04.02.2009
FLUG REVUE

Fraport steigt in Hahn ausFlughafen Frankfurt-Hahn: Fraport steigt aus

Für einen symbolischen Preis übernimmt das Land Rheinland-Pfalz die Anteile der Fraport AG am Flughafen Hahn im Hunsrück. Das Land Hessen behält seinen Anteil.<br /> <br />

Das Land Rheinland-Pfalz übernimmt rückwirkend zum 1. Januar 2009 sämtliche Gesellschaftsanteile der Fraport AG an der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH (FFHG). Die teilte die Fraport AG gestern mit. Fraport war bis Ende vergangenen Jahres mit 65 Prozent größter Anteilseigener des Hunsrück-Flughafens, die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen besaßen je 17,5 Prozent der Anteile.

Beide Seiten verständigten sich auf einen symbolischen Kaufpreis von einem Euro. Mit dieser Transaktion endeten alle bestehenden wirtschaftlichen Verpflichtungen der Fraport AG, insbesondere die des Verlustausgleichs und die aus den existierenden Kreditverträgen der Flughafengesell­schaft Frankfurt-Hahn.

Der stellvertretende Vorstandsvor­sitzende der Fraport AG und Aufsichtsratsvorsitzende der FFHG, Dr. Stefan Schulte, erklärte:
"Für uns als börsennotierter Konzern ist die wirtschaftliche Ertragsstärke unserer Beteiligun­gen das entscheidende Kriterium. Verlustbringer können wir uns dauerhaft nicht leisten. Ohne Umsetzung des vorgestellten Zukunftskonzepts ist für uns ein Betrieb des Standortes nicht möglich. Für unseren Ausstieg war vor allem auch entschei­dend, dass wir ab sofort keine weiteren Verluste mehr tragen müssen, was angesichts der vertraglichen Bindungen bis zum Jahr 2024 sonst eine große Belastung gewesen wäre."

Zur Verbesserung der negativen wirtschaftlichen Ergebnisse des Flughafens hatte Fraport in den vergangenen Monaten ein "Zukunftskonzept" vorgelegt. Dies beinhaltete unter anderem die Einführung des "Hahn-Talers", einer von allen Passagieren zu entrichtenden Gebühr in Höhe von jeweils drei Euro für die Nutzung des Airports. Die Umsetzung des Konzeptes war laut Schulte wesentliche Voraussetzung für die FFHG, um Hahn wirt­schaftlich zu machen.

Der Hauptkunde auf dem Hahn, die irische Fluggesellschaft Ryanair, hatte für den Fall der Einführung des "Hahn-Talers" angekündigt, bereits zum Sommerflugplan einen beträchtlichen Teil der Flotte vom Flughafen Hahn abzuziehen und zu einem späteren Zeitpunkt vollständig den Flughafen zu verlassen. Hierzu der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Hendrik Hering: "Die von Ryanair angekündigte Reaktion hätte verheerende Folgen für den Arbeitsmarkt in der Region bedeutet. Rund 6000 Arbeitsplätze wären unmittelbar gefähr­det gewesen. Dies konnten wir nicht zulassen und haben uns deshalb dafür entschieden, die Gesellschaftsanteile der Fraport AG zu übernehmen. Es besteht ein enormes Entwicklungs- und Leistungspotential für den Flughafen Frankfurt-Hahn. Dies werden wir nutzen, um den Flughafen in die Wirtschaftlichkeit zu führen".

Für das Management des Hunsrück-Flughafens wird zukünftig das Land Rheinland-Pfalz verantwortlich zeichnen. Beide Part­ner setzen aber weiterhin auf Kooperation und betonen: Die enge Zusammenarbeit der Flughäfen Frankfurt am Main und Frankfurt-Hahn wird unverändert fortgesetzt. Die Veränderun­gen im Gesellschafterkreis werden keine negativen Auswirkun­gen für die Kunden und Passagiere des Flughafens Hahn mit sich bringen.

Dr. Schulte und Hering betonten, dass der Flughafen Frankfurt-Hahn ein bedeutendes Konversionsprojekt sei. In den vergan­genen acht Jahren habe die Zahl der Passagiere auf dem Hunsrück-Airport von 400000 auf zuletzt fast vier Millionen pro Jahr gesteigert werden können. Im Frachtverkehr zähle der Airport mittlerweile zu den wichtigsten Drehkreuzen in Deutschland. Insgesamt seien in den vergangenen Jahren in der strukturschwachen Region 8000 bis 10000 Arbeitsplätze entstanden.

Verkehrsminister Hering erklärte heute in Hahn vor Flughafenmitarbeitern, dass er großes Entwicklungspotenzial in der geplanten "Entwicklungsgesellschaft Hahn" (EGH) sehe, die die noch brachliegenden Flächen rund um den Flughafen systematisch und professionell entwickeln und vermarkten solle. "Hier schlummern auf der Landseite des Flughafens Möglichkeiten für weiteres Wachstum und Beschäftigung für die gesamte Region", so Hering. "Auch der geplante Terminalumbau wird den Flughafen in Zukunft noch leistungsfähiger machen." Hierfür solle das Passagierterminal um fast 800 Quadratmeter auf circa 4500 Quadratmeter erweitert, der Check-in Bereich zusammengefasst und die Sicherheitskontrolle zentralisiert werden.



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