08.10.2014
FLUG REVUE

KlimaforschungMit HALO über dem brasilianischen Regenwald

Gewitterwolken über dem Regenwald sind ein wichtiges Element im Klimasystem. Von Anfang September bis Anfang Oktober 2014 war das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt betriebene Forschungsflugzeug HALO im Amazonasgebiet in Brasilien, um die Entstehung, Entwicklung und Eigenschaften von tropischen Wolken zu vermessen.

halo amazonas

Blick aus dem Cockpit über das Amazonasgebiet. © DLR  

 

Mit der Mission ACRIDICON (Aerosol, Cloud, Precipitation and Radiation Interactions and Dynamics of Convective Cloud Systems) wollen die Forscher die mikrophysikalischen Vorgänge in den Wolkentürmen genauer verstehen, die für ihre Klimawirkung bestimmend sind. Zudem untersuchen die Forscher, wie Spurenstoffe durch hochreichende Wolken nach oben transportiert werden und wie Brandrodungen die Wolkeneigenschaften und den Niederschlag beeinflussen. Die wissenschaftliche Leitung der Messflüge lag beim Max-Planck-Institut für Chemie (MPIC) und der Universität Leipzig. Insgesamt waren an der HALO-Flugkampagne 23 wissenschaftliche Institutionen beteiligt.

Der Zeitplan der Kampagne war eng gesteckt: Abzüglich der Zeiten für die Vorbereitung einzelner Messflüge hatten die Forscher vor Ort nur 14 Flugtage zur Verfügung. Von der Brasilianischen Millionenstadt Manaus aus führten sie Messungen in den Wolken über dem Regenwald durch. Die Messflüge dauerten jeweils rund sieben Stunden. Unter anderem wurde untersucht, wie sich Wolken in sauberer Urwaldluft von denen in verschmutzten und entwaldeten Regionen unterscheiden. Bei den Vegetationsbränden im Amazonasgebiet entstehen große Mengen an Rauchpartikeln, die hoch in die Atmosphäre steigen und dort die Wolkenbildung und Wolkeneigenschaften beeinflussen. Erste Analysen zeigen, dass verschmutzte Wolken eine höhere Konzentration von Wassertröpfchen, dafür aber kleinere Tröpfchen als saubere Wolken enthalten.

Forschungsflüge nahe großer Gewitterzellen, die teilweise auch in größere Wolkenformationen hineinführen, sind für die Testpiloten des DLR ein nicht ganz alltägliches Handwerk. "Die ACRIDICON-Messflüge waren die bisher komplexesten Flugabläufe für HALO", sagt DLR-Testpilot Steffen Gemsa. "Fliegerisch besonders anspruchsvoll waren für uns die wiederholten Durchflüge von Quellwolken und von Ausflussgebieten hochreichender tropischer Gewitterwolken." Fünf verschiedene wissenschaftliche Flugmuster flogen die Piloten von niedrigen Flughöhen über dem brasilianischen Regenwald bis zu Flughöhen von etwa 15 Kilometer Höhe. Bei den Forschungsflügen in Brasilien überstrich die Maschine regelmäßig einen Bereich der Atmosphärentemperatur von rund 100 Grad Celsius. Während es am Boden oft über 35 Grad Celsius heiß wurde, herrschen in der oberen Troposphäre etwa minus 65 Grad Celsius.

Mehr zum Thema:
flugrevue.de/Matthias Gründer



  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 12/2016

FLUG REVUE
12/2016
07.11.2016

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Neue Junkers F 13 fliegt
- Dreiteilung airberlin
- Flughafen Lyon
- Erprobung Pilatus PC-24
- Wonsan Air Festival
- Brennstoffzellen im Alltagstest
- Extra Raumfahrt

aerokurier iPad-App