06.11.2012
FLUG REVUE

airberlin klagt auf Schadensersatz für BER-VerspätungFlughafen BER: airberlin klagt auf Schadensersatz

Wegen der Verspätungen bei der Eröffnung des Berliner Flughafens BER hat Home-Carrier airberlin am Landgericht Potsdam Klage eingereicht. Die Fluggesellschaft will dadurch gerichtlich ihren Anspruch auf Schadensersatz für die ihr durch die Verspätung entstehenden Kosten feststellen lassen. Die Flughafengesellschaft bestreitet dagegen jeglichen Schadensersatzanspruch: Ein fester Eröffnungstermin sei niemals vertraglich garantiert worden.

Die sogenannte Feststellungsklage gegen die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH sei am Dienstag beim zuständigen Landgericht Potsdam eingereicht worden, teilte airberlin mit. Mit dieser Klage verfolge Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft das Ziel, ihren Anspruch auf Schadensersatz infolge der Verschiebung der Eröffnung des neuen Flughafens Berlin Brandenburg (BER) gerichtlich feststellen zu lassen, so die Airline. Die Flughafengesellschaft habe den zugesicherten Eröffnungstermin am 3. Juni 2012 nicht eingehalten und zwischenzeitlich mehrfach verschoben. 

airberlin Chief Executive Officer (CEO) Hartmut Mehdorn sagte: „Wir haben entschieden, unseren Anspruch auf Schadensersatz auf dem Rechtsweg geltend zu machen. Zuvor haben wir in den vergangenen Monaten in vielen intensiven Gesprächen mit dem Flughafen versucht, zu einer für beide Seiten akzeptablen Lösung zu kommen. Dies ist uns leider trotz umfassender Bemühungen seitens airberlin nicht gelungen. Vor diesem Hintergrund sieht airberlin nunmehr in der Einreichung der Klage den einzig gangbaren Weg zur Wahrung ihrer Interessen. Als verantwortliches Management sind wir gegenüber dem Unternehmen und unseren Gesellschaftern verpflichtet, Schaden abzuwenden.“ 

Aus der verzögerten Inbetriebnahme des neuen Flughafens entstünden airberlin erhebliche Schäden, die im Einzelnen noch nicht vollständig beziffert werden könnten. Der sich aus einer Vielzahl von Faktoren zusammensetzende Gesamtschaden hänge unter anderem vom Verlauf des operativen Betriebs des weiter genutzten Flughafens Berlin-Tegel, insbesondere während des Winters, ab. Bis heute seien airberlin bereits geschätzte Mehrkosten und sonstige Schäden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden.

airberlin habe ihr Flugangebot für Berlin auf der Basis der Infrastruktur des neuen Flughafen BER mit dem von der Flughafengesellschaft zugesicherten Eröffnungstermin geplant. Zum Sommer 2012 habe man das Berlin-Angebot um über 230 zusätzliche Flüge pro Woche erweitert, um das internationale Drehkreuz auszubauen. Dieses Angebot müsse nun komplett über den Flughafen Berlin-Tegel abgewickelt werden, dessen Infrastruktur für diese Aufgaben nicht ausgelegt sei, was airberlin zu erheblichem Mehraufwand zwinge. Tegel sei bereits heute an seiner Belastungsgrenze und biete selbst bei höchstem Einsatz der Mitarbeiter in Tegel nicht die Kapazität und Qualität, die der neue Flughafen bieten würde.

 

Berlins Flughafenchef Rainer Schwarz sagte zu der airberlin-Klage: „Die Klage erreicht uns nicht unerwartet. Die intensiven Gespräche der vergangenen Monate haben gezeigt, dass wir in der Schadenersatz-Frage weit auseinander liegen. Nach unserem Ermessen hat die airberlin dem Grunde nach keinen Anspruch auf Schadenersatz, da wir mit der Airline vertraglich keinen fixen Eröffnungstermin für den Flughafen Berlin Brandenburg vereinbart hatten. Die Flughafengesellschaft kann im Interesse ihrer Gesellschafter und Mitarbeiter Schadenersatz nur dann zahlen, wenn dies rechtlich zwingend geboten ist. Wir wissen um die Unannehmlichkeiten der Verschiebung des Eröffnungstermins insbesondere für airberlin. Daher setzen wir seitdem alles daran, den weiteren Flugbetrieb in Tegel so reibungslos wie möglich zu gestalten. Für die Ertüchtigung des Flughafens insbesondere in den Abfertigungsbereichen der airberlin nehmen wir jetzt noch einmal knapp zwei Millionen Euro in die Hand, um die Betriebsabläufe zu verbessern. Wir setzen weiter darauf, mit der airberlin in konstruktiven Gesprächen zu vernünftigen Lösungen zu kommen.“

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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