29.04.2014
FLUG REVUE

Jahresbilanz 2013 vorgestelltBDLI: Luft- und Raumfahrtindustrie setzt Wachstumskurs fort

Mit einem Umsatzwachstum von 7,8 Prozent auf über 30,6 Milliarden Euro und fast fünf Prozent mehr Beschäftigten zeigte die Luft- und Raumfahrtbranche in Deutschland 2013 ein solides Wachstum. Sorgen macht aber der Militärbereich.

BDLI Umsatzwachstum Grafik 2014

Die Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland zeigt stetiges Wachstum (Foto: BDLI).  

 

BDLI-Präsident Bernhard Gerwert sagte anlässlich der Präsentation der Branchenzahlen heute in Berlin: „Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie setzte auch im Jahr 2013, insgesamt betrachtet, ihren Wachstumskurs fort. Mit der Schaffung von 5000 neuen Arbeitsplätzen verzeichnen wir die höchste jemals erfasste Gesamtbeschäftigtenzahl von 105500 Mitarbeitern.“

Mit Blick auf das Segment „Verteidigung und Sicherheit“ warnte Gerwert im Rahmen der BDLI-Pressekonferenz: „Die positiven Zahlen für die militärische Luftfahrt in 2013 dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich dieses Branchensegment in einer angespannten Lage befindet. Dieser strategische Industriezweig bleibt unser Sorgenkind. Angesichts ausbleibender Entwicklungsprogramme ist die Zukunftsfähigkeit der militärischen Luftfahrt in Deutschland gefährdet. Wir begrüßen vor diesem Hintergrund, dass das BMVg auf Basis eines Kabinettsbeschlusses bis zum Jahresende eine militärische Luftfahrtstrategie erarbeiten wird“.

Die Zivilluftfahrt konnte sich aufgrund eines stark wachsenden globalen Mobilitätsbedarfs und im Zuge weltweiter Flottenerneuerungen im vergangenen Jahr sehr gut entwickeln. Der Umsatz des Segments stieg im Vergleich zum Vorjahr um 9,1% auf ein Volumen von 21,4 Mrd. Euro (Vorjahr: 19,6 Mrd. Euro). Mit 70 % Anteil am Gesamtbranchenumsatz bleibt die zivile Luftfahrt größter Sektor der nationalen Luft- und Raumfahrtindustrie. Mit rund 74.800 Beschäftigten verzeichnete dieses Segment einen Personalanstieg um 6 % im Vergleich zum Vorjahresniveau (70.500).

Die zivile Zulieferindustrie verzeichnet 2013 eine Wachstumsquote von rund 12 %, so dass die gesamte Umsatzzahl auf 9,32 Mrd. Euro stieg. Gerwert sagte: "Die deutsche Zulieferindustrie partizipiert an dem Hochlauf der Airbus-Programme. Der Umsatzzuwachs von rund 1 Mrd. Euro liegt auch darin begründet, dass die Zulieferindustrie zunehmend auf dem Weltmarkt erfolgreich an Programmen beteiligt ist. Sie steht in einem harten internationalen Wettbewerb, in dem sie sich aufgrund ihrer starken Marktstellung in Technologie und Qualität bewährt. Diesen Wettbewerbsvorteil gilt es weiterhin zu erhalten und auszubauen“.
 
Bei der Raumfahrt kennzeichnet der Umsatzrückgang von 1 % auf 2,4 Mrd. Euro laut BDLI nicht die Gesamtsituation der Branche. Die Umsatzreduzierung basiert auf einem Sondereffekt, dessen Eliminierung zu einem Wachstum von etwa 2 % führen würde. Der Umsatz entspricht 8 % des Branchenumsatzes. Der Beschäftigtenzuwachs lag bei 1,6 %. Insgesamt waren 2013 rund 8.400 Menschen in der Raumfahrtindustrie beschäftigt (Vorjahr: 8.300).

Langfristiges Ziel ist es, die führende Rolle Deutschlands in der europäischen Raumfahrt und im globalen Wettbewerb weiter auszubauen. Die im Nationalen Raumfahrtprogramm angelaufenen Programmvorhaben gilt es, konsequent umzusetzen.

Die deutsche Raumfahrtindustrie muss an künftigen ESA-Programmen, die in diesem Jahr entschieden werden, angemessen beteiligt sein. Dazu zählt insbesondere die Weiterentwicklung der Ariane 5 ME gemäß den Beschlüssen der ESA-Ministerratskonferenz 2012, die Sicherung der Beteiligung an der Entwicklung der Ariane 6 sowie die Fortführung der internationalen Raumstation ISS über 2020 hinaus.

Nach zwei Jahren der rückläufigen Entwicklung hat das Branchensegment Verteidigung und Sicherheit – militärische Luftfahrt im vergangenen Geschäftsjahr erstmalig wieder positive Zahlen geschrieben. Das Industriesegment schloss das Jahr mit einem Umsatzplus von 7,2 % ab und erhöhte das Volumen auf 6,8 Mrd. Euro (Vorjahr: 6,37 Mrd. Euro) ab. Der Gesamtumsatzanteil des Branchensegments betrug 22 %. Mit rund 22.200 direkt Beschäftigten arbeiteten in diesem Industriebereich 2013 rund 1,9 % mehr Menschen als  2012 (21.900).

Der BDLI schätzt die positive Entwicklung in diesem Segment im vergangenen Jahr als atypisch für die Situation ein. Die Sorge des Verbandes um die schwierige mittel- bis langfristige Zukunft dieser strategisch wichtigen Industriebranche bleibt bestehen.

Eine im ersten Quartal 2014 durchgeführte BDLI-Blitzumfrage bei den Mitgliedsunternehmen ergab, dass 2/3 der befragten Mitgliedsunternehmen die langfristige Zukunft dieser Teilbranche als mäßig oder gar als schlecht einstufen.

Erste Unternehmen haben ihre Geschäftsfeldaktivitäten in der militärischen Luftfahrtindustrie aufgeben. Grund dafür sind fehlende Geschäftsfeldperspektiven in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Produktion und Instandhaltung. Sinkende, bestenfalls stagnierende Verteidigungshaushalte in Europa und die Folgen der Bundeswehrreform sind Gründe für die schlechte Prognose der Geschäftsentwicklung, neue umfangreiche Entwicklungsvorhaben fehlen.

Vor diesem Hintergrund ist die Gefahr weiterhin akut, dass mittelfristig nicht nur hochqualifizierte Beschäftigung verloren geht, sondern vor allem die Kompetenzen aufgegeben werden, die unsere Industrie über Jahrzehnte aufgebaut hat und die die Basis bilden, auf der unsere Unternehmen zu einem akzeptierten europäischen Kooperationspartner geworden sind.




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