23.06.2009
FLUG REVUE

Boeing 787 Erstflug verschobenBoeing verschiebt 787-Erstflug, Kunden verärgert

Eigentlich stand er kurz bevor, doch am Dienstag trat Boeing voll auf die Bremse: Die Boeing 787 wird nicht mehr in diesem Monat fliegen. Das Programm verspätet sich weiter. Die Airline-Kunden sind verärgert.

Boeing 787 auf dem Vorfeld Seattle

Boeing 787 auf dem Vorfeld in Everett. Der Dreamliner wird weiter am Boden bleiben, da der Erstflug auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist. Foto und Copyright: © Boeing Company  

 

Noch während der Paris Air Show in der vergangenen Woche waren die Boeing-Verantwortlichen im Gespräch mit der FLUG REVUE optimistisch, dass der Erstflug der Boeing 787 Dreamliner noch in diesem Monat erfolgen würde. Die letzten Tests vor dem Beginn der Rollversuche sollten am Samstag abgeschlossen sein. Doch heute gab Boeing bekannt, dass es so schnell nichts mit dem Jungfernflug des neuesten Boeing-Produkts würde: Der erste Flug der Boeing 787 wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Einen neuen Terminplan will der Hersteller erst in einigen Wochen veröffentlichen.

Bei den Strukturtests sei entdeckt worden, dass an einer Stelle des Rumpfes Verstärkungen aufgebracht werden müssten. Zwar hätte man ohne die Verstärkungen fliegen können, jedoch hätten weitere Analysen ergeben, dass ohne die Verstärkungen keine "produktiven Flugtests" erfolgen könnten.

Das Testteam wird trotzdem mit den Rollversuchen mit dem Prototpyen Nummer eins beginnen. Die ersten beiden Exemplare der Boeing 787 sind unter der Obhut der Flugtestabteilung.

Scott Carson, Präsident und Hauptgeschäftsführer von Boeing Commercial Airplanes, sagte: "Wir hatten zunächst an eine Übergangslösung gedacht, die es uns erlauben würde, pünktlich zu fliegen, aber schlussendlich haben wir uns dazu entschieden, dass es besser wäre, eine permanente Modifikation zu entwickeln, zu bauen und zu testen, die an der betroffenen Stelle die notwendige Verstärkkung bringt. Strukturelle Modifikationen diese Art sind nicht außergewöhnlich bei der Entwicklung neuer Flugzeuge. Die Modifikation hat nichts mit unserer Materialauswahl, dem Zusammenbau oder der Installationsarbeit unseres Team zu tun." 

Bei einer Konferenzschaltung sagte Scott Fancher, der General Manager für das 787-Programm, die Modifikationen seien relativ klein und würden nur ein paar Quadratzentimeter am Rumpf-Flügel-Übergang betreffen. Sie seien ohne großes Zusatzgewicht zu machen und hätten einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Flugleistungen. An der betroffenen Stelle seien Kohlefaser, Titan und Aluminium zum Einsatz gekommen.

Durch die erneute Verschiebung des Erstflugs - es ist die fünfte seit dem Programmstart - ist das Flugtestprogramm nicht mehr im vorgesehenen Zeitplan abzuarbeiten, so dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zu einer erneuten Verschiebung der Liefertermine an die Fluggesellschaften kommen wird.

Der japanische Erstkunde All Nippon Airways (ANA) war entsprechend verschnupft. ANA-Sprecher Rob Henderson sagte gegenüber der FLUG REVUE: "Wir sind sehr enttäuscht darüber, dass der Erstflug der 787 verschoben worden ist, und bitte Boeing dringend darum, den neuen Terminplan für das Programm zu spezifizieren."

Erst in der vergangenen Woche hatte Akbar Al Baker, der CEO von Qatar Airways, die Verspätungen bei der Boeing 787 und den Umgang von Boeing mit seiner Fluggesellschaft kritisiert. Qatar Airways hat 30 Boeing 787-8 fest bestellt und 30 Optionen gezeichnet. Insgesamt liegen Boeing 865 Bestellungen von 56 Fluggesellschaften für die 787 vor. 

 



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