03.11.2014
FLUG REVUE

Konzept für Satellitengebäude und dritte StartbahnBild am Sonntag: Flughafen BER plant Erweiterung

Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH plant neben der Fertigstellung des Flughafens BER intern bereits dessen Erweiterung. Dies geht aus einem internen Planungspapier des Unternehmens hervor, aus dem die Zeitung "Bild am Sonntag" zitierte. Zu den "heißen Eisen" gehören der Bau eines Satellitengebäudes und die Konzeption einer dritten Startbahn.

Farnair ATR 72-Frachter BER-Luftfrachtzentrum

Ein Frachtflugzeug von Farnair nutzt bereits das Vorfeld am Pier Nord des Flughafen BER. Schon jetzt erwägt die Flughafengesellschaft weitreichende Erweiterungspläne. Foto und Copyright: Flughafen Berlin Brandenburg  

 

Laut der Angaben aus vertraulichen Planungsunterlagen würden Erweiterungsmaßnahmen für zusätzliche Kosten in Höhe von bis zu 2,19 Milliarden Euro erwogen. Die Kosten des noch nicht eröffneten Flughafens BER liegen in der bisherigen Form bei mindestens 5,4 Milliarden Euro. Wegen des anhaltend starken Verkehrswachstums im Berliner Luftverkehr reicht die Kapazität des betont konservativ geplanten Neubauflughafens schon mittelfristig nicht mehr aus. Er sollte, laut ursprünglicher Planung, als "Alleinflughafen" mit zwei Pisten das gesamte Aufkommen der Flughäfen Tempelhof, Tegel und Schönefeld (alt) mit einst insgesamt sechs Start- und Landebahnen übernehmen. BER schafft in der Anlaufphase jedoch vorübergehend nur 21 Millionen Fluggäste im Jahr, später 27 Millionen Passagiere. Schon im Jahr 2013 wurden aber in Berlin 26,3 Millionen Passagiere abgefertigt.

Deshalb wolle das Flughafenmanagement neben der Sanierung des alten Schönefelder Flughafengebäudes für 180 Millionen Euro die nagelneue BER-Gepäckanlage nochmals für 120 Millionen Euro erweitern und das BER-Terminal für 130 Millionen Euro und das Frachtzentrum für 16 Millionen Euro ausbauen, so die "BamS". Zudem solle eine neue Lärmschutzhalle für Triebwerksprobeläufe und eine neue Lounge für Air-Berlin-Passagiere entstehen. Für ein zusätzliches, im Flughafenkonzept bereits genehmigtes, Terminalgebäude auf dem Vorfeld (Satellit) mit Anbindung rechne der Flughafen mit 1,25 Milliarden Euro. Konzeptionell werde auch schon der eventuelle Bau einer dritten Start- und Landebahn mit einer Milliarde Euro kalkuliert. Diese Parallelbahn könnte planerisch einen Kilometer südlich der heutigen Anlagen platziert werden, sie war aber für die jetzt gültige Baugehnemigung nicht mit beantragt worden. Der Flughafen-Aufsichtsrat hat alle der genannten Überlegungen bisher noch nicht beschlossen.

Mit den funktionalen Ausbauüberlegungen stellt sich der Flughafen BER erstmals dem "Problem" des hohen Passagieraufkommens und Wachstums in der Hauptstadtregion. Wegen des Streits um die Fertigstellung der bisherigen Anlagen, die Mehrkosten in Milliardenhöhe verursachen, war eine politische Debatte über bald notwendige strategische Erweiterungen, wie das Satellitengebäude oder die dritte Startbahn, bisher unterblieben.

Die baldige Überlastung des Flughafens BER hat weitreichende Folgen für die bisher politisch verfolgten Schließungspläne der anderen Flughäfen: Sollte der alte Flughafenbereich in Schönefeld (Nord) weiter für die Passagierabfertigung benötigt werden, könnte die Flugbereitschaft der Bundeswehr nicht auf diesem Areal ihr neues Regierungsterminal mit Hangars errichten. Damit müsste die Flugbereitschaft in Tegel (Nord) bleiben, was einen Weiterbetrieb auch der zivilen Anlagen in Tegel (Süd) wahrscheinlicher machen würde.

UPDATE

Die Flughafengesellschaft bestätigte die Echtheit des zitierten Dokuments, das aber ein "strategischer Ausblick bis zum Jahr 2035" sei. Das Papier bündele interne Überlegungen zu diesem Thema, habe aber zu keinem Zeitpunkt zur Entscheidung angestanden. Wenn Erweiterungen des BER anstünden, würden diese in Einzelmaßnahmen markt- und zeitgerecht zugeschnitten und im Aufsichtsrat der FBB beraten. "Insgesamt" gelte, dass die derzeit im Aufsichtsrat benannten Fertigstellungskosten für den BER blieben wie bekannt. Für die nach der BER-Eröffnung notwendigen strategischen Investitionen für anstehende Kapazitätserweiterungen bedürfe es keiner weiteren Gesellschaftermittel.

www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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