09.06.2015
Erschienen in: 05/ 2015 FLUG REVUE

H160-PremiereHeli-Expo 2015

Bei der Heli-Expo in Orlando Anfang März richteten sich alle Augen auf die neue H160, mit der Airbus Helicopters Marktanteile in der Klasse der mittelschweren Muster zurückgewinnen will. Die anderen großen Hersteller begnügten sich diesmal mit Produktpflege.

Seit der Zulassung im Juni 2003 hat AgustaWestland fast 750 AW139 gebaut und sich mit weitem Abstand die Führungsposition im lukrativen Markt der mittelschweren Hubschrauber gesichert. Dieser Dominanz will sich Airbus Helicopters nun endlich entgegenstemmen, und zwar mit einem von Grund auf neu entwickelten Muster, das dank durchgehender Anwendung fortschrittlicher Technologie 15 bis 20 Prozent weniger Kraftstoffverbrauch bieten soll.

Der Schleier über dem 2011 gestarteten X4-Projekt wurde am 3. März auf der Heli-Expo gelüftet. Das 1:1-Modell des nun als H160 bezeichneten Musters glänzte mit einer ganzen Reihe von innovativen technischen Lösungen, die exzellente Leistungen in einem weiten Einsatzbereich – von Versorgungsflügen zu Ölplattformen bis hin zur Luftrettung und VIP-Flügen – ermöglichen sollen.

Weil die H160 nun mit 5,5 bis sechs Tonnen Masse deutlich über der 40 Jahre alten Dauphin/EC155 angesiedelt ist, hat sich Airbus Helicopters im Februar entschieden, nur das Arrano von Turbomeca als Triebwerk zu verwenden. Dieses bietet gegenüber dem PW210 wohl deutlich mehr Wachstumspotenzial – bis zu 1300 kW. Turbomeca verspricht zudem einen 10 bis 15 Prozent geringeren spezifischen Kraftstoffverbrauch.

Neben dem neuen Triebwerk wird die H160 einen Fünfblatt-Hauptrotor mit lagerlosem Spheriflex-Rotorkopf verwenden. Die Rotorblätter basieren auf der „Blue Edge“-Technologie mit geschwungenen Spitzen, die die Wirbel günstig beeinflussen und so den Lärm insbesondere im Anflug um etwa 3 dB senken sollen. Ein positiver Effekt sind auch 100 kg mehr Nutzlast. „Blue Edge“-Blätter wurden Ende der 1990er Jahre erstmals im Windkanal erprobt und ab 2007 an einer EC155 im Flug getestet.

Das Hauptgetriebe für die H160 hat Airbus Helicopters vereinfacht und mit einer doppelten Ölversorgung ausfallsicherer gemacht. Als Drehmomentausgleich wird der größte Fenestron (ummantelter Heckrotor) verwendet, den das Unternehmen je entwickelt hat. Er ist um 12 Grad geneigt. Die Höhenflosse ist als Doppeldecker ausgebildet, was vor allem im Schwebeflug Vorteile bieten soll.

Erstmals bei einem Zivilhubschrauber wird die Zelle der H160 komplett aus Verbundwerkstoffen bestehen. Bis auf den Heckausleger, der von Daher stammt, wurde sie im Werk Donauwörth gebaut. Das Fahrwerk wird elektrisch betätigt, so dass man auf Hydraulikleitungen verzichten kann. Bei der Avionik setzt Airbus Helicopters auf sein eigenentwickeltes Helionix-System, wie es derzeit in der H175 (früher EC175) und der H145 (früher EC145 T2) zum Einbau kommt.

Während der Hersteller die Nutzung neuer Technologien herausstreicht, gibt er sich bezüglich Leistungen, Kabinengröße und Preisen noch zurückhaltend. Einzig eine Reisegeschwindigkeit von 296 km/h, ein Aktionsradius von 220 km mit zwölf Passagieren im Offshore-Einsatz und eine Reichweite von 830 km wurden genannt. Bestellungen will man erst 2016 entgegennehmen, und die Lieferungen sollen 2018 beginnen.

Bis dahin steht ein umfangreiches Testprogramm an, für das in Marignane spezielle Prüfstände (Elektronik/Avionik und dynamische Komponenten) gebaut wurden. Die Flugerprobung will man mit drei Prototypen und einer Vorserienmaschine bewältigen. Der Erstflug wird im Laufe des Jahres erwartet.


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