26.08.2014
FLUG REVUE

Zulassungstest für Zweimotorenflüge über Wüsten und OzeanenAirbus A350: ETOPS-Testflüge über dem Atlantik

Der Airbus A350-Prototyp MSN5 ist am Montag zu einer Testserie für die ETOPS-Zulassung gestartet. Dabei stellt das Flugzeug Triebwerksausfälle nach und steuert unter Nutzung seiner Reservesysteme typische Ausweichflughäfen an.

Airbus A350XWB MSN5 Santiago erster Besuch Chile

Für die ETOPS-Zulassung testet der A350-Prototyp MSN5 derzeit das einmotorige Fliegen. Foto und Copyright: Airbus  

 

Der A350-Prototyp MSN5 startete am Montag als Flug "AIB351" aus Toulouse zu Testflügen Richtung Azoren und Kapverden. Die Webseite "Flightradar 24" zeigte das Flugzeug über dem Atlantik in einer ungewöhnlich niedrigen Flugfläche 190 (5800 Meter) statt der üblichen gut 11 Kilometer Reiseflughöhe. Dies deutet auf Flugtests im Einmotorenflug hin, um Notlagen mit Triebwerksabschaltung nachzustellen.

Das Flugzeug kann auch mit nur einem Triebwerk fliegen. Es kann allerdings bei typischer Beladung nicht mehr die volle Reiseflughöhe halten und sinkt in eine etwas weniger wirtschaftliche Höhe ab, verbraucht dadurch mehr Kerosin und fliegt langsamer. Die ETOPS-Tests (Extended Range Twin Engine Operations -Zweimotoriger Betrieb auf erweiterten Langstrecken) weisen nach, dass das Flugzeug dennoch, nur mit den Systemen eines Triebwerks (und dessen Generatoren), auch bei längeren Flügen zum Ausweichflugplatz zurechtkommt. Dabei spielen zahlreiche Systeme, wie Trimmung, Tanksteuerung, Flight Management System, Feuerlöscher, Batterien, elektrische Schaltmöglichkeiten und Fehlerkombinationen eine Rolle.

Die behördliche ETOPS-Zulassung drückt dann durch eine angehängte Zahl die Zeit in Minuten aus, die ein Flugzeug im Einmotorenflug zum Ausweichflughafen benötigen darf. Airbus strebt auf mittlere Sicht erstmals eine "ETOPS 420"-Zulassung für die A350 an. Das bedeutet, das Flugzeug darf direktere und kürzere Routen über Wüsten- und Ozeangebieten wählen, bei denen es nach einer Störung im Einmotorenflug bis zu 420 Minuten zum weit entfernten, nächsten Ausweichflughafen brauchen würde. Normalerweise erteilen Luftfahrtbehörden diese Zulassungen schrittweise. Am Anfang dürfte Airbus zum Beispiel nur eine "ETOPS 330"-Zulassung erhalten, die später, nach nachgewiesener Einsatzzuverlässigkeit, erhöht werden kann.

UPDATE:
Am Dienstag zeigte sich MSN5 auf der Webseite "Flighradar 24" als Flug "AIB352" nördlich von Neufundland im kanadischen Luftraum und schien südöstlichen Kurs auf die Azoren zu nehmen.

www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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