22.01.2016
FLUG REVUE

Zu schwache Frachter-NachfrageBoeing halbiert die Jumbo-Produktionsrate

Boeing senkt die Produktionsrate des Jumbo Jets auf nur noch 0,5 Flugzeuge im Monat. Grund ist das Ausbleiben erhoffter Aufträge für den Frachter.

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Boeing senkt die Produktion des Jumbo Jets auf nur noch 0,5 Flugzeuge pro Monat. Foto und Copyright: FLUG REVUE/ Steinke  

 

Ab September 2016 werde die Produktionsrate der Boeing 747-8 auf nur noch 0,5 Flugzeuge pro Monat gesenkt, teilte Boeing mit. Dies entspricht einer Halbierung der jetzigen Rate. Gleichzeitig kündigte Boeing an, im vierten Quartal des Finanzjahres 2015 Rückstellungen in Höhe von 569 Millionen Dollar nach Steuern für das Programm zu bilden.

"Der globale Passagierverkehr und die Flugzeugnachfrage bleiben stabil, aber die seit 2013 einsetzende Erholung des Luftfrachtsektors stagniert seit einigen Monaten. Damit sinkt auch die Nachfrage nach dem 747-8-Frachter", sagte Ray Conner, Chef der Boeing-Verkehrsflugzeugsparte. "Wir bleiben zuversichtlich, dass die 747-8 einzigartige Fähigkeiten besitzt und dass eine Welle von Nachfolgeaufträgen für alternde 747-400-Frachter bevorsteht, aber gleichzeitig leiten wir Schritte ein, die Fertigung an den heutigen Bedarf anzupassen." 

Schon zuvor hatte Boeing angekündigt, die Produktionsrate der 747-8 ab März 2016 von 1,3 Flugzeugen auf nur noch ein Flugzeug im Monat zu senken. Nach den neuesten IATA-Zahlen für November war die Luftfracht global um 1,2 Prozent geschrumpft, während der Pasagierverkehr um 5,9 Prozent zugelegt hatte.

Boeing-Marketingvorstand Randy Tinseth umriss alleine den Ersatzbedarf für älter werdende Jumbo-Frachter bis zum Ende dieser Dekade mit rund 200 Flugzeugen. Zudem weise China, trotz der aktuellen Wirtschaftsturbulenzen, seit Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum des Passagierverkehrs auf und könne "nach heutigem Stand" (Tinseth) zusätzliche 1000 Verkehrsflugzeuge füllen. Der Passagierverkehr in China werde weiter deutlich wachsen.

Bisher hatte bei einem gut eingespielten Programm, wie der 747, eine Produktionsrate von mindestens einem Flugzeug im Monat als Mindestwert für eine rentable Fertigung gegolten. Boeing hatte durch interne Rationalisierungsmaßnahmen, darunter die 747-8-Fertigung von Passagierflugzeugen und Frachtversionen in jeweils abwechselnden Baulosen und durch eine Personalreduzierung diesen Wert beim Jumbo gesenkt.

Boeing verzeichnet aktuell 70 Bestellungen für die 747-8F, von denen noch sieben Flugzeuge zu bauen sind. Für die auf der gleichen Produktionslinie endmontierte Boeing 747-8 der Passagierversion verzeichnet der Hersteller 51 Bestellungen, von denen noch 13 Flugzeuge zu bauen sind. Boeing hatte die 747 mit den modernen GEnx-Triebwerken der 787 und einem aerodynamisch neu profilierten Flügel aufwändig modernisiert. Die Aufträge für die neue Generation waren jedoch weit hinter den Erwartungen geblieben.

Der Frachtjumbo gilt mit seinem Bugtor, den steilen Rumpfwänden und dem hohen Innenraum als ideales Luftfrachtflugzeug. Allerdings macht eine Fülle neuer Großraum-Zweistrahler, darunter 787, A350 und 777X dem angestammten Geschäft des Jumbos immer stärker Konkurrenz, weil viele Airlines Luftfracht heute lieber im Bauch ihrer Passagierflugzeuge mitnehmen, statt noch separate Frachter zu beschaffen.



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