09.07.2014
FLUG REVUE

Zukunftstechnik "Bionisches Design"Airbus A350 fliegt erstmals mit 3D-gedrucktem Bauteil

Airbus A350-Prototyp MSN5 ist erstmals mit einem Bauteil geflogen, das mit einem 3D-Drucker aus Metallpulver erzeugt wurde. Die neue Herstellungstechnik könnte einmal den Flugzeugbau revolutionieren und die Masse einzelner Baugruppen um bis zu 50 Prozent reduzieren.

Airbus_A350_MSN5_erstes_3D-gedrucktes_Teil

Das linke Kabinenteil von A350-Prototyp MSN5 entstand im 3D-Drucker. Zum Vergleich: Das herkömmliche gefräste und schwerere Bauteil rechts. Foto und Copyright: Airbus  

 

Von Airbus am 8. Juli veröffentlichte Fotos zeigen das Bauteil, eine bewegliche Halterung für Kabinenteile der A350, vor der Montage im Testflugzeug, mit dem es mittlerweile in der Luft war. Laut Airbus entstand das Bauteil aus Titanpulver, das in einem 3D-Drucker nach den elektronischen Bauplänen aus einem Computer lagenartig aufgebaut wurde. Man kann sogar unterschiedliche Materialpulver im 3D-Drucker mischen, um dem Werkstück bestimmte Eigenschaften zu verleihen.

Die sogenannte “Additive Layer Manufacturing”-Technik (ALM) habe hier eine Gewichtsredutzierung von 30 Prozent ermöglicht, gegenüber herkömmlich hergestellten Teilen mit gleicher Funktion, teilte Airbus mit. Das jüngste A350-Teil habe dennoch alle funktionalen und Festigkeitsvorgaben erfüllt. Die Herstellungskosten seien gesunken und das Fertigungstempo sei erhöht worden.

Langfristig gehen die Flugzeughersteller von bis zu 50 Prozent Gewichtsersparnis im Flugzeugbau aus. Außerdem wird durch die "positive" Form des Bauteils der Abtrag von Rohmaterial, der beim Fräsen entsteht, um 90 Prozent reduziert. Auch der Energiebedarf bei der Fertigung sinkt wesentlich.

Weil man im 3D-Drucker die Teile frei, selbst gitterförmig, ohne jeglichen Materialüberschuß genau in der gewünschten Form bauen kann, spricht man wegen der nun möglichen astartigen Struktur mit Verzweigungen auch von "bionischem Design". Es dürfte den Flugzeugbau grundlegend revolutionieren.

3D-Drucker könnten außerdem die Herstellung von Ersatzteilen vereinfachen. Eine Flugzeugwerft könnte sich Ersatzeile an Ort und Stelle im eigenen 3D-Drucker nach den Originalplänen ausdrucken, ohne dass eine große Lagerhaltung nötig würde. Bisher kann man im 3D-Drucker Werkstücke von etwa einem Meter mal einem Meter Länge industriell drucken. Größere Bauteile werden bei Bedarf bisher aus Einzelteilen gedruckt und dann per Laser miteinander verschweißt.

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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