28.04.2017
FLUG REVUE

BDLI-Bilanz 2016 Umsatz und Beschäftigung auf Rekordstand

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie verbuchte 2016 ein Wachstum von acht Prozent auf den Rekordumsatz von 37,5 Milliarden Euro. Die Beschäftigtenzahl liegt nun bei 108000.

BDLI Logo auf Blau 2017

BDLI  

 

Die Zivilluftfahrt ist weiterhin das größte Einzelsegment der Branche. Global steigende Bestell- und Auslieferungszahlen führten zu einem Umsatzwachstum von 7 Prozent auf 27,1 Mrd. Euro. Gut 75000 Menschen arbeiten in diesem Segment. Die Militärische Luftfahrt verzeichnete ein Umsatzplus von 8 Prozent auf 7,5 Mrd. Euro. Die Beschäftigtenzahl erhöhte sich um 3 Prozent auf 23800. In der Raumfahrt stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 17,3 Prozent auf 2,9 Mrd. Euro, die Zahl der Arbeitskräfte erhöhte sich um 5,7 Prozent auf 8900.

Die industrieeigenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung liegen laut Branchenverband BDLI weiterhin auf sehr hohem Niveau. Sie umfassen ein Volumen von 4 Mrd. Euro; diese Zahl entspricht einem Anteil von elf Prozent des Branchenumsatzes.

BDLI Grafik Bilanz 2016

Umsatz und Beschäftigung in der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie erreichten 2016 Rekordstände (Grafik: BDLI).  

 

BDLI-Präsident Klaus Richter mahnte trotz der Rekordzahlen: „Angesichts der wachsenden Konkurrenz aus aller Welt geht es in den kommenden Jahren vor allem darum, den Luft- und Raumfahrtstandort Deutschland wettbewerbsfähig und damit zukunftssicher zu machen. Dieses Ziel erreichen wir nur, wenn alle Beteiligten aus Industrie, Politik und Forschung an einem Strang ziehen. Die Bundesregierung sollte sich verstärkt für faire Wettbewerbsbedingungen (level playing field) weltweit einsetzen. Regulierungen müssen global erfolgen um Nachteile für den Wirtschafts- und Industriestandort zu vermeiden.“

Von besonderer Bedeutung ist für Richter, dass die Bundesregierung die Rolle des Koordinators für die Luft- und Raumfahrt nach der Bundestagswahl beibehält.

Zivile Luftfahrt

Volle Auftragsbücher und das Anheben der Produktionsraten bei allen Luftfahrzeugherstellern trugen auch 2016 zum Umsatzwachstum in der zivilen Luftfahrt bei. Richter betonte: „Die Auftragsreichweite entspricht, gemessen nach heutigen Produktionsraten, etwa zehn Jahren und sichert langfristig Arbeitsplätze. Davon profitieren auch unsere Triebwerkhersteller und mittelständisch geprägte Zulieferunternehmen. Diese Auftragsreichweite ist ein Alleinstellungsmerkmal unserer Branche.“

Die Entwicklungsleistungen für wichtige zivile und auch militärische Flugzeugprogramme sind weitgehend abgeschlossen. Richter sagte: „Unsere Industrie investiert weiterhin - gerade auch im Vergleich zu anderen Industrien - stark in neue Technologien und Produkte in Hinblick auf die Entwicklung der nächsten Generation von Flugzeugen ebenso wie für Produktweiterentwicklungen für laufende Flugzeugprogramme. Ein wichtiger Bereich ist dabei auch die Einführung von Industrie 4.0 und Digitalisierung in Entwicklung, Produktion und Services. Diese Investitionen in Schlüsseltechnologien bilden auch künftig die Basis des globalen Markterfolges unserer Branche.“

Zulieferindustrie

Die deutsche Zulieferindustrie partizipiert an dem Hochlauf der zivilen Luftfahrzeug-Programme. Richter führte aus: „Unsere mittelständisch geprägte Industrie gewinnt weiterhin Programmbeteiligungen auch bei außereuropäischen Flugzeugherstellern. In allen jährlich ca. 1800 weltweit ausgelieferten Verkehrsflugzeugen sind Komponenten ‚Made in Germany‘ enthalten.“

Der BDLI-Präsident konkretisierte weiter: „Die unter der Schirmherrschaft der Koordinatorin der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt stehende Supply Chain Excellence (SCE)-Initiative leistet zusammen mit dem BDLI und unseren Regionalverbänden einen wichtigen Beitrag zur strategischen Aufstellung unserer Zulieferer. Internationalisierung, Unternehmenskooperationen, verbesserter Zugang zu Finanzierung und Steigerung der operativen Leistungsfähigkeit sind hier die Stichwörter!“

Militärische Luftfahrt

Im militäriscen Bereich bedarf es laut BDLI nach einem Vierteljahrhundert der Einsparungen nunmehr einer kontinuierlichen Ausgabensteigerung im Verteidigungsetat. Essentiell hier ist dabei die Entwicklung und spätere Beschaffung des Future Combat Air System (FCAS) mit seinem Nukleus Next Generation Weapon System (NGWS) als europäische Gemeinschaftsentwicklung. Ebenso bedarf es der konsequenten Fortführung der Arbeiten am Entwicklungsprojekt MALE UAS, gemeinsam mit Frankreich und Italien.

Richter forderte die zügige Umsetzung der Militärischen Luftfahrtstrategie (MLS) des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg): „Insbesondere die Entwicklung neuer Programme und die Festschreibung einer militärischen Technologie-Roadmap ist von unerlässlicher Bedeutung für den Fortbestand dieses Branchensegments in Deutschland. Wenn keine Neuprogramme kommen, ist die Fähigkeit zur Entwicklung und Herstellung in diesem High-Tech Segment akut gefährdet!

Raumfahrt

Bei der für die Zukunft der Raumfahrt-Branche maßgeblichen ESA-Ministerratskonferenz wurden im Dezember 2016 richtungsweisende Beschlüsse gefasst, die Richter als vollen Erfolg wertete: „Zu den wichtigsten dort getroffenen Entscheidungen zählen die starke Zeichnung der Raumfahrtanwendungs- und Technologieprogramme ebenso wie die Einigung zur Fortsetzung der internationalen Kooperation auf der Internationalen Raumstation ISS bis 2024.“

Zur Sicherung einer weiterhin erfolgreichen  Entwicklung des Raumfahrtstandorts Deutschland setzt der BDLI auf die weitere Fortsetzung des strategischen Dialogs zur langfristigen Ausrichtung der deutschen Raumfahrtpolitik. Es gilt dabei auch weiterhin, gemeinsam den Herausforderungen zu begegnen, die sich u.a. durch die sich wandelnde Raumfahrtlandschaft weltweit stellen. Dies kann nur durch eine langfristige deutsche Raumfahrtstrategie mit klaren Zielsetzungen und stringenter Programmatik unter Einbeziehung der neuen Märkte erreicht werden.  



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