08.04.2013
FLUG REVUE

Boeing 787 absolviert "Batterie-Demonstrationsflug"

Ein für LOT gebautes späteres Kundenflugzeug, Dreamliner 86, hat am Freitag in Anwesenheit von FAA-Inspektoren die von Boeing vorgeschlagenen Modifikationen an der Batterie der Boeing 787 im Flug vorgeführt. Damit hofft Boeing, sich der Aufhebung des behördlichen Dreamliner-Groundings entscheidend zu nähern.

Zur Besatzung des Testflugs in Everett hätten elf Personen gehört, meldete Boeing. Darunter seien auch zwei FAA-Inspektoren gewesen. Bei dem knapp zweistündigen "Batterie-Zulassungs-Demonstrationsflug" (Boeing) sei vorgeführt worden, dass das veränderte Batteriesystem im normalen Betrieb und bei Störungen wie geplant funktioniere. Die Besatzung unter dem Kommando der Boeing-Testpilotin, Flugkapitän Heather Ross habe keine besonderen Vorkommnisse gemeldet. Das spätere LOT-Kundenflugzeug mit der Übergangsregistrierung N1791B gehöre derzeit Boeing.

Mit diesem von der US-Luftfahrtbehörde FAA angeordneten Flug schließe Boeing die behördlich verlangten Tests für die Genehmigung der Batterie-Modifikationen ab. Boeing werde nun die gesammelten Daten analysieren und in den nächsten Tagen an die FAA übergeben. Boeing stehe darüber hinaus bereit, auf Nachfrage zusätzlichen FAA-Anordnungen zu folgen, bis alle Erfordernisse der FAA befriedigt seien. Der Großteil der geforderten Nachweise dürfte schon vor dem jüngsten Flug durch Boden- und Labortests erbracht worden sein.

Boeing hat die beiden Batterien des Dreamliners nun jeweils in einer feuerfesten Stahlbox gekapselt, um im Fall von Batteriebränden jede Gefährdung des Flugzeugs auszuschließen. Eine Rohrleitung aus Titan führt Brandgase und Batterieflüssigkeit ins Freie ab, sobald der bei einem Brand entstehende Überdruck Sollbruchstellen im Batteriegehäuse freisprengt. Außerdem wurden Batterie und Batteriezellen hitzebeständiger isoliert und die Ladelogik der Batteriesteuerung wurde batterieschonender programmiert.

Kurzschlüsse in einzelnen Zellen zweier Dreamliner-Batterien hatten Batteriebrände in Kundenflugzeugen ausgelöst, bei denen es jeweils zu Kettenreaktionen gekommen war, welche die gesamte Batterie zerstörten. Eine Batterie brannte in einem parkenden Flugzeug am Boden, das andere Flugzeug musste notlanden. Die Ursache der beiden Kurzschlüsse ist noch immer unklar und wird durch NTSB und FAA untersucht. Seit Januar wurde ein behördliches Flugverbot für alle Dreamliner erlassen, das Boeing mit Hilfe der neuen Verbesserungen ausräumen möchte.

Unklar ist, ob die Behörde zeitweilige Einschränkungen für den Betrieb der Boeing 787 erlassen wird, bis die statistisch erhoffte Funktionssicherheit der Batterien praktisch nachgewiesen ist. Es gilt als möglich, dass die ETOPS-Zulassung des Dreamliners verschärft wird. Bisher darf sich das zweistrahlige Flugzeug 180 Flugminuten im Einmotorenflug von Ausweichflughäfen entfernen ("ETOPS 180"). Je länger die zugelassene ETOPS-Flugdauer ist, desto direktere Routen darf das Flugzeug über Wüsten, Gebirgen und Ozeanen wählen, was die Wirtschaftlichkeit des Langstreckenmusters wesentlich beeinflusst. 

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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