28.06.2012
aero.de

Airbus plant offenbar A320-Endmontagelinie in den USA

Airbus plant, zu den bereits existierenden drei Endmontagelinien für die Narrowbody-Familie in Hamburg, Toulouse und Tianjin eine vierte in Mobile, im US-Bundesstaat Alabama aufzubauen.

Auslieferung des 7000. Airbus an US Airways.

Als 7000. Flugzeug von Airbus wurde diese A321 in Hamburg ausgeliefert. Foto: Airbus  

 

Es wäre ein Coup. Der europäische Flugzeugbauer Airbus plant nach Medienberichten eine Endmontagelinie für die A320 in den Vereinigten Staaten. Eine offizielle Bestätigung des Vorhabens könnte bereits am Montag erfolgen, schreibt die "New York Times" unter Berufung auf infomrierte Unternehmenskreise. Demnach werde Airbus eine A320-Linie am Standort Mobile im US-Bundesstaat Alabama errichten, wo Airbus Military bereits ein Verkaufs- und Servicecenter unterhält.
Mobile wäre auch die erste Wahl des EADS-Konzerns für die Endmontage von Tankern auf Basis der A330 für die US Air Force gewesen. Im jahrelangen Tauziehen um den 35 Milliarden Dollar schweren Rüstungsauftrag setzte sich schließlich aber Wettbewerber Boeing durch.
Airbus hat die Pläne bislang nicht bestätigt, aber auch nicht ausdrücklich dementiert. "Zu diesem Zeitpunkt haben wir nichts zu verkünden", zitiert die NY Times Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath.
Ein A320-Werk in den Vereinigten Staaten wäre eine neue Dimension im Konkurrenzkampf der beiden großen Flugzeugbauer um Kunden und Marktanteile. Ähnlich wie an der Final Assembly Line im chinesischen Tianjin würde Airbus in Mobile mit hoher Wahrscheinlichkeit vor allem für den lokalen Markt Flugzeuge bauen. Und der ist gewaltig.
Eine von Boeing erstellte Marktstudie sieht unter nordamerikanischen Airlines ein Absatzpotenzial von 7.530 neuen Flugzeugen in den nächsten 20 Jahren. Fast drei Viertel dieses Bedarfs entfalle dabei auf das Segment der Standardrumpfjets, in dem die Amerikaner mit der 737 gegen die A320 konkurrieren.
Airbus schätzt den Markt mit einem erwarteten Gesamtabsatz von 5.900 neuen Flugzeugen bis 2030 zwar etwas zurückhaltender ein als Boeing, aber auch in den Prognosen der Europäer ist Nordamerika die Region mit dem größten Volumenpotenzial für Flugzeuge der A320-Klasse.
Amerikanische Fluggesellschaften benötigen nach jahrelangem Investitionsstau dringend moderne Flugzeuge als Ersatz für Sprit schluckende Flotte. Junge Low Cost Carrier verleihen dem US-Markt zusätzliche Dynamik. Mit der A320neo konnte Airbus im vergangenen Jahr aus beiden Lagern Kunden gewinnen. American Airlines, Republic/Frontier, Spirit Airlines, JetBlue und Virgin America haben zusammen bereits 325 Festaufträge für die ab Oktober 2015 verfügbaren Jets erteilt.
Ein Produktionsstandort in den USA hätte für EADS aber vor allem eine strategische Komponente. EADS und Airbus hatten angesichts der Höhenflüge des Euro schon mehrfach den Aufbau einer Produktion im Dollarraum als Möglichkeit bezeichnet, um Währungsrisiken zu begegnen.
Airbus unterhält Endmontagelinien für die A320 bislang an den Standorten Toulouse, Hamburg und Tianjin. Ein viertes Werk außerhalb Europas dürfte - wie bereits im Fall der chinesischen Endmontage - allerdings auf Widerstand der Gewerkschaften stoßen. In den USA ist Airbus auch schon mit einem Engineering Center in Wichita im US-Bundesstaat Kansas vertreten. Dort arbeiten 350 Airbus-Mitarbeiter.

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aero.de / Dennis Dahlenburg


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