09.01.2013
FLUG REVUE

Pannenserie bei der Boeing 787

Nachdem sich am Montag die Batterie einer am Boden parkenden Boeing 787 von Japan Airlines in Boston überhitzt hatte, konnte dort einen Tag später auch ein Ersatz-Dreamliner wegen eines Treibstofflecks nicht starten. Am Mittwoch sagte ANA schließlich einen 787-Inlandsflug in Japan wegen Problemen mit der Bremsanlage ab.

Boeing 787 - Elektronikraum

Ein NTSB-Inspektor untersucht den Elektronikraum einer Boeing 787 in Boston, nachdem dort am Boden eine Batterie in Brand geraten war. Foto und Copyright: NTSB  

 

Die Überhitzung der 787 am Montag in Boston betraf laut der US-Untersuchungsbehörde NTSB die Batterie der Hilfsgasturbine (APU) im hinteren Elektronikraum. Diese Batterie und ihre direkte Umgebung hätten "schwere Brandschäden" erlitten. Es seien dabei auch Schäden an der Struktur aufgetreten. Die Überhitzung sei laut NTSB von Wartungs- und Reinigungspersonal, das an Bord des sonst leeren Flugzeugs gearbeitet habe, in Form von Brandgeruch wahrgenommen worden. Die APU im Heck sei währenddessen gelaufen. Ein Feuerwehrmann sei bei der anschließenden Löschaktion durch die "überkochende" Lithium-Ionen-Batterie leicht verletzt worden.

Auch eine weitere Boeing 787 von Japan Airlines rollte am Dienstag in Boston vom geplanten Start nach Tokio zurück, nachdem wegen eines defekten Ventils Treibstoff ausgetreten war.

Am Mittwoch sagte schließlich auch 787-Betreiber ANA einen japanischen 787-Inlandsflug ab, nachdem Probleme an der elektrischen Bremsanlage, angeblich ein Computer-Fehlalarm, aufgetreten waren. Das "Wall Street Journal" meldete am Mittwoch außerdem, dass United Airlines bei Sonderinspektionen ihrer Dreamliner an einem Flugzeug falsch montierte Kabel an der APU-Batterie entdeckt habe, was auf grundsätzliche Fertigungsfehler hindeuten könnte.

Das NTSB entsandte mittlerweile drei Ermittler nach Boston, um das am Montag dort beschädigte Flugzeug zu inspizieren. Außerdem arbeiteten die US-Luftfahrtbehörde FAA, der Hersteller Boeing, das Japan Transport Safety Board und Japan Airlines an der Untersuchung mit, teilte das NTSB mit.

Der Boeing Dreamliner nutzt als "All Electric Aircraft" eine neuartige, besonders leistungsfähige und aufwändige Elektroanlage, um Steuerung, Druckkabine, Bremsen, Enteisungsanlage und viele weitere Bordsysteme durch elektrische Energie kraftstoffsparend zu betreiben. Von der nachgewiesenen Zuverlässigkeit dieses Systems ist auch die sogenannte ETOPS-Zulassung für Überwasser- und Wüstenflüge abhängig, die das Einsatzspektrum und die Rentabilität des Flugzeugs direkt beeinflusst.

Boeing erklärte am Mittwoch, der Hersteller sehe keinen technischen Zusammenhang des jüngsten Batterie-Feuers mit vorherigen Störungen der 787-Elektrik. Hiervon seien Schaltschränke an völlig anderer Stelle im hinteren Elektronikraum betroffen gewesen. Das NTSB kenne hierzu bereits alle Details. Boeing werde an der jetzigen Untersuchung mitarbeiten, sich aber mit weiteren Aussagen zurückhalten, bis nähere Fakten vorlägen.

Der Boeing-Vorstand und 787-Programmingenieur Mike Sinnett sagte am Mittwoch abend, die statistisch ermittelte, technische Zuverlässigkeit der Boeing 787 liege in den ersten 15 Monaten und mit den ersten 50 Kundenflugzeugen im Einsatz auf einem ähnlich hohen Niveau, wie seinerzeit bei der Boeing 777. Sie übertreffe damit die Werte bei der Einführung anderer Großraumflugzeuge deutlich. Der jetzt defekte Batterietyp sei bisher 1,3 Millionen Betriebsstunden lang ohne jede Störung eingesetzt worden.

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