08.02.2013
aero.de

Boeing 787 - Wochen der Wahrheit

Exakt 3 Stunden und 32 Minuten dauerte der Überführungsflug BOE382, mit dem Boeing am Donnerstag Morgen eine für China Southern Airlines in Texas lackierte 787-8 zurück an den Werksflughafen Paine Field in Everett brachte.

Boeing 787 Japan Airlines

Die Boeing 787 im Design von Japan Airlines. Foto und Copyright: Boeing  

 

Zum ersten Mal seit dem FAA-Grounding vor drei Wochen befand sich ein Dreamliner wieder in der Luft. Schon in den nächsten Tagen will Boeing Testflüge mit der 787 aufnehmen und die Ermittlungen so voranbringen.

"Wir werden die ZA005, unser fünftes Testflugzeug, für die Testflüge über dem Nordwesten einsetzen", schreibt Boeing-Marketingchef Randy Tinseth in seinem Blog. Auf den Testflügen soll das Batterieverhalten in der Luft analysiert werden. Die gewonnenen Daten sollen bei der Eingrenzung der Fehlerquelle helfen, die an zwei Kundenflugzeugen zu Kurzschlüssen und der fatalen Überhitzung der Akkus führte.

Die strengen Sicherheitsauflagen für die Testflüge unterstreichen, wie sehr die Behörden der brandgefährlichen Akku-Technik im Dreamliner inzwischen misstrauen: Boeing wird vor jedem Start eine Inspektion der Batteriesätze durchführen und mit der ZA005 nur über unbesiedeltem Gebiet fliegen.

Nach außen gibt man sich in Seattle dennoch zuversichtlich, dem eigenen Produkt vielleicht schon im März wieder das Siegel "safe to fly" zu geben. Die Betreiber der bislang 50 ausgelieferten Dreamliner, unter ihnen auch die polnische LOT, sollen entsprechende Nachricht von Boeing erhalten haben. British Airways erwartet ihre erste 787-8 offiziell nach wie vor im Mai.

Allerdings mehren sich auch die Stimmen, die ein längeres Grounding von bis zu einem Jahr für möglich halten. "Einige 787 hatten immer wieder Probleme, obwohl ihre Batterien ausgetauscht wurden", sagte eine Quelle aus Industriekreisen aero.de am Freitag. "Bei anderen Flugzeugen verrichten die Batterien hingegen seit ihrem Einbau ihren Dienst so wie vorgesehen."

Es sei durchaus denkbar, dass an den betroffenen Flugzeugen unterschiedliche, defekte Komponenten der Elektroanlage zu den vom NTSB beschriebenen Kurzschlüssen in den Batteriezellen geführt haben, so die Quelle weiter. Das wäre für Boeing der Supergau. Denn lässt sich die Fehlerquelle nicht genau und für alle Flugzeuge bestimmen, könnten an manchen 787 immer wieder Batterien überhitzen.

Bereits vor dem Grounding hatte die US Luftfahrtbehörde FAA eine Revision der gesamten Elektroanlage der 787 beschlossen. Allein dieses Verfahren wird Monate dauern. Die FAA wird besonders sorgfältig arbeiten, denn sie steht mittlerweile selbst in der Kritik. Die Behörde muss sich fragen lassen, weshalb eine gründlichere Untersuchung der Bordelektrik nicht schon im Zuge der Zulassung stattfand.

Einen guten Anlass hierzu hätte die FAA zumindest nach dem Brand im Heck der Boeing Testmaschine ZA002 gehabt. Am 09. November 2010 hatten Ingenieure nach sechs Stunden Testflug Rauch an Bord bemerkt. Die Piloten führten im texanischen Laredo eine Notlandung durch und brachten ihre Kollegen und sich selbst über die Notrutschen in Sicherheit.

Bei der Zulassung Batterien selbst vertraute die FAA weitgehend auf Testreihen des Herstellers. Laut der Untersuchungsbehörde NTSB versicherte Boeing den Behörden seinerzeit mit Hinweis auf die durchgeführten Versuche, dass ein Schmoren der Lithium-Ionen-Akkus höchstens einmal alle zehn Millionen Flugstunden auftreten dürfte.

Boeing und Betreiber hoffen dennoch, den Ausgang der jetzt eingeleiteten Nachprüfung nicht abwarten zu müssen, bevor die 787 wieder fliegen darf. Eine von Boeing ins Spiel gebrachte Abschirmung der Batterien in einer "Containment Box" soll im Brandfall Schaden vom Flugzeug und Gefahren für die Menschen an Bord abwenden. Die FAA hat sich zu diesem Vorschlag bislang nicht geäußert.

Boeing 787 Dreamliner - Bilderstrecke Batterie des Dreamliners

Boeing 787 Dreamliner - Chronologie der Ereignisse

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aero.de / Dennis Dahlenburg


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