16.04.2012
FLUG REVUE

BDLI-Bilanz: Wachstum verdeckt Probleme im militärischen Bereich

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie verbuchte 2011 ein Wachstum von 4,1 %, der Gesamtumsatz erreichte 25,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 24,7 Mrd. Euro). Sorgen macht aber weiter der negative Trend im militärischen Bereich.

BDLI-Pressekonferenz Bilanz April 2012

Der BDLI stellte am 16. April 2012 in Berlin seine Bilanz für 2011 vor (Foto: BDLI).  

 

Wie der BDLI heute in seiner Jahresbilanz mitteilte verzeichneten die Beschäftigtenzahlen 2011 ein Plus von 2,1 % und liegen nun bei rund 97.400 (Vorjahr: 95.400). Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bewegten sich 2011 mit rund 16,8 % des Branchenumsatzes auf ähnlich hohem Niveau wie in den Vorjahren.

Der Exportanteil betrug – gemessen am Umsatz der Gesamtbranche – im vergangenen Jahr rund 63,5 % und blieb damit im Vergleich zu 2010 relativ stabil.

Die Branchensegmente sind aus Sicht des BDLI trotz des insgesamt guten Ergebnisses unterschiedlich zu bewerten. Die Zivilluftfahrt konnte durch steigende Bestell- und Auslieferungszahlen erneut Wachstum erzielen. Triebwerkshersteller, Ausrüstungs- und Werkstoffindustrie profitierten dabei im zivilen Sektor von der positiven Marktentwicklung besonders. Auch der Raumfahrtsektor wuchs 2011 in Umsatz und Beschäftigtenzahl.

Erstmals seit Jahren beendete jedoch die wehrtechnische Luft- und Raumfahrt das vergangene Jahr mit einem Minus. Vor allem die militärische Ausrüstungs- und Werkstoffindustrie, darunter viele KMU, hatte zweistellige Umsatzeinbußen zu verbuchen.

„Deutschland kann sich diesen Verlust von Technologiekompetenz und eine Gefährdung der Betreuungsfähigkeit für fliegende Waffensysteme nicht leisten. Wir brauchen jetzt eine militärische Luftfahrtstrategie, welche die Erfor¬dernisse des Bedarfsträgers ebenso im Auge behält wie sicherheits-, rüstungs-, technologie- und industriepolitische Aspekte“, betonte Arndt Schoenemann, BDLI-Vizepräsident Ausrüstung und Werkstoffe, im Rahmen der Jahrespressekonferenz.

Im Detail hat sich der Umsatz des zivilen Segments um 6,2 % auf ein Volumen von 17,2 Mrd. Euro (Vorjahr: 16,1 Mrd. Euro) gesteigert. Mit rund 66,7 % Branchenumsatz in 2011 bleibt die zivile Luftfahrt nach wie vor größter Umsatzsektor der nationalen Luft- und Raum-fahrtindustrie.

Der zivile Hubschrauberbau erlebte nach Einbrüchen im Vorjahr – schneller als erwartet – eine deutliche Erholung, speziell bedingt durch eine wieder deutlich anziehende Nachfrage in den USA und im asiatischen Raum in den Segmenten Oil & Gas sowie Corporate.

Das Branchensegment Raumfahrt war 2011 wie bereits im Vorjahr als innovative Hochtechnologiebranche und Wachstumsmotor auf Erfolgskurs. Der Umsatz dieses Industriesegments konnte um 3,7 % auf rund 2,2 Mrd. Euro gesteigert werden (Vorjahr: 2,1 Mrd. Euro) und entspricht damit 8,4 % des Branchenumsatzes.

Äußerst kritisch entwickelte sich die Lage der militärischen Luft- und Raumfahrtindustrie. Sie schloss das Jahr erstmals seit Jahren mit einem Umsatzminus von 1,1 % ab und sank auf ein Volumen von 6,4 Mrd. Euro (Vorjahr: 6,5 Mrd. Euro) ab. Somit entfallen 24,9 % des Branchenumsatzes auf diesen Sektor. Große Unsicherheit – vor allem bei den Zulieferern dieses Industriesegments – führte 2011 zu einem leichten Beschäftigungsminus. Rund 22.400 Mitarbeiter waren 2011 in diesem Branchenzweig beschäftigt, was 1 % unter dem Beschäftigungsniveau des Vorjahres liegt (Vorjahr: 22.600).

Kritisch sieht besonders die Langfristperspektive für dieses Branchensegment aus. Die ersten Auswirkungen der Bundeswehrreform trafen die wehrtechnische Luftfahrtindustrie 2011 unmittelbar. Erhebliche Anstrengungen der Industrie zur Auslieferung des deutschen NH90-Transporthubschraubers, die Übergabe des mittlerweile 300. Eurofighter, der Beginn der Serienfertigung des Transporters A400M oder die Vorstellung des unbemannten Flugsystems Eurohawk können über die prekäre Lage dieses Branchensegments nicht hinwegtäuschen.




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