07.05.2014
FLUG REVUE

Untersuchungsbehörde listet Verdachtsfälle aufBFU fordert bessere Kontrolle der Kabinenluft

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig hat das Thema "Verunreinigung der Kabinenluft" von Passagierflugzeugen untersucht und bereits eine Reihe von Empfehlungen erarbeitet. Dabei stehen Additive von Triebwerksschmierstoffen im Verdacht, mit der Zapfluft in die Kabine zu gelangen und die Gesundheit der Flugzeuginsassen zu beeinträchtigen.

kabinenluft triebwerk zapfluft

Die Atemluft kommt als Zapfluft aus dem Triebwerk. Eigentlich sollte hier kein Öl eindringen können. © Matthias Gründer  

 

Der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) würden seit einigen Jahren vermehrt so genannte „Fume Events“ gemeldet, teilte die Behörde mit. Dabei handele es sich um Ereignisse in Bezug auf Gerüche, Rauch oder Nebel im Flugzeuginnenraum, teilweise mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen von Flugzeuginsassen. Ebenso werde das Thema zunehmend durch Flugbesatzungen, Berufsvertretungen, Medien und in politischen Gremien diskutiert.

Die BFU habe deshalb 845 im Zeitraum von 2006 bis 2013 an sie gemeldete "Unfälle", "Schwere Störungen" und "Störungen" betrachtet. Bei 663 Meldungen habe ein Zusammenhang mit der Kabinenluft hergestellt werden können. Bei diesen gemeldeten „Fume Events“ seien in 460 Fällen das Auftreten von Geruch und in 188 Fällen eine Rauchentwicklung mitgeteilt worden. In 15 Fällen habe es weder Rauch noch Geruch aber gesundheitliche Beschwerden gegeben.

Im Rahmen der Studie hat die BFU die gemeldeten Ereignisse in vier Kategorien eingeteilt:

· „Fume Events“ mit Auswirkungen auf die Flugsicherheit

· „Fume Events“ mit möglichen Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit der Besatzungsmitglieder

· „Fume Events“ mit Auswirkungen auf den Komfort für die Flugzeuginsassen

· „Fume Events“ und mögliche Langzeitwirkungen auf Flugzeuginsassen

Die Auswertungen der Daten für diese Studie habe im Ergebnis gezeigt, dass die formalen Voraussetzungen für eine Schwere Störung bei einigen „Fume Events“ durch das Aufsetzen der Sauerstoffmasken im Cockpit oder einen teilweisen Ausfall eines Piloten in einigen Fällen gegeben waren. In wenigen Fällen habe eine Beeinträchtigung der sicheren Durchführung des Fluges bestanden, so die BFU. Es gebe deutliche Hinweise, die auf gesundheitliche Belastungen im Sinne der Arbeitsmedizin für Piloten und Kabinenbesatzungen hindeuteten.

Im Vergleich zu der Zahl aller Meldungen beziehe sich ein hoher Anteil auf Ereignisse, die nach Auffassung der BFU nur Auswirkungen auf den Komfort der Flugzeuginsassen haben. Es seien Meldungen, die zum Beispiel unangenehme aber harmlose Gerüche beschreiben. In zehn Fällen von allen der BFU bekannten „Fume Events“ berichteten Meldende im Nachhinein über langfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen. Bei allen Ereignissen handele es sich um Geruchsfälle mit den Geruchsmerkmalen Ölgeruch oder „alte Socken". In acht Fällen sei der BFU bekannt geworden, dass die Meldenden sich in medizinische Behandlung begeben hätten.

Mit den derzeitig vorhandenen Mitteln und Möglichkeiten der Flugunfalluntersuchung sei die Untersuchung lange zurückliegender Ereignisse nicht möglich. Die Klärung möglicher Langzeitwirkungen in Verbindung mit „Fume Events“ müsste nach Auffassung der BFU nach den Prinzipien der Klinischen Toxikologie erfolgen.

Bei den in der Studie betrachteten „Fume Events“ sei es zu keinen erheblichen Einschränkungen der Flugsicherheit gekommen. Allerdings habe die Studie gezeigt, dass „Fume Events“ aufträten und zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen könnten. Eine Beurteilung der möglicherweise in Verbindung mit „Fume Events“ aufgetretenen Langzeitwirkungen könne die BFU mit der Arbeitsweise und den Methoden der Flugunfalluntersuchung nicht bewerten.

Mit der Studie gebe die Behörde vier Sicherheitsempfehlungen heraus, so die BFU. Diese richteten sich an den Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e.V. (BDLI), den Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) sowie die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA). Die Sicherheitsempfehlungen seien ausgerichtet auf

1. eine verbesserte Identifikation und Maßnahmen zur Verhinderung von möglicherweise gesundheitsgefährdenden Verunreinigungen in der Kabinenluft

2. eine Verbesserung der Meldeverfahren

3. eine Optimierung der Verfahren zur Nachweisführung der Qualität der Kabinenluft im Rahmen der Musterzulassung von Verkehrsflugzeugen

4. eine Bewertung eines möglichen Zusammenhangs zwischen gesundheitlichen Langzeitbeeinträchtigungen und „Fume Events“ durch eine dafür qualifizierte Institution.

Die BFU empfehle außerdem der Musterzulassungsbehörde EASA und der Luftfahrtindustrie den möglichen Eintrag von schädlichen Stoffen in die Flugzeugkabine und Auswirkungen auf den Menschen durch wissenschaftliche Einrichtungen untersuchen zu lassen.

Mehr zum Thema:
www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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