12.06.2017
Erschienen in: 06/ 2017 FLUG REVUE

Koreaner im Anflug (Teil 2) Die neuesten Jets fliegen nach Frankfurt

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Das moderne Bordunterhaltungssystem der A380 ermöglicht es, Gäste an Bord per „Tischtelefon“ anzurufen, allerdings nur, wenn diese die Funktion auf der Empfängerseite auch freigeben. Die auf der Frankfurt-Route eingesetzte A380 ist die jüngste, erst im Dezember 2016 ausgelieferte A380 der Koreaner, ausgestattet mit LED-Stimmungsbeleuchtung und Außenkameras. Der Service an Bord ist asiatisch geschliffen und insgesamt etwas westlicher geprägt als bei traditionelleren asiatischen Airlines.

Vor dem Abflug und nach der Landung werden die Flugbegleiter an allen Türen einzeln per Lautsprecher abgefragt, ob die Notrutschen scharf gestellt beziehungsweise wieder gesichert sind. Sicherheit ist bei Asiana ein Vorrangthema, spätestens seitdem die Airline 2013 mit einer spektakulären Bruchlandung in San Francisco Schlagzeilen machte. Damals flog eine Boeing 777-200ER viel zu langsam an und schlug schließlich hart auf. Drei Insassen kamen ums Leben. Der Copilot am Steuer erklärte anschließend, er habe nicht gewagt, ein Durchstarten eigenmächtig einzuleiten, ohne dafür einen Befehl seines Kapitäns erhalten zu haben. Asiana hat sich danach mit Flugtrainer, Prüfer und Jumbo-Kapitän Aric Oh von Singapore Airlines einen externen Experten als Trainings- und Prüfungsvorstand geholt, der das komplette Pilotentraining umgestellt hat. Heute werden die Piloten zur Teamarbeit angeleitet, viel stärker überwacht und ständig an internationalen Maßstäben gemessen. Das frühere, klassisch hierarchische Rollenverständnis soll durch gleichberechtigte Akteure im Cockpit ersetzt werden. 1500 Mindestflugstunden, ein hoher Grenzwert wie in den USA, muss ein junger Copilot zum Linieneintritt vorweisen. Frühere Militärpiloten und zivile Kollegen werden nun ohne internen Vorrang gleich behandelt.

Für das Pilotentraining hat Asiana auch in ihre Infrastruktur investiert: Im Verwaltungshauptquartier, im Südwesten von Seouls Stadtflughafen Gimpo, stehen im 8000 Quadratmeter großen Flight Crew Training Center Simulatoren für die Muster Boeing 747-400, Boeing 777, Boeing 767, Airbus A330, Airbus A320 und, seit Februar 2017, Airbus A350. A380-Piloten werden, angesichts einer Teilflotte von nur sechs Flugzeugen, direkt bei Airbus in Toulouse geschult. Schon üben hier auch die A350-Piloten von Asiana im Simulator den Anflug auf Frankfurt und lärmarme Abflüge mitsamt der hessischen Spezialität „Südumfliegung“. Denn die A350 ist bei Asiana vor allem für US- und Europa-Strecken vorgesehen.

Noch im Frühjahr wird Asiana ihre erste A350 aus Toulouse erhalten. Diese Zweistrahler bieten keine typische Erste Klasse, sondern die neue Premium Economy Class. Bis 2022 sollen weitere 21 Jets dieses Musters folgen. In 21 Schulungsräumen, darunter Computer-Lehrkabinette und Schulungscockpits für diverse Muster, können insgesamt 416 Piloten unterwiesen werden. „Wir machen keinerlei Kompromisse bei der Sicherheit“, ist der Leitsatz des neuen Asiana-Präsidenten und Vorstandschefs Soo-Cheon Kim, der zuvor die Tochtergesellschaft Busan Airlines erfolgreich aufgebaut hat.

Im Gebäude nebenan befindet sich ein Flugzeugrumpf für die Schulung von Notevakuierungen. Hier lernen die Flugbegleiter ihr Handwerk, um schnellstmöglich Türen zu öffnen und Notrutschen auszulösen. Originaltüren aller Flugzeugmuster, darunter der A380 und A350, stehen für das Training bereit.
Es gibt auch Schminkräume, ein „Ballettsaal“, in dem elegantes Schreiten geübt wird, und Lehrräume für die Bordverpflegung und die Passagierausstattung in den unterschiedlichen Klassen. Selbst ein Raum für Weinproben ist vorhanden. In Asien ist Wein weitaus weniger verbreitet als etwa in Europa, und die koreanischen Flugbegleiter sollen in der Lage sein, entsprechende Empfehlungen zu geben. Auf den Frankfurt-Flügen ist unter anderem ein trockener Riesling im Angebot.

Im Erdgeschoss ist das Firmen­museum untergebracht. Asiana Airlines wurde 1988 vom Mischkonzern Kumho Asiana Group gegründet und nahm unter dem Namen Seoul Air International den Betrieb zunächst mit Inlandsflügen von Seoul nach Busan auf. Seit 2006 fliegt Asiana in der heutigen Lackierung, die sich an traditionellen koreanischen Symbolfarben orientiert und diese mit dem roten Flügelsymbol der Kumho Group kombiniert. Seit März hat sich der chinesische Branchenriese HNA Group mit umgerechnet 150 Millionen Dollar an den Koreanern beteiligt.


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Sebastian Steinke


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