15.04.2015
FLUG REVUE

Deutsche Flugsicherung zieht Jahresbilanz 2014DFS will Flugzeuge notfalls vom Boden fernsteuern

Die Deutsche Flugsicherung schlägt vor, Flugzeuge in Notsituationen von den Lotsen am Boden fernsteuern zu lassen. Damit wolle man eine Situation wie beim Germanwings-Unglück verhindern.

DFS_Kontrollstreifen Bild (Standa

Die Deutsche Flugsicherung kontrolliert über Deutschland den verkehrsreichsten Luftraum Europas. Foto und Copyright: DFS  

 

Bei der Vorlage der jährlichen Jahresbilanz sagte der Vorstandsvorsitzende der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH, Prof. Klaus-Dieter Scheurle, zum Absturz der Germanwings, die ganze Luftverkehrsbranche sei "getroffen und betroffen von diesem einschneidenden und furchtbaren Ereignis". Im Zusammenhang mit dem Unglück rege der DFS-Chef an, über Systeme nachzudenken, mit denen es möglich sei, die Kontrolle über ein Flugzeug in einer Notsituation vom Boden aus zu übernehmen. Es gebe bereits fortgeschrittene Forschungsergebnisse zu diesem Thema.

Im Jahr 2014 sei ein hohes Sicherheitsniveau im deutschen Luftraum erreicht worden. Die unabhängige Expertenkommission APEG (Aircraft Proximity Evaluation Group) habe im vergangenen Jahr keinen Vorfall der Kategorie A (unmittelbare Gefährdung) und fünf Vorfälle der Kategorie B (Sicherheit nicht gewährleistet) identifiziert, davon zwei mit Beteiligung der Flugsicherung.

Die Fluggbewegungen stiegen im Jahr 2014 auf 2.980.437 Flüge nach Instrumentenflugregeln leicht an, blieb aber unter der Drei-Millionen-Marke und unter der Rekordzahl des Jahres 2008 (3,15 Millionen). Am 27. Juni 2014, dem verkehrsreichsten Tag des Jahres, wurden 10.052 Flüge nach Instrumentenflugregeln gezählt; der verkehrsreichste Monat war der September. Auch die Pünktlichkeit der Flugsicherung habe sich mit rund 0,3 Minuten Verspätung pro Flug und ohne durch die Flugsicherung verursachte Verspätungen im An- und Abflug fortgesetzt. Rund 98 Prozent aller Flüge seien im Zuständigkeitsbereich der DFS ohne jede Verzögerung unterwegs gewesen.

Eine große Herausforderung für das Management der DFS sei die wirtschaftliche Situation: Die Einnahmesituation könne aufgrund der Regulierung nicht beeinflusst werden, bei den Ausgaben werde dies aber – soweit möglich – getan. So sei mit dem ambitionierten Fünf-Punkte-Programm, das auch Kürzungen im Personalbereich vorsehe, schon viel erreicht worden. Dem stünden jedoch hohe Aufwände für Pensionslasten entgegen. Insgesamt verzeichne die DFS seit 2013 einen fluktuationsbedingten Personalrückgang um insgesamt 300 Stellen auf heute rund 5800 Mitarbeiter. Die Personalkosten liegen bei 693 Mio. Euro, der Jahresumsatz bei 1,1 Mrd. Euro. Es wurde ein Jahresüberschuss von 73,5 Mio. Euro erzielt.

Auf europäischer Ebene habe die Flugsicherung im Rahmen des Free-Route-Programms über 400 direkte Streckenführungen eingeführt, viele davon grenzüberschreitend. Hier baue die DFS auf die weiterhin gute Zusammenarbeit mit den europäischen Partnerorganisationen. Das Projekt „Remote Tower Control“ sehe vor, die Flughäfen Saarbrücken, Dresden und Erfurt ab dem Jahr 2018 von Leipzig aus zu überwachen. Die Vergabe an den Systemlieferanten Frequentis AG sei bereits erfolgt.

Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH ist ein bundeseigenes, privatrechtlich organisiertes Unternehmen mit rund 2000 Fluglotsen, die täglich bis zu 10000 Flüge im deutschen Luftraum überwachen. Mit jährlich rund drei Millionen Flugbewegungen ist Deutschland das verkehrsreichste Land in Europa. Die DFS betreibt Kontrollzentralen in Langen, Bremen, Karlsruhe und München sowie Kontrolltürme an den 16 internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland. Zudem ist die DFS in der Eurocontrol-Zentrale in Maastricht vertreten. Weitere Arbeitsgebiete sind Aeronautical Solutions (Consulting) und Aeronautical Information Management (Luftfahrtdaten).

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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