18.04.2010
FLUG REVUE

BMVBS zu AschewolkeVulkanasche - Verkehrsministerium weist Airline-Kritik zurück

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) hat am Sonntag Kritik von Airlines an der Schließung des Luftraumes auf Grund der Vulkanasche zurückgewiesen. Entscheidend seien Sicherheitsaspekte, erklärte das BMVBS.

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) entschied nach eigenen Angaben in enger Absprache mit der DFS und dem DWD, wegen der Aschewolke in einem großen Teil des deutschen Luftraums "den Verkehr auf null zu steuern." Diese Entscheidung wurde in den vergangenen Stunden von mehreren Fluggesellschaften in Frage gestellt.

"Die Sicherheit im Luftverkehr steht für alle Beteiligten an erster Stelle. Die Entscheidung der DFS, in den Lufträumen der 16 internationalen Flughäfen sowie der Regionalflughäfen keine kontrollierten Flüge stattfinden zu lassen, dient der Sicherheit aller Passagiere. Eine Freigabe des Luftraums kann erst dann erfolgen,
wenn gesicherte Informationen vorliegen, dass von der Vulkanasche keine Gefahr mehr für den Luftverkehr ausgeht", erklärte das Ministerium.

Bei seinen Entscheidungen orientiere sich die DFS nach Angaben des Ministeriums an den internationalen Vorgaben. Die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation ICAO habe ein weltweites Netzwerk von insgesamt neun Beratungszentren ins Leben gerufen, die im Falle eines Vulkanausbruchs die Bewegung der Aschewolken verfolgen.

Sie werden von einzelnen dafür benannten nationalen Wetterdiensten betrieben. In Europa gibt es zwei solcher Zentren: eines in Toulouse, ein zweites in London. Zuständig im aktuellen Fall ist nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums das „Volcanic Ash Advisory Centre“ in London, das vom britischen Wetterdienst Met Office betrieben wird.

Es ist nach ICAO-Vorgabe verpflichtet, alle sechs Stunden seine Prognose zu aktualisieren und an die nationalen Wetterdienste
weiterzuleiten. In Deutschland ist dies der Deutsche Wetterdienst, der daraus Flugwetterwarnungen (SIGMETS) aufbereitet. Die Vorhersagen dienen den Piloten zur Vorbereitung der Flüge und den Flugsicherungen zur Entscheidung zur Freigabe von Flügen. "Solche Freigaben kann die DFS auf Grundlage der vorliegenden Informationen bis auf weiteres nicht erteilen", hieß es in der Mitteilung.

Weil ein Vulkanausbruch in dieser Dimension in Europa ein sehr seltenes Ereignis sei, gebe es europaweit kein Messnetz zur Bestimmung der Aschekonzentration für die Luftfahrt. Die Ausbreitungsprognosen der Vulkanasche beruhten auf einem Computermodell, das zahlreiche Faktoren wie die Aktivität des Vulkans oder die Windgeschwindigkeit
berücksichtigt.

Die Modellberechnungen werden nach Angaben des BMVBS mit zusätzlichen Informationen, zum Beispiel aus Satellitenaufnahmen, abgeglichen und ergänzt.

Derzeit arbeitet der DWD mit Hochdruck daran, stationäre Forschungsmessstationen umzurüsten, um die Aschekonzentration im deutschen Luftraum messen zu können. Außerdem sind Messflüge des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Vorbereitung.

All diese Informationen werden in das VAAC eingespeist, damit die für alle Beteiligten verbindliche Prognose der Ausbreitung der Aschewolke präzisiert werden kann.

Die Sichtflüge, die einzelne Fluggesellschaften seit dem Wochenende absolviert haben, lieferten ebenfalls Informationen zur Aschekonzentration in der Luft, die über den DWD an das VAAC in London weitergeleitet werden.

Allerdings sei die Aussagekraft dieser Flüge begrenzt, da die Flugzeuge nur sehr kurz in der Luft waren und nicht über entsprechende Messinstrumente verfügen, hieß es vom Ministerium.

"Wenn an diesen Flugzeugen keine Schäden beobachtet worden sind, lässt dies keinesfalls den Rückschluss zu, die Aschekonzentration im deutschen Luftraum sei für den Luftverkehr ungefährlich", so die Mitteilung des BMVBS.

Wegen der außergewöhnlichen Lage in Europa seien bei DFS, DWD und BMVBS Krisenstäbe im Einsatz. Das BMVBS koordiniere die Arbeit der Krisenstäbe und stehe dabei in enger Abstimmung mit anderen europäischen Ministerien.

Derzeit sei noch nicht absehbar, wie lange die Verkehrsbeschränkungen in Deutschland noch aufrechterhalten werden müssten. 




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