18.05.2016
FLUG REVUE

Dreistrahliger Jet-Oldie soll fliegend überführt werdenFans kaufen die vorletzte L-1011 TriStar

Eine Gruppe von Luftfahrtbegeisterten aus Kansas City, TriStar History and Preservation, hat die vorletzte flugfähige Lockheed TriStar erworben. Nun soll der selten gewordene Großraum-Dreistrahler möglichst bald von seinem langjährigen Abstellplatz in Tucson nach Kansas City starten.

Lockheed L-1011 TriStar TriStar History and Preservation

Mit Triebwerks-Probeläufen wird diese Lockheed TriStar auf ihren Überführungsflug nach Kansas City vorbereitet. Foto und Copyright: TriStar History and Preservation  

 

Das Flugzeug hatte juristisch bereits zum Jahreswechsel den Besitzer gewechselt. Vor Jahren war es von dem chistlichen Prediger Pat Robertson in den USA für die Kampagne "Operation Blessing" 1995 zum fliegenden Krankenhaus mit drei Operationssälen umgebaut worden, um Entwicklungsländer medizinisch zu versorgen. Die TriStar war in dieser Rolle in 29 Staaten unterwegs und behandelte insgesamt 80000 Patienten. Seit 2001 war das Flugzeug aus Kostengründen in Tucson abgestellt.

Die Gruppe TriStar History and Preservation hat die Lockheed L-1011-385-1 mit der Werknummer 193L1064 bereits als N910TE neu bei der FAA registrieren lassen. In den nächsten Wochen soll der Jet-Oldie nach Kansas überführt werden und dazu noch mindestens einmal fliegen. Triebwerks-Probeläufe haben bereits begonnen.

Oldie mit Lounge im Unterdeck

Das 1974 gebaute Flugzeug war für die Fluggesellschaft Pacific Southwest Airlines (PSA) mit einer spektakulären Unterdeck-Lounge im Siebziger-Jahre-Design ausgestattet worden. Nach der Insolvenz von PSA wurden danach zwei TriStar in dieser Ausführung bei LTU in Deutschland betrieben.

TriStar History and Preservation sammelt alte Verkehrsflugzeuge und bewahrt sie vor der Verschrottung. Ziel ist der Einsatz als Anschauungsmodell zur Anwerbung von Schülern zwischen acht und 14 Jahren für die sogenannten "STEM"-Fächer, also Mathematik und Naturwissenschaften mit Luftfahrtschwerpunkt. Man versteht sich dabei ausdrücklich nicht als "Museum". Durch Blicke hinter die sonst versperrten Kulissen sollen die Kinder schon früh für Luftfahrtthemen begeistert werden, bevor sie ihre Karriereweichen stellen.

Ob die TriStar mittelfristig flugfähig erhalten werden kann, ist noch nicht klar. Mit einer zweiten TriStar N91011 verfügt die Gruppe in Victorville jedenfalls noch über einen Ersatzteilspender. Außerdem gehören ihr eine McDonnell Douglas MD-83 und eine BAC One-Eleven.

Die Lockheed TriStar wurde rund 250 Mal gebaut. Der als modern und ausgereift geltende Großraum-Dreistrahler kam jedoch zu spät, so dass die konkurrierende DC-10 den Markt bereits erobert hatte. Nachdem sich auch eine verkürzte Version nicht besser verkaufte, zog sich Lockheed aus dem zivilen Jet-Geschäft zurück und konzentrierte sich auf Militärprogramme. 

Die letzte, regelmäßig eingesetzte, zivile Lockheed TriStar N140SC dient bei Orbital ATK als fliegende Startplattform für Raketen und wirft diese als "Stargazer" über der Mojave-Wüste ab.

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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