04.05.2015
Erschienen in: 01/ 2015 FLUG REVUE

Neue Ultralangstrecken-JetsGulfstream G500 und G600

Gulfstream Aerospace hat im Oktober 2014 gleich zwei neue Ultralangstrecken-Jets vorgestellt. Das erste Muster, die G500, rollte bei der Premiere unter eigenem Antrieb vor den Hangar in Savannah.

Mach 0.80 ist nicht länger eine akzeptable Reisegeschwindigkeit“, sagte Scott Neal, Vorstandsmitglied für Verkäufe und Marketing bei Gulfstream Aerospace, auf der Business-Aviation-Messe NBAA in Orlando im Oktober.  Der Grund für diese Aussage liegt darin, dass nicht nur die beiden Flaggschiffe in Gulfstreams Portfolio, die G650 und  G650ER, mit einer maximalen Reisegeschwindigkeit von Mach 0.925 aufwarten, sondern auch zwei neue Muster, die der Hersteller aus Savannah im US-Bundesstaat Georgia am 14. Oktober vorstellte. Die G500 und die G600 hat Gulfstream als Doppelprogramm auf den Weg gebracht. Sie bilden die Grundlage einer neuen Flugzeugfamilie, die durch eine hohe Reisegeschwindigkeit, modernste Systeme und einen hohen Kabinenkomfort überzeugen will. „Die G500 und die G600 bauen technologisch auf der G650 und G650ER auf“, sagte Gulfstreams Präsident Larry Flinn bei der Premiere. „Unsere Kunden haben auch bei der Entwicklung dieser beiden Modell einer große Rolle gespielt.“

Da eine Steigerung des Kabinenkomforts gegenüber heutigen  Business Jets fast reflexartig von potenziellen Business-Jet-Käufern genannt wird, bietet der zum General-Dynamics-Konzern gehörende Hersteller seine beiden neuen Jets mit einer Kabine an, die 2,13 Meter breit und 1,88 Meter hoch ist. Bei der G500 wird die Kabine 12,65 Meter und bei der G600 13,77 Meter lang sein. Bei der G500 reicht das Kabinenvolumen aus, um drei verschiedene Zonen anzubieten, bei denen die Temperatur separat gesteuert werden kann. Die G600 erhält auf Kundenwunsch vier Kabinenbereiche. Die Innenausstattung ist flexibel gestaltbar. So kann die Galley entweder im vorderen oder im hinteren Teil der Business Jets untergebracht werden.

Ein hoher Kabinendruck sorgt für eine angenehme Atmosphäre an Bord. Selbst wenn die G500/G600 in maximaler Reiseflughöhe von 51 000 Fuß (15 544 m) fliegt, beträgt die Kabinendruckhöhe nur 4850 Fuß (1578 m). Der Hersteller geht davon aus, dass es ihm gelingt, die leisesten Kabinen aller Business Jets zu bauen.

Beide Flugzeuge sind auf Langstrecken zu Hause. Bei einer Reisegeschwindigkeit von Mach 0.85 kann die G500 – so die Konstrukteure – 9260 Kilometer (5000 NM) ohne Zwischenlandung überbrücken und bei Mach 0.90 noch 7038 Kilometer (3800 NM). Die G600 schafft sogar 11 482 Kilometer (6200 NM) bei Mach 0.85 und 8890 Kilometer (4800 NM) bei Mach 0.90. Bei einem typischen Langstreckenflug sind die Nutzer bis zu eine Stunde schneller am Ziel als mit einem Business Jet älteren Baujahrs.

Als Antrieb für die beiden neuen Zweistrahler wählte Gulfstream zum ersten Mal in der Firmengeschichte einen Antrieb von Pratt & Whitney Canada. Das PW800 soll bereits Ende 2014 zugelassen sein. Das Triebwerk ist eine komplette Neuentwicklung innerhalb der PurePower-Familie. Es glänzt durch einen geringen spezifischen Treibstoffverbrauch, niedrige Emissionen und soll geringe Wartungskosten aufweisen.

So müssen die Triebwerke beispielsweise erst nach 10 000 Betriebsstunden überholt werden und benötigen keine Midlife-Inspektion mehr. Die PW800 sollen zusammen mit dem von Gulfstream entwickelten Flügel für eine „in der Industrie Maßstäbe setzende Treibstoffeffizienz“ der beiden Muster sorgen. Der Hersteller wird bei der G500 und G600 stärker auf Zulieferer setzen als bei bisherigen Programmen und lediglich die Flügel und die Leitwerke selber bauen.

Das Avionikpaket in den beiden neuen Jets heißt „Symmetry“ und beruht auf  dem Honeywell Primus Epic, das  Gulfstream an die eigenen Bedürfnisse anpasst. Bei der G500 und der G600 werden Gulfstream-Piloten erstmalig einen Sidestick anstelle der traditionellen Steuerhörner im Cockpit vorfinden. Sie sind elektronisch miteinander verbunden, so dass jeder Pilot immer sieht und spürt, welche Steuerinputs der andere Pilot gerade gibt.

Zur Premiere der beiden neuen Muster konnte Larry Flinn gleich zwei Erstkunden präsentieren. Qatar Executive, die Business-Aviation-Tochter von Qatar Airways, unterschrieb eine Kaufabsichtserklärung über insgesamt 20 Flugzeuge der Typen G500 und G650ER, während das Fractional-Ownership-Unternehmen Flexjet aus Dallas, Texas, 22 Gulfstreams (zehn G450, sechs 500, sechs G650) fest bestellte und Optionen für weitere 28 Flugzeuge zeichnete.

Das Doppelprogramm war bei seiner offiziellen Vorstellung schon weit fortgeschritten. Der Erstflug der G500 ist für 2015 geplant und dürfte in der ersten Jahreshälfte erfolgen. Die G600 folgt ihrer kleinen Schwester mit einem Abstand von 12 bis 18 Monaten, hieß es vom Hersteller. Als Zulassungstermin (FAA und EASA) für die G500 strebt Gulfstream das Jahr 2017 an, die Erstauslieferung an einen Kunden kann aus heutiger Sicht 2018 erfolgen. Die erste G600 soll dementsprechend 2019 an einen Kunden übergeben werden.

FLUG REVUE Ausgabe 01/2015

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Volker K. Thomalla


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