08.06.2015
Erschienen in: 11/ 2014 FLUG REVUE

Midsize-JetCessna Citation X+

Mit der Zulassung der Citation X+ kommt das schnellste zivile Flugzeug der Welt wieder aus dem Hause Cessna. Die Überarbeitung des Musters hat sich gelohnt.

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Gerry Buchheit aus Orchard Park im US-Bundesstaat New York ist ein Kunde, wie ihn sich ein Flugzeughersteller nicht besser wünschen könnte. Als Erstkäufer der neuen Cessna Citation X+ übernahm er direkt nach der Musterzulassung Ende Juni das erste Exemplar des nun schnellsten zivilen Flugzeugs der Welt. Und er sparte nicht mit Lob: „Als wir das Flugzeug gesucht haben, das am besten meinen Geschäftsbedürfnissen entspricht, war die Citation X+ der klare Sieger. Wir haben Kunden überall im Land. Das schnellste zivile Flugzeug der Welt in meiner Flotte zu haben gibt mir etwas, das in meinem Geschäft unbezahlbar ist, nämlich Zeit.“

Mit der Zertifizierung durch die amerikanische FAA hat die X+ der Gulfstream G650 die Krone des schnellsten zivilen Jets entrissen. Die beiden sind zwar in unterschiedlichen Kategorien angesiedelt – die Citation X+ ist ein Midsize-Jet mit einer Reichweite von 6311 Kilometern, während die G650 als Ultralangstreckenjet in der Lage ist, 12 964 Kilometer nonstop zu fliegen – aber in puncto maximal zugelassener Geschwindigkeit kommen sich beide Muster sehr nahe.

Die Citation X+ ist eine überarbeitete Version der Citation X, die ihrerseits bereits Ende 1993 ihren Erstflug absolviert hatte. „Ein Großteil der Anregungen für das Design und die Flugleistungen kam von Besitzern der über 300 im Dienst stehenden Citation X“, sagte Scott Ernest, Präsident und Hauptgeschäftsführer (CEO) von Textron Aviation. Mit den Vorgaben der Kunden machten sich die Cessna-Ingenieure ans Werk und überarbeiteten seit 2010 den Zweistrahler. Um der Forderung nach mehr Platz in der Kabine nachzukommen, verlängerten sie das Flugzeug um 38 Zentimeter. Die maximale Passagierzahl von zwölf blieb jedoch unverändert.

Die grundlegende aerodynamische Auslegung des Flugzeugs wurde beibehalten, aber der Flügel erhielt Winglets, die den Widerstand reduzieren und so zu einer höheren Geschwindigkeit beitragen. Mit dem Rolls-Royce AE3007C2 stand ein neues Triebwerk zur Verfügung, das sparsamer im Verbrauch ist und mehr Schub liefert.  Dank des geringeren Treibstoffverbrauchs fliegt die Citation X+ nun 6311 Kilometer weit und damit 625 Kilometer weiter als ihre Vorgängerin. Damit sind Städtepaare wie New York – Paris oder Dubai – Singapur nun nonstop zu bedienen. Dank der stärkeren Triebwerke verfügt das neue Muster über kürzere Startstrecken und bessere Leistungen bei Starts und Landungen von beziehungsweise auf hoch gelegenen oder heißen Flugplätzen.

Neben den Winglets und neuen Triebwerken wurden auch die Kabine und die flugrelevante Elektronik des Business Jets modernisiert. Avionikseitig entschied sich Cessna für das neue inte-grierte Avionikpaket Garmin G5000, bei dem die flugrelevanten Informationen auf drei großen Farbbildschirmen im Cockpit dargestellt werden. Ein Synthetic Vision System (SVS) erstellt rechnerisch ein detailliertes virtuelles Bild der umgebenden Landschaft und zeigt es auf dem Primary Flight Display an, so dass die Piloten unabhängig von Sicht und Wetter immer genau wissen, wie das Terrain um sie herum aussieht. 

Vier kleinere berührungsempfindliche Kontrollmonitore ermöglichen der Crew eine einfache Steuerung des Systems. Ein Auto-Throttle-System von Garmin zur automatischen Schub-steuerung der Triebwerke erleichtert den Piloten ihre Arbeit. In der Kabine wurde nicht nur das Design geändert, sondern auch die Technik. Ein neues Kabinen-Managementsystem von Cessna namens Clarity erlaubt den Passagieren, ihre eigenen elektronischen Geräte wie MP3-Player, iPhone, iPad, etc. an Bord zu nutzen. Über kleine Touchscreen-Flächen in jeder Armlehne steuern die Fluggäste nicht nur ihr individuelles Bordunterhaltungsprogramm, sondern auch das Kabinenlicht, die Temperatur und die Verdunkelung der Fenster. Mit der Citation X+ erlaubt Cessna den Kunden erstmalig, das Interieur komplett individuell zu gestalten. Kurz nach der Zulassung zeigte die Cessna Citation X+ auf ihrem ersten Transatlantikflug, was in ihr steckt: Textron Aviation hatte das Flugzeug auf den Weg geschickt, um es bei der Farnborough Airshow auszustellen. Dazu flog es von Wichita nach Presque Isle im US-Bundesstaat Maine und von dort 5163 Kilometer nach Le Bourget. Fünf Stunden und 33 Minuten nach dem Start in Maine landete das Flugzeug in Paris. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 502 Knoten (929 km/h).


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Volker K. Thomalla


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