01.06.2015
Erschienen in: 10/ 2014 FLUG REVUE

DienstbeginnNetJets übernimmt Challenger 350

Nach über 450 gebauten Exemplaren soll die Challenger 350 an die Verkaufserfolge des Vorgängers Challenger 300 anknüpfen. Das erste Exemplar des neuen Musters wurde an NetJets übergeben.

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Am 27. Juni 2014 hatte das Fractional-Ownership-Unternehmen NetJets ausgesuchte Kunden auf den Westchester County Airport nach White Plains, nordöstlich von New York, zu einer Premiere eingeladen. Die Teilnehmer dieses Events wurden Zeugen der Auslieferung der ersten Bombardier Challenger 350, eines neuen Super Midsize Business Jets des kanadischen Herstellers. Eric Martel, Präsident von Bombardier Business Jets, übergab einen symbolischen Schlüssel an Jordan Hansell, den Vorstandsvorsitzenden und Hauptgeschäftsführer (CEO) von NetJets, bevor beide ein schwarzes Tuch entfernten und damit den Blick auf das Flugzeug mit dem Kennzeichen N762QS freigaben. „Wir wollten eine bereits sehr erfolgreiche Plattform noch verbessern“, sagte Martel in White Plains. Er fügte hinzu: „Die Zahl der Änderungen gegenüber dem Vorgängermodell Challenger 300 war aus unserer Sicht so bedeutend, dass wir dem Muster die neue Bezeichnung Challenger 350 gaben.“

Von außen betrachtet fallen die Modifikationen nicht sehr ins Auge. Die Challenger 350 ist mit 20,9 m genauso lang wie ihr Vorgängermodell. Nur in der Spannweite legt die neueste Version des Zweistrahlers um 1,50 m zu, und auch die Flügelfläche ist größer. Dies ist den neuen, größeren Winglets der 350 zu verdanken, die deutlich weiter nach außen geneigt sind als die Flügelspitzen der 300er.

Bei den Flugleistungen hat die Challenger 350 aufgrund der stärkeren Triebwerke vom Typ Honeywell HTF7350 (anstelle der HTF7000 bei der Challenger 300) die Nase vorn. Die neuen Turbofans verfügen mit 33 kN über fast zehn Prozent mehr Startschub als die HTF7000, liegen beim Verbrauch aber unter dem des Vorgängermodells. Trotz einer um 726 kg höheren maximalen Abflugmasse von 18 416 kg verfügt die Challenger 350 über eine 250 km größere Reichweite als die 300er. Die Challenger 350 vermag mit einer zweiköpfigen Besatzung plus acht Passagieren Distanzen von bis zu 3200 NM (5926 km) inklusive NBAA-IFR-Reserven ohne Zwischenlandung zu überbrücken. Damit verfügt sie über eine transkontinentale Reichweite.

Bei den Start- und Landestrecken macht sich die höhere maximale Abflugmasse aber bemerkbar, denn die Challenger 350 hat sowohl beim Start als auch bei der Landung einen leicht größeren Streckenbedarf. Als Startstrecke mit maximaler Startmasse unter ISA-Bedingungen benötigt sie 1474 m und damit 8 m mehr als die 300er, bei der Landung kommt sie mit maximaler Landemasse nach 826 m zum Stehen und damit 34 m später als das Vorgängermodell. Die Start-, Steig- und Reisegechwindigkeiten der beiden Muster sind identisch.

Im Cockpit kommt die neueste Version des Avionikpakets Pro Line 21 Advanced von Rockwell Collins zum Einsatz. Auf vier großen, adaptiven Flüssigkristallbildschirmen erhalten die Piloten alle flugrelevanten Informationen dargestellt. Ein neues Multiscan-Wetterradar erlaubt der Besatzung eine bessere Analyse des vor ihr liegenden Wetters. Wie bei der Challenger 300 gehören auch bei der Challenger 350 ein Synthetic Vision System, ein zweifaches Flight Management System (FMS), ein doppeltes GPS, ein zweifaches Trägheitsnavigationssystem, ein EICAS sowie ein Maintenance-Diagnose-Computer zur Serienausstattung. 

Sehr viel Anstrengungen hat Bombardier bei der Überarbeitung der 7,68 m langen Kabine unternommen. Sie ist 2,19 m breit und 1,85 m hoch. Damit bietet sie Stehhöhe. Der Erstkunde NetJets stattet seine Challenger 350 mit einer exklusiven Kabine aus, die als „Signature Series“ nur NetJets bekommt. Diese Ausstattung orientiert sich an den Ultralangstreckenjets in der NetJets-Flotte. Damit bietet NetJets seinen Kunden ein durchgehend gleichwertiges Produkt. Seit 2010 hat das Unternehmen insgesamt 670 neue Business Jets von verschiedenen Herstellern im Gesamtwert von 17,6 Milliarden Dollar bestellt.

NetJets-Hauptgeschäftsführer Jordan Hansell sagte bei der Übernahme des Flugzeugs: „Die Indienststellung der Challenger 350 in unserer Flotte ist ein bedeutender Schritt bei der Umsetzung unserer Strategie, kontinuierlich zu wachsen. Sie zeigt deutlich unser Bekenntnis, NetJets-Kunden die aktuellsten und modernsten Muster zu bieten. Dieses Flugzeug ist das erste von bis zu 200 Challenger 350, die wir bei Bombardier bestellt haben und die wir in den nächsten zehn Jahren abnehmen wollen. Wir haben mit Bombardier sehr eng zusammengearbeitet, um ein Flugzeug zu schaffen, das die Erwartungen unserer Kunden übertrifft, indem es die höchsten Standards in Bezug auf Sicherheit, Komfort und Nutzen bietet.“


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Volker K. Thomalla


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