07.10.2013
FLUG REVUE

Gewaltsames Abheben mit schleifendem HeckAirbus A350 beginnt "Vmu"-Starttests mit Minimalfahrt

Nach über 300 Flugteststunden hat der Airbus A350-Prototyp MSN1 in der vergangenen Woche die spektakulären Starttests mit schleifendem Hecksporn begonnen. Bei den sogenannten Vmu-Tests wird die absolute Minimalgeschwindigkeit ermittelt, ab der sich das Flugzeug in die Luft bringen lässt.

A350 Prototyp MSN1 Vmu Starttest Vatry

Airbus A350-Prototyp MSN1 beim Vmu-Vorbereitungstest in Vatry. Foto und Copyright: Airbus  

 

Ein Foto zeigt den A350-Prototypen MSN1 beim Beginn der jüngsten Testserie beim schnellen Rollen mit steil aufgerichtetem Bug, weitgehend entlastetem Hauptfahrwerk und absichtlich aufsetzendem Hecksporn. Nur für die Vmu-Versuchsreihe verfügen die ersten beiden A350-Prototypen über einen gefederten Hecksporn unter dem Rumpf. Dieser verhindert schwere Strukturschäden bei ihrem absichtlichen Aufsetzen des Hecks.

Ermittelt wird die Minimalfahrt Vmu. Diese "Velocitiy minimum unstick" ist die physikalische Grenze, ab der sich das Flugzeug in die Luft zwingen lässt. Sie liegt viel niedriger, als die später beim Start im Linienverkehr genutzte Geschwindigkeit. Der Airbus A380 hatte sich bei seinen Vmu-Tests 2005 schon bei 202 km/h in die Luft bringen lassen. Aus diesem gefährlich niedrigen Test-Geschwindigkeitsbereich muss das Testflugzeug anschließend weiter beschleunigen, sich stabilisieren und dann sicher abheben.

Die Testreihe gilt als eines der anspruchsvollsten Manöver der gesamten Erprobung. Wegen der extrem niedrigen Geschwindigkeit ist die aerodynamische Ruderwirkung stark eingeschränkt. Besonders im Fall von jederzeit anzunehmenden Triebwerksausfällen gilt dies als große Herausforderung für die Testpiloten. Außerdem kann sich das Flugzeug im schwer am Computer zu simulierenden Langsamflugbereich anders verhalten als angenommen und etwa seitlich ausbrechen. Die A380 hatte seinerzeit bei ihren Vmu-Tests mehrmals unbeabsichtigt mit dem Heck auch außerhalb des Schleifsporns aufgesetzt. Deshalb besteht immer die Gefahr, kostbare Prototypen bei Vmu-Tests ernsthaft zu beschädigen, was das gesamte Zulassungsprogramm verzögern kann.

Der erste A350-Prototyp MSN1 war, laut Airbus, bisher bei über 60 Flügen gut 300 Flugstunden in der Luft. Derzeit sei er mit den Kapiteln  "Systemtests" und "Flugbereich" beschäftigt, teilte Airbus auf Anfrage der FLUG REVUE am Montag mit. Der erste A350-Vmu-Test sei bisher nur ein "Vmu-Entwicklungstest" gewesen. Den Ort des Tests wollte Airbus auf Anfrage der Flug Revue nicht bestätigen. Nach Informationen der FLUG REVUE fand der erste Vmu-Test mit der A350 in Vatry nahe Paris statt. Die A380 hatte ihre Vmu-Tests dagegen im südfranzösischen Istres absolviert.

Unabhängig davon sei der zweite A350-Prototyp MSN3 am 3. Oktober an die Airbus-Flugtestmannschaft übergeben worden, teilte Airbus mit.

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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