08.07.2014
FLUG REVUE

Heiße Test-Phase in EdwardsBoeing 787-9 besteht Bremsentest mit maximaler Leistung

Kurz vor der Zulassung der Boeing 787-9, Mitte Juni, schlug für die gestreckte Version des Boeing Dreamliners die Stunde der Wahrheit: Auf der Edwards Air Force Base musste der Zweistrahler zum Startabbruchtest mit maximaler Bremsleistung antreten.

Boeing 787-9 Dreamliner Bremstests Maschine rollend

Der Startabbruchtest mit maximaler Bremsleistung wurde auf der Edwards Air Force Base durchgeführt. Foto und Copyright: Boeing  

 

Bei diesem extremen Bremsentest, den sich alle Hersteller wegen der Gefährdung ihrer kostbaren Testflugzeuge stets für das Ende ihrer Zulassungskampagnen aufheben, wurde die Boeing 787-9 mit maximaler Startmasse auf der Startbahn der Edwards Air Force Base erst auf eine höchstzulässige Rollgeschwindigkeit von 348 km/h (188 Knoten) beschleunigt und dann, ohne Einsatz der Schubumkehr und nur mit den Radbremsen, scharf abgebremst. Für den Test werden eigens zu 99 Prozent verschlissene Bremsen eingebaut, die am untersten Ende der zulässigen Einsatzgrenzen angekommen sind.

Boeing 787-9 Dreamliner Bremstests Reifen platt

Bei der Schnellbremsung werden die Bremsen glühend heiß und bringen die Schmelzventile an den Reifen zum Abblasen. Foto und Copyright: Boeing  

 

"Wir müssen für die Zulassung nachweisen, dass das Flugzeug jederzeit, auch bei maximaler Startmasse, noch auf der Startbahn sicher zum Halten gebracht werden kann", sagte Boeing-Flugtestdirektor Miguel Marmol. "Neben der Höchstgeschwindigkeit und der extremen Masse erzeugen wir mit Hilfe der verschlissenen Bremsen absichtlich das absolute Worst-Case-Szenario", so der Ingenieur. "Die Bremsen werden zuvor extra abgeschliffen, damit sie tatsächlich genau am untersten Limit liegen."

Boeing 787-9 Dreamliner Bremstests Feuerwehr löscht qualmende Reifen

Frühestens nach 5 Minuten darf die Feuerwehr eingreifen und die qualmenden Reifen abkühlen. Foto und Copyright: Boeing  

 

Beim Abbremsvorgang wird die Bewegungsenergie des Flugzeugs in Wärmeengergie umgewandelt. Dadurch fangen die Bremsscheiben an, hellrot zu glühen. Die Hitze öffnet nach wenigen Minuten Schmelzventile in den Reifen, die deren Stickstofffüllung sanft entweichen lassen, damit die Reifen nicht etwa explosiv platzen. Die Flughafenfeuerwehr, die den Test aus nächster Nähe beobachtet, darf aus Zulassungsgründen erst nach fünf Minuten eingreifen. Bis dahin muss das Flugzeug alleine mit der gefährlichen Hitze seines Fahrwerks fertig werden.

Der Startabbruchtest mit maximaler Leistung ist der Höhepunkt einer etwa einmonatigen Test-Reihe von zunehmend anspruchsvollen Bremsversuchen. Dabei werden auch die Bremslogik, das Antiblockiersystem, die Störklappen und andere Systeme des Flugzeugs bei zunehmender Belastung überprüft. Am Steuer der 787 saß bei dem Test Boeing-Testpilotin Heather Ross. Sie ist bei Boeing Test & Evaluation Projektpilotin. Die Boeing 787-9 hat alle Tests erfolgreich bestanden. Die 787-9 erhielt Mitte Juni ihre ergänzende Musterzulassung.

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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