25.01.2013
aero.de

NTSB: Problem wird sich nicht über Nacht lösen lassen

Das NTSB und Boeing fahnden mit Hochdruck nach der Ursache für die Batteriebrände in der 787.

NTSB Untersuchung Batterie Boeing 787

Brandschaden im hinteren Elektroraum der Boeing 787 von Japan Airlines. Foto und Copyright: NTSB  

 

"Wir haben es hier mit einem tatsächlich sehr ernsten Problem für die Flugsicherheit zu tun", fasste NTSB-Chefin Deborah Hersman am Donnerstag Abend die Erkenntnisse ihrer Behörde nach zehn Tagen Ermittlungsarbeit zum Batteriebrand in einer Japan Airlines Boeing 787 zusammen. "Derartige Ereignisse sollten eigentlich durch das Design des Flugzeugs ausgeschlossen sein".

Das NTSB müsse jetzt feststellen, weshalb "mehrere Sicherheitsvorkehrungen im Batteriesystem versagten", sagte Hersman in ihrer Präsentation zum Stand der Ermittlungen. Inzwischen habe das NTSB den weitgehend zerstörten Lithium-Ionen-Akku geröngt und zerlegt.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand hätten "thermisches Durchgehen", also eine sich selbst verstärkende Aufheizungsreaktion, und "Kurzschlüsse" in den Akkuzellen zu dem Batteriebrand von Boston geführt. Das NTSB untersuche die Batterie weiterhin auf Anzeichen für thermisches Durchgehen, Kurzschlüsse, Verarbeitungsfehler und "alles was uns irgendwie ungewöhnlich erscheint".

"Wir sehen allerdings bisher nur die Symptome", schränkte Hersman ein. "Die Kurzschlüsse und das Feuer sind alles nur Symtome dafür, dass hier etwas im Argen liegt." Das NTSB arbeite mit "allen Händen" an der Dreamliner-Untersuchung, werde aber wohl noch einige Zeit brauchen, um die Ursache für den Batteriebrand zu bestimmen.

"Das ist kein Problem, das sich über Nacht lösen lassen wird", stellte Hersman klar. "Wir führen eine forensische Ermittlung durch." Letztlich sei es aber die FAA und nicht das NTSB, das über den Zeitpunkt einer Wiederaufnahme des Flugbetriebs mit der 787 zu befinden habe.

Batteriebrände traten innerhalb der ersten 100 Betriebsstunden auf

Die weltweite 787-Flotte, rund 50 Flugzeuge, wird von den Behörden seit einer Woche am Boden gehalten. Zwei Tage nach dem Batteriebrand der JAL 787 in Boston musste in Japan eine All Nippon Airways 787 mit einer überhitzten Batterie im vorderen Avionikraum notlanden.

"Grundsätzlich sollte sich an Bord von Flugzeugen niemals Feuer entwickeln können", sagte Hersman. Es sei "sehr beunruhigend", dass innerhalb von kurzer Zeit an zwei 787 Batteriebrände auftraten. "Eigentlich gibt es (im Flugzeug, Red.) mehrfach ausgelegte Systeme, die genau dies verhindern sollen."

Die Ermittlungen zum Batteriebrand der ANA-Maschine werden in Japan vom JTSB geführt. Es bestehe insoweit ein Zusammenhang zwischen den Vorfällen, dass das Problem bei beiden Flugzeugen innerhalb ihrer ersten 100 Betriebsstunden aufgetreten sei, sagte Hersman.

Eine Überlastung der Batterien wurde inzwischen sowohl vom NTSB als auch vom JTSB als Auslöser der Brände ausgeschlossen.

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aero.de / Dennis Dahlenburg


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