30.08.2016
Erschienen in: 08/ 2016 FLUG REVUE

Tour um die WeltDassault Falcon 8X

Dassaults neues Flaggschiff, die Falcon 8X, hat Ende Juni pünktlich ihre Musterzulassung erhalten. Der Ultralangstreckenjet bewies zuletzt seine operationelle Einsatzfähigkeit auf einer Tour um die Welt. Die Lieferungen beginnen im vierten Quartal.

Es war so etwas wie die abschließende Härteprüfung für die Falcon 8X während der Flugerprobung: Einen Monat lang flog der Prototyp des Ultralangstreckenjets mit der Seriennummer drei um die Welt. Die Tour sollte die operationelle Einsatzfähigkeit unter den verschiedensten klimatischen Verhältnissen unter Beweis stellen. Der Fokus lag dabei auch auf dem Komfort der Kabine unter den sich ständig verändernden Bedingungen.

Die Route führte zu 46 Zielen in Nord- und Südamerika und zurück von Europa bis in den Mittleren Osten, dann weiter nach China und Südostasien. Auf den 65 Flügen sammelte Dassaults künftiges Flaggschiff über 100  000 Kilometer Flugstrecke. Der kürzeste Flug der Welttournee dauerte gerade einmal 18 Minuten. Ihre Langstreckenfähigkeiten konnte die 8X auf drei jeweils 14 Stunden langen Flügen zeigen: von Singapur und São Paulo nach Paris und von New York nach Abu Dhabi.

Den ganzen April über begleiteten die Welttournee neben den 26 Piloten von Dassault weitere 60 Personen, darunter Ingenieure aus der Flugtestabteilung, Techniker sowie Flugbegleiter. Mit dem Feedback war man zufrieden: „Alle Beteiligten waren mit den Komfortmerkmalen wie der Klimatisierung und vor allem dem Geräuschniveau sehr zufrieden“, sagt Olivier Villa, Senior Vice President der Zivilsparte von Dassault. Man habe bestätigen können, dass der Geräuschpegel durch die aufwendige Dämmung noch einmal zwei Dezibel unter jenem der Falcon 7X liegt. „Das macht die 8X zum leisesten Geschäftsreiseflugzeug“, fügt Villa hinzu.

Den Zeitplan hat Dassault exakt eingehalten

Gleichzeitig war die weltweite Präsentation des neuen, größten Geschäftsreiseflugzeuges der Franzosen der glückliche Abschluss des Test- und Zulassungsprogramms. Ein bisschen Stolz konnte Dassault nicht verheimlichen, als die 8X am 24. Juni durch die EASA zugelassen wurde. Da sie auf der Grundkonstruktion der Falcon 7X basiert, wurde sie als eine Version ihrer kleineren Schwester in deren Zulassung eingetragen (Modification M1000). Der Hersteller hat seinen Zeitplan damit exakt eingehalten. Die Lieferungen sollen nun im vierten Quartal beginnen. Seriennummer 26 ist im Werk Merignac in der Endmontage, und ein Dutzend Flugzeuge wird in Little Rock komplettiert.

Erst auf der Genfer EBACE im Frühjahr 2014 hatte Dassault das neue Topmodell angekündigt. In der Branche führte das durchaus zu Erstaunen, hatte Dassault doch die Entwicklung der deutlich kleineren 5X erst wenige Monate zuvor bekannt gegeben. Mit ihrem sechsten Modell runden die Franzosen ihr Business-Jet-Portfolio nach oben ab.

Was folgte waren ein pünktlicher Erstflug im Februar 2015 und ein reibungsloses Testprogramm mit den obligatorischen Zulassungskriterien. Dazu gehören das Erfliegen des gesamten Flugspektrums, Strömungsabrisse, Höhen- und Flattertests. Drei Prototypen der 8X haben diese Arbeiten absolviert. Insgesamt spulten sie 833 Flugstunden bei 406 Flügen ab. Im März ging es dabei ganz dicht an den Polarkreis: Im nordkanadischen Rankin Inlet an der Hudson Bay musste die 8X Kältetests über sich ergehen lassen. Nach einer Nacht bei  minus 33 Grad Celsius durften weder die Avionik noch das elektrische System oder die Hydraulik Auffälligkeiten beim Hochfahren zeigen. Das taten sie auch nicht, ebenso wenig wie die Funktionen in der Kabine.

