07.09.2015
Erschienen in: 07/ 2015 FLUG REVUE

VIP-InterviewSITA-President Dave Bakker im Interview

Dave Bakker ist President, Europe, beim Airline-Kommunikationsdienstleister SITA. Der IT-Spezialist arbeitete zehn Jahre lang beim Computerhersteller Dell in Europa und Asien, bevor er 2008 zu SITA kam. Bakker fürchtet, dass ab dem Jahr 2030 Westeuropas Flughäfen überlastet sein werden. Nur mit Hilfe der Informationstechnologie könne man die Prozesse optimieren und die Kapazität noch steigern.

fr 07-2015 Interview - Dave Bakker

Dave Bakker ist President beim Airline-Kommunikationsdienstleister SITA. Foto und Copyright: SITA  

 

Herr Bakker, SITA ist in sehr vielen IT-Bereichen aktiv, welches ist ihr Hauptgeschäftsfeld?

SITA (Société Internationale de Télécommunications Aéronautiques) wurde 1949 als Kooperative von elf Airlines gegründet, die eine gemeinsame Kommunikations-Infrastruktur zum Wohle aller Mitglieder nutzen. Nach dem Krieg begann der Luftverkehr seinen Aufschwung, und die Airlines mussten mit den Flughäfen, ihren Verkaufsbüros und ihren Hauptquartieren immer mehr kommunizieren. Datenverkehr für Airlines ist unser Hauptgeschäftsfeld. Ohne Daten könnte keiner fliegen. Deshalb haben wir Netze von Flughafen zu Flughafen. Wir verbinden jeden Verkehrsflughafen der Welt. Wir haben eigene Leute an 1000 Orten weltweit und sind in 200 Staaten vertreten.

Wie funktioniert Ihre „Koopera­tive“?

Wir arbeiten nicht gewinnorientiert. Falls wir zu viel einnehmen, wird es anteilig zurückgezahlt. Die Anteile – heute sind viel mehr und auch andere Airlines Mitglieder bei SITA – werden dynamisch nach Umsatzanteil berechnet.

Welche Bereiche hat SITA noch?

Es gibt heute fünf Hauptgebiete: 1.: die Telekommunikation; 2.: die Flughäfen. Hier gibt es die Kioske für die Selbst­abfertigung und Gepäckaufgabe, die Check-in-Schalter, die Anzeigetafeln und die Gates. Alles muss miteinander verbunden sein. 3.: die Passagier-Reservierungssysteme. Heute können Sie bei über 150 Airlines schon online einchecken, auch über das Mobiltelefon. 4.: die Kommunikation Bord-Boden. 15 000 Flugzeuge können per ACARS-Protokoll Daten aus dem Cockpit versenden. Dazu kommt die neue Anbindung der Kabine, von wo auch die Passagiere WiFi, Textnachrichten und Sprachtelefonie
benutzen können. Der fünfte Bereich ist das Thema Sicherheit. Die Airlines sammeln ihre Passagierdaten und gleichen diese vor der Einreise mit behördlichen Datenbanken ab.

Beim Thema Daten forschen Sie auch an neuen Technologien?

3,3 Milliarden Menschen fliegen jedes Jahr. 99 Prozent dieser Passagiere haben ein mobiles Endgerät auf Reisen dabei. Mit Mobilfunktechnik könnten wir ihre Reise bequemer machen. Stellen Sie sich mal vor, Sie gehen zum Gate und das Mobiltelefon weist Ihnen automatisch den kürzesten Weg durch das Terminal und zeigt die Zeit an, die Sie brauchen werden. Oder: Ihr Flug hat 15 Minuten Verspätung, aber gleich links könnten Sie noch schnell einen Kaffee trinken. Gerade in Europa wird die In-frastruktur immer stärker ausgelastet. Wir könnten die Abfertigungsprozesse beschleunigen, wenn wir die Leute effizienter durch die existierende Infrastruktur leiten. Schnellere Prozesse helfen den Airlines, sehr kurze Umkehrzeiten einzuhalten. Anwendungen gibt es auch an Bord. Wir können der Crew Tablet-Computer zur Verfügung stellen, und im Falle eines defekten Sitzes kann man direkt im Flug eine Schadensmeldung schreiben, so dass nach der Landung gleich ein Techniker mit einem Ersatzteil wartet. Früher hat so was schon mal eine Woche gedauert.

Einer Ihrer Bereiche ist auch die Gepäckabfertigung.

2014 sind pro 1000 Passagiere 6,9 Gepäckstücke fehlgeleitet worden. Das waren 20 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. 21,8 Millionen Koffer pro Jahr verschwinden, das können wir verbessern. Zum Beispiel mit einer App fürs Mobiltelefon, wo man noch in der Gepäckhalle eine Verlustmeldung eingeben kann. Die IATA verlangt bis 2018, dass alle Airlines ständig über den Standort eines Koffers informieren können. Wir wollen die Kundenzufriedenheit weiter erhöhen, denn glückliche Passagiere shoppen auch mehr an den Flughäfen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Reisens mit Hilfe der Informationstechnologie?

Die Kosten des Reisens werden sinken. Ob die Airlines das dann an den Passagier weitergeben, hängt allerdings vom Wettbewerb ab. Es wäre gut, wenn sich die Branche darüber im Klaren wird, dass wenn wir alle noch mehr zusammenarbeiten, die Passagierbeförderung einfacher, effizienter und preiswerter klappt. Für die Passagiere wird es mehr Selbstbedienungselemente geben und bessere Informationen.

FLUG REVUE Ausgabe 07/2015

Mehr zum Thema:
www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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