21.05.2014
FLUG REVUE

Projekt CleanSky 2Airbus forscht am Flugzeug von Übermorgen

Im Rahmen des Forschungsprojekts CleanSky 2 arbeiten Airbus-Ingenieure in sechs Bereichen an technischen Lösungen für die Flugzeuge von Übermorgen. Ziel sind eine wesentliche Verbrauchseinsparung und die Reduzierung der Emissionen.

Pratt + Whitney übergibt erste Triebwerke für A320neo

Moderne Triebwerke mit immer höherem Nebenstromverhältnis, wie sie derzeit an der A320neo (Foto) installiert werden, könnten in der Zukunft zu völlig neuen Flugzeugkonfigurationen im Flugzeugbau führen. Foto und Copyright: Airbus  

 

"Wir wollen, gegenüber dem Jahr 2000, bis zum Jahr 2023 den CO2-Ausstoß um 75 Prozent, den NOX-Ausstoß um 90 Prozent und den Lärm um 65 Prozent senken", sagte Airbus-Ingenieurvorstand Charles Champion auf einem Pressegespräch am Mittwoch auf der ILA, an dem auch die FLUG REVUE teilnahm. Die Forscher des Unternehmens seien in sechs Themenbereichen am entwickeln von Technologien für künftige Flugzeuggenerationen:

1. fortschrittliche Triebwerke und Flugzeugkonfigurationen
Hierzu gehörten Flugtests mit einem Open-Rotor-Triebwerk an einem Test-Airbus A340

2. Innovative Kabinenintegration, neue Systeme und Strukturen
Hierzu sollen drei Demonstratoren entstehen

3. Elektrik, Cockpit und Avionik der nächsten Generation
Reduzierung der Arbeitsbelastung der Piloten, verbesserte Navigation, Missionsmanagement und Überwachung des technischen Zustands des Flugzeugs

4. Entwurf künftiger Verkehrsflugzeuge

5. Entwurf künftiger Hubschrauber

6. Entwurf eines künftigen Regionalflugzeugs

Die Forschungsergebnisse des vier Milliarden Euro teuren Technologieprogramms, von dem die Industrie 2,2 Milliarden Euro und die EU-Kommission 1,75 Milliarden Euro finanzieren, sollen frühesten Mitte der nächsten Dekade in reale Projekte münden. Man wolle damit neue Technologien abwarten und integrieren, die jetzt erst nutzbar würden. Laut Charles Champion beginne Airbus dabei bewusst mit einem "weissen Blatt Papier", um ein neues, optimiertes Gesamtsystem zu entwerfen. Es geht nicht nur um die Verbesserung einzelner Aspekte im Flugzeugbau, sondern um die Nutzung neuer Technologien in der Gesamtheit der sinnvoll anwendbaren Felder. So untersuche der Hersteller auch die Änderung der Reisegeschwindigkeiten. Falls etwa ein Flug von Köln nach Berlin durch eine Senkung der Geschwindigkeit zehn Minuten länger brauche, dafür aber acht Prozent Treibstoff spare, lohne sich dies. Allerdings müsse man auch das "System Luftverkehr" bedenken. Ein langsamerer Flug dürfe dann nicht alle anderen Flüge stören und den Luftraum durcheinanderbringen. Deshalb verfolge Airbus einen Systemansatz.

Laut Jean Botti, Technologievorstand der Airbus Group, untersuche Airbus neben langsamerer Fluggeschwindigkeit auch schnelleres Flugtempo. "Wenn wir aber noch einmal Überschall machen, muss es sauber sein und es darf nicht knallen. Die Zeit einer Concorde ist vorbei." Die Airbus Group untersuche am Beispiel eines in Kooperation mit Japan konzipierten, umweltfreundlichen Flugzeugs für den Weltraumtourismus die Möglichkeiten sauberen Hochgeschwindigkeitsfluges. Man könnte dieses Weltraumflugzeug auch gezielt Strecken auf der Erde zurücklegen lassen und dabei an neuen Hochgeschwindigkeitsflugzeugkonzepten forschen, sagte Botti auf Nachfrage der FLUG REVUE.

Airbus-Forschungsvorstand Axel Krein sagte auf der Veranstaltung, der Hersteller müsse auch die extremen Zuverlässigkeitsanforderungen an Flugzeuge bedenken, wenn er neue Technologien einführe. Die heutige A320-Familie erreiche eine sehr hohe Einsatzzuverlässigkeit von 99,8 Prozent. Diesen Wert müsse jedes Flugzeug von Morgen vom Start an überbieten. Es gebe bei den Airline-Kunden kein Pardon für etwaige technische Anfangsprobleme. Airbus beschäftigt 13000 Ingenieure in Europa, davon rund 40 Prozent in Deutschland. In den letzten fünf Jahren ließen sich alleine die deutschen Airbus-Ingenieure 1000 Patente für das Unternehmen schützen.

Mehr zum Thema:
www.flugrevue.de/Sebastian_Steinke


Weitere interessante Inhalte
Übersicht Zivilflugzeug-Bestellungen im Jahr 2017

21.08.2017 - Welche Airline hat bei Airbus, Boeing, Bombardier, Embraer und Co. bestellt oder Optionen gezeichnet? Unsere Übersicht gibt Ihnen eine aktuelle Auflistung der Flugzeugbestellungen im Jahr 2017. … weiter

Vorfeld-Unfall am Frankfurter Flughafen Leere Lufthansa-A380 kollidiert mit Catering-Truck

21.08.2017 - Kurz nach seiner Ankunft aus Shanghai ist ein leerer Lufthansa-Airbus A380 am Sonntagabend auf dem Frankfurter Flughafen mit einem Transporter für Bordverpflegung zusammengestoßen. Dessen Fahrer wurde … weiter

Bestseller-Twin Top 10: Die größten Kunden der Boeing 777

21.08.2017 - Als Ergänzung zur 747 plante Boeing die 777, die sich schon bald zum Verkaufsschlager entwickelte. Wer die meisten Exemplare der „Triple Seven“ in Empfang genommen hat sagt unsere Top 10. … weiter

Behörde zieht Konsequenzen nach Beinahe-Landung auf Rollweg FAA untersagt nächtliche Sichtfluglandungen in San Francisco

18.08.2017 - Ein nächtlicher Zwischenfall auf dem Flughafen von San Francisco vom Juli führt zu verschärften Regeln bei Nacht: Künftig sind dort Landeanflüge bei Nacht unter bestimmten Bedingungen nur mit … weiter

Erweiterung für 777X-Metallverarbeitung Boeing wächst in Montana

18.08.2017 - Am Regionalflughafen von Helena, im US-Bundesstaat Montana, hat Boeing die Erweiterung eines Produktionswerks für Metallverarbeitung in Betrieb genommen. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 09/2017

FLUG REVUE
09/2017
07.08.2017

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Eurofighter: Österreich will teure Kampfjets ausmustern
G20: Gipfeltreffen der VIP-Jets
Falcon 5X: Dassaults neuer Widebody fliegt
Tiger Meet: Trainingsduell über der Bretagne
Cassini-Sonde: Nach 20 Jahren Finale am Saturn
Air Serbia: Etihad baut erfolgreich um
Erstflug am Computer: Flugzeuge im Datenstrom

Be a pilot