Die Rumpfkonstruktion ist identisch mit jener der Falcon 7X, was  eine Stehhöhe von 1,88 Metern und eine Innenbreite von 2,34 Metern bedingt. Der Rumpf wurde aber um einen guten Meter verlängert, seine Außenlänge misst nun gut 24 Meter.

Dieses Wachstum kommt eins zu eins der Kabine zugute: Diese misst von der Cockpittür bis zur hinteren Wand exakt 13 Meter. Das ermöglicht reichlich Spielraum für 30 verschiedene Layouts. Von der Küche über die Dusche bis hin zu Einzelsitzen, die sich in Betten umbauen lassen, bleiben kaum Wünsche offen. Dassaults Standardlayout verfügt im vorderen Bereich über zwei Vierersitzgruppen sowie zwei seitlich dahinter angeordnete Dreiersofas. Im Heck befindet sich der Waschraum und hinter dem Cockpit die Galley, also die Bordküche. Daraus ergibt sich eine Kapazität für 14 Passagiere, was auf dem Niveau dieser Klasse liegt.

Die Tragflächen der 8X sind eine Version jener der 7X. Deren Design wurde weiter auf Effizienz im hohen Geschwindigkeitsbereich getrimmt. Die Konstruktion aus Leichtmetall und Verbundwerkstoffen zeichnet sich durch eine ausgeprägte Pfeilung aus.

Bekannt von anderen Neuentwicklungen aus dem Hause Dassault ist das EASy-Flightdeck. Es basiert auf dem Honeywell Primus Epic System mit vier großen Farbbildschirmen. Die Flugsteuerung folgt dem Trend zu Fly-by-Wire mit platzsparenden Sidesticks, die mithilfe von Steuercomputern elektrische Steuerinputs errechnen. Zusätzlich werden die Piloten vor dem Grenzbereich des Flugspektrums geschützt.

Leichtgewicht mit moderner Avionik

Ebenfalls bekannt von der 7X ist das Layout mit den drei am Heck angeordneten Triebwerken PW307D von Pratt & Whitney Canada. Dassault hält bei seinem Jet an dieser Auslegung fest, da sie uneingeschränkte Flugrouten über offenem Wasser ermöglicht. Mit knapp 12 000 Kilometern liegt der Aktionsradius zwar etwa 1000 Kilometer über dem der 7X, gegenüber den Konkurrenzmodellen Gulfstream G650ER und dem Bombardier-Duo Global 7000 und 8000 muss der Trijet aber Federn lassen. Diese Modelle erreichen ihre maximale, gut 2000 Kilometer größere Reichweite zudem mit einer Reisegeschwindigkeit von Mach 0.85, während die 8X auf der Langstrecke mit Mach 0.80 fliegt.

Zu beachten ist, dass die Konkurrenz diesen Vorteil mit einem höheren Treibstoffbedarf erkauft. Deren Startmassen liegen mit Werten um die 47 Tonnen deutlich über der Startmasse der 8X. Ein Vorteil der 8X ist dagegen die hohe Landemasse, die gerade einmal fünf Tonnen unter dem möglichen Startgewicht liegt. Damit können mehrere Streckenabschnitte ohne Nachtanken geflogen werden, was bei lokalen Preisunterschieden hilft, Kosten zu sparen.

Bei der Top-Speed herrscht im Marktsegment der Ultralangstreckenflieger ein klares Patt: Schneller oder langsamer als Mach 0.9 fliegt hier keiner. Die 8X kommt zwar nicht schneller an die heißen und kalten Orte dieser Welt, dafür aber leiser und preiswerter.

Technische Daten

Falcon 8X

Allgemeine Angaben

Hersteller: Dassault Aviation
Besatzung: 2 Piloten
Antrieb: 3 Pratt & Whitney Canada PW307D
Schub: 29,9 kN (6722 lbs)

Abmessungen
Länge: 24,46 m
Höhe: 7,94 m
Spannweite: 26,29 m

Massen
Einsatzleermasse:16 375 kg
max. Kraftstoff: 15 830 kg
max. Startmasse: 33 113 kg

Flugleistungen
max. Geschwind.: Mach 0.9
Dienstgipfelhöhe: 51 000 ft (15 545 m)
Startstrecke: 1829 m
Landestrecke: 656 m
max. Reichweite: 11 945 km

FLUG REVUE Ausgabe 08/2016

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Maximilian Kühnl


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