12.04.2015
Erschienen in: 05/ 2014 FLUG REVUE

Licht am Ende des Tunnels?Deutsche Verkehrsflughäfen

Die deutsche Flughafenlandschaft befindet sich im Umbruch. Während die großen Drehkreuze wachsen, kämpfen mittlere und kleine Flughäfen um Routen und Rentabilität.

Fraport Frankfurt Rollverkehr

Deutschlands wichtigstes Drehkreuz ist Frankfurt. Während Passagierzahl und Frachttonnage hier 2013 zulegten, ging die Zahl der Flugbewegungen leicht zurück. Foto und Copyright: Fraport AG  

 

IN DIESEM ARTIKEL

Ein modernes Land braucht eine moderne, gut funktionierende Infrastruktur. Die Bundesregierung gibt deshalb ein klares Bekenntnis für den Luftverkehr und leistungsfähige Flughäfen“, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt beim Neujahrsempfang 2014 des deutschen Flughafenverbandes ADV Ende Januar in Berlin. „Luftverkehr und leistungsfähige Flughäfen sichern Mobilität, garantieren Wohlstand und schaffen Begegnung. Wir werden den Luftverkehrsstandort Deutschland stärken und weiter fördern.“

Check-in Airport Weeze

Niedrigpreisairlines verändern die Flughafenlandschaft. Viele Flughäfen, hier Weeze, müssen ihre Einnahmen immer stärker aus luftfahrtfremden Leistungen erzielen. Foto und Copyright: Airport Weeze  

 

Doch der deutsche Flughafenverband klagt, dass derzeit nur noch sechs der 22 internationalen Verkehrsflughäfen Deutschlands Gewinne machten, vor einem Jahr waren es noch acht. Die Daten zeigten zudem, dass sich die Netzwerk-Fluggesellschaften im Linien- und Charterverkehr in den letzten zwei Jahren aus der Fläche zurückgezogen hätten. Dieser Angebotsrückgang habe nur teilweise durch den im Sommer 2013 wieder erstarkten Streckenaufbau der Niedrigpreis-Fluggesellschaften ausgeglichen werden können. Vor allem kleinere und mittelgroße Flughäfen hätten im ersten Halbjahr 2013 einen deutlichen Verkehrsrückgang hinnehmen müssen.

Auch im internationalen Vergleich wächst das deutsche Passagieraufkommen nur schwach. Während das globale Passagieraufkommen 2013 um durchschnittlich sechs Prozent zulegte, verzeichneten die deutschen Flughäfen nur ein Passagierwachstum von mageren 0,7 Prozent. Immerhin wurde mit 202 Millionen abgefertigten Fluggästen in Deutschland 2013 am Ende ein neuer Rekordwert erreicht: Alleine 730 000 internationale Flüge starteten zu 400 Zielen in 111 Staaten.

Während die Flughäfen früher wie Behörden dachten und ihre Kosten „einfach“ auf Gebühren für ihre Nutzer umlegten, müssen sie heute, laut EU-Regeln, auch Konkurrenten an ihren Standorten zulassen. Manche Airline konnte dank dieses neuen Wettbewerbs ihre als zu hoch empfundenen Kosten senken. Aber viele Flughäfen verloren sicher geglaubte Einnahmen. Der einzige Ausweg scheint der immer stärkere Verkauf luftfahrtfremder Leistungen, wie Parkgebühren, Gastronomie, Einzelhandel und der systematische Aufbau von Gewerbegebieten an der Flughafenperipherie zu sein. Doch wenn die Passagiere die Nebenkosten als zu hoch empfinden, wandern sie ab. Ein negativer Effekt, den die deutschen Flughäfen noch durch die ungeliebte Luftverkehrsabgabe verstärkt sehen.


WEITER ZU SEITE 2: Interview mit Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer ADV

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