27.11.2014
FLUG REVUE

Kompetenzbasiertes Lernen statt sturer PaukereiNeues Piloten-Trainingskonzept für den Airbus A350

Airbus hat mit der A350 eine neue Trainingsphilosophie zur Erlangung der Musterberechtigung eingeführt. Auch wenn sich die behördlich zugelassenen Inhalte nicht geändert haben, lernen die Piloten nun gemäß des persönlichen Wissensbedarfs und nicht mehr anhand starrer Lehrpläne. Dabei bleibt nicht nur mehr "hängen", sondern es geht auch schneller.

Airbus_A350_Full_Flight_Simulator

Neue A350-Piloten lernen nicht nur im Full Flight Simulator, sondern nach einem neuen Airbus-System, auch am PC und im Trainingscockpit. Weil nun der individuelle Lernfortschritt stärker beachtet wird, soll sich die Ausbildungsdauer verkürzen. Foto und Copyright: Airbus  

 

Seit Ende September hätten bereits 30 Kundenpiloten bei Airbus ihre Musterberechtigung für die A350 nach dem neuen Verfahren erhalten, gab Airbus bei einer Präsentation in Toulouse am Mittwoch bekannt. Im Mittelpunkt des nun "kompetenzbasierten" Ansatzes stehe der individuelle Wissenbedarf des einzelnen Piloten.

Bisher war allen Umschülern, hierbei handelt es sich meistens um erfahrene A320- oder A330-Piloten, die nun auf die A350 "umsatteln", der gleiche Gesamtinhalt in einheitlicher Breite vermittelt worden. Künftig kann der einzelne Schüler sich dagegen in interaktiven Schulungskursen am Laptop im individuellen Lerntempo "spielerisch" durch die Themenkapitel "klicken".

Falls es in einzelnen Feldern zusätzlichen Schulungsbedarf geben sollte, kümmern sich die Lehrer individuell genau um diese Bereiche des Schülers und fördern ihn hier. Laut Airbus vermeide man dabei gezielt eine bei manchen Airlines übliche "Prüfungsatmosphäre". Vielmehr konzentriere man sich ohne Druck darauf, dass der Schüler am Ende alle geforderten Inhalte sicher beherrsche. Durch die interaktive Schulungsmethodik sei das Abdecken des kompletten, vorgeschriebenen Lerninhalts sichergestellt. 

Geändert hat sich auch das Werkzeug der Wissenvermittlung: Den ersten Überblick über die Cockpitausstattung erhält der Schüler an einer interaktiven Software "Airbus Cockpit Experience - ACE" auf seinen persönlichen Laptop. Als Vorstufe zur Schulung in den sehr teuren Full-Flight-Simulatoren erfolgt die Ausbildung in stationären Cockpitsimulatoren. Dort können ausführlich alle Handlungsabläufe und die Zusammenarbeit der Cockpitbesatzung untereinander geübt werden, bevor es in den "richtigen" Simulator geht.

Anders als die früher nach Theorieblöcken und Simulatorblöcken getrennte Ausbildung, werden die drei Ausbildungswerkzeuge heute miteinander verzahnt genutzt. Das heißt, auch am Beginn eines Kurses kann es schon einmal einen Tag lang in den Full-Flight-Simulator gehen, bevor dann wieder Laptop oder Cockpittrainer im Wechsel genutzt werden. Außerdem werden gezielt Überraschungsmomente, zum Beispiel besonders komplizierte Störungen oder nachgespielte Zwischenfälle aus dem realen Linienverkehr, in die Ausbildung eingebaut, um die Wissensvermittlung abwechslungsreicher zu gestalten und um mehr Wissen dauerhaft zu vermitteln. Beim klassischen "Linearunterricht" wurden oft nur 20 Prozent des vermittelten Wissens dauerhaft gelernt.

Das neue Verfahren beschleunigt die Ausbildung auch. Ein kompletter Umschulungskurs, das sogeannte "Full Transition Training" dauert nun 24 Tage, statt zuvor 26 Tage. Für Piloten mit Airbus-Vorkenntnissen verkürzen sich diese Zeiten nochmals erheblich. Weitere Einsparungen will Airbus durch die örtliche Verlagerung des Trainings in die räumliche Nähe der Kundenairlines gewinnen. So werden derzeit neue Trainingszentren in Singapur, Neu-Dehli und Mexiko eingerichtet.

www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


Weitere interessante Inhalte
Zweistrahler wird noch vor Weihnachten geliefert Lufthansa-A350 startet zum Erstflug

29.11.2016 - Die erste A350-900 für Lufthansa ist am Dienstag in Toulouse zum Erstflug gestartet. … weiter

Gestreckte Variante des Airbus-Zweistrahlers A350-1000 hebt zum Erstflug ab

24.11.2016 - In Toulouse startete am Donnerstagvormittag der erste Prototyp des Airbus A350-1000 zu seiner Premiere in der Luft. Der Erstflug dauerte etwas mehr als vier Stunden. … weiter

Neuer Airbus-Zweistrahler Übergabe-Termin für Lufthansa-A350 steht fest

23.11.2016 - Noch vor Weihnachten erhält Lufthansa den ersten Airbus A350-900. Auch der erste Linienflug ist schon geplant. … weiter

Letzte Hürde vor dem Erstflug A350-1000 absolviert letzten Rolltest

22.11.2016 - Der erste Prototyp des Airbus A350-1000 hat am Dienstag in Toulouse seinen letzten Hochgeschwindigkeits-Startabbruchtest bestanden. Damit ist der längste Zweistrahler der Airbus-Geschichte zum … weiter

Flugzeughersteller kündigt Jungfernflug an Airbus A350-1000 soll am Donnerstag erstmals starten

21.11.2016 - Der größte Zweistrahler im Airbus-Sortiment, die gestreckte A350-1000, soll am Donnerstag in Toulouse zum Erstflug starten. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 12/2016

FLUG REVUE
12/2016
07.11.2016

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Neue Junkers F 13 fliegt
- Dreiteilung airberlin
- Flughafen Lyon
- Erprobung Pilatus PC-24
- Wonsan Air Festival
- Brennstoffzellen im Alltagstest
- Extra Raumfahrt

aerokurier iPad-App