24.09.2015
Erschienen in: 09/ 2015 FLUG REVUE

Größtes aktives Flugboot der WeltLöschbomber Martin Mars

Nach schweren Waldbränden ließ die kanadische Provinz British Columbia im Juli eine schon eingemottete Martin Mars als Löschbomber wieder startklar machen.

Beim tiefen Brummen der vier jeweils 1900 Kilowatt starken 18-Zylinder-Sternmotoren Wright R-3350 Duplex-Cyclone laufen am Sproat Lake in Kanada die Menschen neugierig aus ihren Häusern. Die beiden riesigen Martin Mars, Spannweite 61 Meter, kennt hier jeder. Zwei Jahre nach ihrem letzten Einsatz hob eines der Flugboote am 13. Juli 2015 erstmals wieder zu einem Probeflug ab, denn die Regierung von Kanada brauchte das riesige Löschflugzeug zur Waldbrandbekämpfung. Alleine die Bereitstellung des stets bestens gepflegten Oldies berechnet deren Betreiber, die kanadische Firma Coulson Flying Tankers, aktuell mit 15 000 Kanadischen Dollar (etwa 10 500 Euro) pro Tag. Hinzu kommen Gebühren von 6000 Dollar pro Flugstunde und weitere 5000 Dollar pro Flugstunde an reinen Benzinkosten. Dies war der Provinzregierung in den letzten Jahren zu teuer, und so blieben die beiden Martin Mars am Boden. Doch manchmal können nur noch die fliegenden Löschriesen helfen.

Deshalb hob eine der beiden Mars am 18. Juli zum ersten „heißen“ Einsatz ab, bei dem sie gleich neun Wasserladungen auf einen Waldbrand in Nelson, British Columbia, abwarf und in nur zwei Stunden 200 000 Liter Wasser und Schaum ausbrachte. Die kanadische Website „The Province“ meldete, die aktuelle Zahl der Waldbrände in Kanada sei damit von 223 Brandherden schlagartig auf nur noch 154 verringert worden. Die relativ schwerfällige Mars wird immer im Verbund mit einem kleinen, wendigen Beobachtungsflugzeug, Rufzeichen „Bird Dog“, eingesetzt. Diese Cessna Grand Caravan fliegt voraus, späht die Brandherde aus und legt die beste Anflugroute für die Mars fest. Trotz ihrer Leistungsfähigkeit ist die Mars als Löschbomber keineswegs unumstritten, denn vor dem Abwurf ihrer 27 Tonnen Wasser müssen die Löschmannschaften am Boden aus Sicherheitsgründen abgezogen werden und ihre Arbeit unterbrechen. Für die Bereitstellungskosten einer Martin Mars könne man auch vier kleinere Amphibienflugzeuge vom Typ Air Tractor AT-802F „Fire Boss“ anmieten, wenden Kritiker ein, deren Flugstundenkosten weniger als die Hälfte der Kosten einer Mars-Stunde ausmachten. Die „Fire Boss“ könne auch langfristig brandhemmende Chemikalien abwerfen, was mit der Mars technisch nicht möglich sei. Allerdings kann die Mars ihrem Löschwasser bis zu 3100 Liter Gel zur Schaumbildung beimischen.

Für die US Navy entwickelt

Nur sechs Martin Mars wurden gebaut, zwei existieren noch. Die US Navy hatte die gigantische Viermot, maximale Startmasse 80 Tonnen, im Zweiten Weltkrieg für Langstreckeneinsätze über dem Pazifik als Fernbomber JRM-3 entwickeln lassen. Der Erstflug fand am 3. Juli 1942 statt. Der letzte Flug liegt nach der Reaktivierung hoffentlich noch in weiter Ferne.

FLUG REVUE Ausgabe 09/2015

Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


Weitere interessante Inhalte
Künftige bemannte Raumkapsel "Power on" für die Orion

22.08.2017 - Ingenieure von Lockheed Martin und der US-Raumfahrtbehörde NASA haben dem Crew-Modul der Orion-Kapsel Leben eingehaucht: Erstmals wurden Kernsysteme angeschaltet und getestet. … weiter

Pleiten, Pech und Pannen Top 10: Die spektakulärsten Flugzeuge, die nie flogen

17.08.2017 - Senkrechtstarter, Stealth-Jäger, Mach 3 schnelle Jäger: Die Luftfahrtgeschichte ist voll von interessanten, aber erfolglosen Flugzeugprojekten, die trotz fortgeschrittener Entwicklung nie aus eigener … weiter

Zivile Tankflugzeuge aus früheren RAF-Beständen Lockheed TriStar kehrt zurück

16.08.2017 - Das amerikanische Unternehmen Tempus Applied Solutions will sechs eingemottete Lockheed L-1011 TriStar in Großbritannien kaufen, um drei der historischen Dreistrahler als Tankflugzeuge kommerziell zu … weiter

„Combat Hammer“ in Hill AFB F-35A testet Waffeneinsatz

15.08.2017 - Die US Air Force hat die erste operationelle Testphase für Luft-Boden-Einsätze mit der Lockheed Martin F-35A durchgeführt. … weiter

Fehlalarm: Feuerlöschanlage löst aus Lufthansa Super Star: Schaumbad im Hangar

15.08.2017 - Die derzeit am amerikanischen Flughafen Auburn-Lewiston restaurierte Lockheed L-1649A Super Star "badete" am Montag in chemischem Schaum, den eine irrtümlich auslösende Feuerlöschanlage ausstieß. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 09/2017

FLUG REVUE
09/2017
07.08.2017

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Eurofighter: Österreich will teure Kampfjets ausmustern
G20: Gipfeltreffen der VIP-Jets
Falcon 5X: Dassaults neuer Widebody fliegt
Tiger Meet: Trainingsduell über der Bretagne
Cassini-Sonde: Nach 20 Jahren Finale am Saturn
Air Serbia: Etihad baut erfolgreich um
Erstflug am Computer: Flugzeuge im Datenstrom

Be a pilot