaft bisher 528 Boeing 737-800 geordert. Sie betreibt nur dieses eine Muster in dieser einen Version, aktuell 300 Flugzeuge mit einem Durchschnittsalter von unter fünf Jahren. Mit 81,5 Millionen Passagieren im Jahr ist die mit 523 Millionen Euro Betriebsgewinn im Jahr hochprofitable Ryanair die größte Fluggesellschaft im europäischen Linienverkehr. Sie bedient 186 Flughäfen in 30 Staaten auf über 1600 Routen. Der Durchschnittspreis pro Ticket liegt bei Ryanair derzeit bei 48 Euro, der Branchendurchschnitt dagegen bei 160 Euro.

In Deutschland ist Ryanair seit 15 Jahren aktiv. „Heute sind wir hier die Nummer drei. Aber wir möchten weiter wachsen“, kündigt der Vorstandschef an. In Deutschland bedient Ryanair derzeit zwölf Ziele mit 169 Routen. 8,6 Millionen Passagiere werden hier im Jahr befördert. Erkennbar nimmt man neuerdings auch verstärkt Kurs auf die größeren Flughäfen wie Nürnberg, Köln oder Leipzig. „Frankfurt-Hahn ist aber kein Sekundärflughafen für uns“, stellt O’Leary klar. „In Hahn sind im Sommer sechs und im Winter vier Flugzeuge fest stationiert, in Köln nur eins. Wir wollen überall wachsen. Im nächsten Winter legen wir alleine hier in Hahn drei neue Routen auf. Ohne Luftverkehrsabgabe könnten wir unser Passagieraufkommen in Hahn in wenigen Jahren locker von heute zwei auf vier Millionen, vielleicht sogar auf sechs Millionen Fluggäste bringen.“ In Sachen Luftverkehrsabgabe hat Ryanair mit dem für Hahn zuständigen Innenminister von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz (SPD), einen Verbündeten gefunden, der vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Abgabe geklagt hat.

Zurück zur Ryanair-Strategie: Neben einer größeren Flotte und attraktiveren Flughäfen will Ryanair vor allem neue Kunden gewinnen, indem sie kundenfreundlicher wird. „Wir müssen die Dinge reparieren, die die Kunden nicht mögen“, sagt Svenja Damzog, Sales & Marketing Executive aus der Ryanair-Zentrale. So habe das Unternehmen im April seine Website neu strukturiert, so dass man statt vorher 15 Klicks nur noch fünf Klicks bis zur Buchung brauche. 24 Stunden lang dürfe man zudem kleinere Schreibfehler beim Namen ausbessern, was früher nicht gebührenfrei möglich war. Außerdem wurde ein bei den Kunden ungeliebter „Recaptcha“-Sicherheitscode auf der Website entfernt.Wichtiger dürften aber deutliche Nachlässe bei den gefürchteten Gebühren für nicht selbst ausgedruckte oder vergessene Bordkarten (15 Euro statt vorher 70 Euro Gebühr) oder nachträglich aufzugebendes Gepäck (15 Euro statt vorher 60 Euro) sein. Zehn Kilogramm Handgepäck und neuerdings zusätzlich eine Tüte, Laptop- oder Handtasche darf man bei Ryanair ohne Aufschlag mitnehmen. Jeder Fluggast erhält neuerdings einen festen Sitzplatz, so dass etwaige „Rangeleien“ entfallen. Eltern mit kleinen Kindern und Behinderte (mit Voranmeldung) boarden bei Ryanair zuerst, noch vor den Kunden mit aufpreispflichtigen Wunschplätzen in der vorderen Kabine. Seit Februar dürfen an Bord elektronische Geräte durchgehend im Flugmodus benutzt werden. Bei Früh- und Spätflügen verzichtet die Fluggesellschaft auf die tagsüber üblichen Werbedurchsagen an Bord, um die Ruhebedürftigkeit müder Passagiere zu respektieren.

Seit Januar 2014 findet man Ryanair auch auf der Website Google Flight Search, seit März desselben Jahres ist Ryanair über Reisebüros buchbar, und ab Juni 2014 will man elektronische Bordkarten per Mobiltelefon anbieten. Dann soll auch ein noch nicht näher erläutertes, vierstufiges Angebot für Geschäftsreisende starten. Diese können dann, gegen Aufpreis, Tickets mit zeitlich befristeter Umbuchungs- und Namensänderungsoption erwerben – ein weiteres Indiz dafür, wie stark der Billigflieger künftig auf den Markt der Geschäftsreisenden zielt. Hier dürfte sich ein erbitterter Kampf mit den klassischen Linien airlines anbahnen.


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