16.12.2016
Erschienen in: 01/ 2017 FLUG REVUE

Letzte Sonderflüge der "Bobby"Lufthansa verabschiedet sich von der Boeing 737

Mit Sonderflügen hat Lufthansa ihre Boeing 737 aus dem Bestand ver- abschiedet. Boeings erfolgreichstes Verkehrsflugzeug war einst unter Mitwirkung der deutschen Airline auf den Weg gebracht worden.

fr 01-2017 Lufthansa-Abschied Boeing 737 (01)

Aus Frankfurt machte sich LH9922 ein letztes Mal auf den Weg nach Hamburg. Foto und Copyright: Steinke  

 

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Man weiß bei der 737 immer, woran man ist“, lobt Lufthansa-Kapitän Rainer Frischkorn die Flugeigenschaften der Boeing 737. Schon 17 Jahre lang ist er auf dem kleinsten Flugzeugmuster der Lufthansa-Flotte unterwegs und mittlerweile Technischer Pilot. Gerade hat Frischkorn, unter Führung von 737-Flottenchef Kapitän Ulrich Pade, Lufthansas letzte Boeing 737-300 (D-ABEC, „Karlsruhe“) von Frankfurt zu einer letzten Stippvisite nach Hamburg zu Lufthansa Technik gebracht.

Jetzt wartet er bei einer Tasse Gulaschsuppe im Hangar auf den baldigen Start zum Rückflug. „Ich habe das Flugzeug nie in einem Zustand erlebt, wo ich sage, ich weiß nicht mehr, was hier vor sich geht“, spielt der erfahrene Linienpilot auf die gedanklichen Herausforderungen an, denen sich seine Pilotenkollegen auf hochentwickelteren Flugzeuge mit elektronischer Flugsteuerung besonders in der Anfangsphase stellen mussten.

Eine Boeing 737 könne man notfalls auch ohne Hydraulik und nur „mit Gewalt“ am mechanischen Steuerhorn und über die Pedale steuern, der zweite Mann im Cockpit übernehme dann allerdings unterstützend die Bedienung der Schubhebel. Simpel, robust und extrem zuverlässig, das ist das Erfolgsgeheimnis des bei Lufthansa nach einem Boeing-Kinderbuch intern „Bobby“ genannten Zweistrahlers. Nicht einmal Radabdeckungen hat die 737 am Hauptfahrwerk. Was nicht da ist, kann auch nicht kaputt gehen.

Mitte der 60er Jahre hatte Lufthansa bei Boeing die Entwicklung des Kassenschlagers ins Rollen gebracht, als die Airline ein seit 1958 kursierendes Zweistrahlerkonzept von Boeing durch eigene Forderungen veränderte: 82 Passagiere mit Gepäck sollten über eine Reichweite von 900 Kilometern komfortabel transportiert werden können, wünschte sich die deutsche Fluggesellschaft, die schon damals mit 707 und 727 ein Boeing-Großkunde war. Boeing-Chefingenieur Joe Sutter, später auch Vater der 747, schlug einen pummeligen Zweistrahler mit einer besonders wartungsfreundlichen Triebwerksanordnung unter den Flügeln vor. Die Rumpfsektionen übernahm er kostensparend im Baukastensystem von Boeing 707 und 727.

Im Februar 1965 bestellte Lufthansa 22 Boeing 737-100, die sie offiziell „CityJet“ nannte. Am 9. April 1967 startete in Seattle die 737 zum Erstflug. Noch vor Jahresende übernahm Lufthansa ihr erstes Flugzeug, die D-ABEC, eine „Namensvetterin“ der heutigen 737-300 „Echo Charlie“ in Hamburg. Mit nur noch zwei Piloten und ohne Bordingenieur hat die 737 ein Besatzungsmitglied weniger im engen Cockpit als ihre fast gleichalte Schwester, die 727.


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