15.10.2015
Erschienen in: 10/ 2015 FLUG REVUE

Business-JetPilatus PC-24 in der Flugerprobung

Pilatus Aircraft ist eher zurückhaltend, wenn es um die Bekanntgabe der Fortschritte bei der Flugerprobung der PC-24 geht. Dabei brauchen sich die Schweizer gar nicht zu verstecken.

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Pilatus ist sehr strikt, wenn es um das neueste Flugzeugmuster des Schweizer Herstellers geht. Das Auftragsbuch für den zweistrahligen Jet, der mit einem Listenpreis von 8,9 Millionen Dollar angeboten wird, war im vergangenen Jahr nur wenige Tage offen. Nachdem es sich mit 84 Festbestellungen gefüllt hatte, schloss es Pilatus Aircraft wieder, da damit die ersten beiden Produktionsjahre komplett verkauft waren. Eine ähnlich strenge Politik verfolgt das Unternehmen aus Stans auch, wenn es um das Flugerprobungsprogramm des neuen Jets geht. „Wir werden anlässlich des Erstfluges des Prototyps P02 im Spätherbst einen Status über das Projekt abgeben. Bis dahin geben wir keine Informationen zu einzelnen Fragen zum Projekt bekannt“, antwortete André Zimmermann, der Programm-Manager der PC-24 bei Pilatus, auf eine Anfrage der FLUG REVUE Ende August.

Dabei haben die Schweizer wenig zu verbergen, denn nach Informationen der FLUG REVUE läuft das Programm verhältnismäßig problemlos. Man muss sich dabei vor Augen halten, dass die PC-24 der erste Jet des Herstellers ist. Und mit einigen technischen Details, wie zum Beispiel der großen Frachttür im Rumpfheck, wagen sich die Schweizer auch technisch auf durchaus herausforderndes Terrain.

Die erste öffentliche Präsentation des ersten Prototyps, P01, fand vor etwas mehr als einem Jahr in Stans statt. Am 11. Mai 2015 flog die PC-24 vom Flugplatz Buochs erstmalig, gesteuert von den Testpiloten Paul Mulcahy und dem Pilatus-Testpiloten Reto Aeschlimann. Für die auf rund 2300 Flugstunden angesetzte Flugerprobung hat das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) fünf gesonderte Lufträume rund um den Vierwaldstättersee ausgewiesen, die bei Bedarf von Pilatus ausschließlich für die Erprobung der PC-24 genutzt werden dürfen. Sie werden bedarfsgerecht aktiviert und von der Schweizer Flugsicherung überwacht.

Nach dem einstündigen Erstflug am 11. Mai folgte der zweite Flug des Flugzeugs P01 bereits zwei Tage später. Seitdem wurden die Lufträume LS-39 regelmäßig für das Erprobungsprogramm aktiviert. Schon im Juli 2015 konnte Pilatus den Meilenstein von 50 Flugerprobungsstunden vermelden. Bis heute dürfte sich die Zahl der Flugstunden und Flüge mehr als verdoppelt haben.

Das zweite Exemplar der PC-24, genannt P02, soll sich im vierten Quartal dieses Jahres in die Luft erheben, gefolgt  von P03 im nächsten Jahr. In dieses Flugzeug werden Änderungen integriert, die sich im Laufe des Flugprogramms ergeben. Die Testflotte für den neuen Jet wird insgesamt drei Exemplare umfassen plus ein Exemplar für statische und Lebensdauertests, das aber nicht fliegen wird. Einer der drei fliegenden Jets wird eine vollständig ausgerüstete Kabine mit Serienausstattung erhalten. Um den Wetterunwägbarkeiten in Mitteleuropa aus dem Weg zu gehen, wird ein Teil der Flugerprobung des Zweistrahlers ab 2016 mit P02 im US-Bundesstaat Arizona abgearbeitet. Mit diesem Flugzeug werden vor allem die Avionik- und Systemtests in Zusammenarbeit mit Honeywell absolviert. 

Pilatus hat sich beim Entwurf und bei der Konstruktion des Zweistrahlers da-rauf konzentriert, einen Jet mit Alleinstellungsmerkmalen zu bauen. Mit der großen Frachttür im Rumpfheck, die potenziellen Kunden bereits bei der einmotorigen Turboprop PC-12 schätzen, und der Kurzstartfähigkeit ist dies dem Hersteller gelungen. Aber das hat Zeit in Anspruch genommen. Immerhin hat das Unternehmen schon 2007 mit den Arbeiten an dem Flugzeug begonnen.

Die PC-24 benötigt keine mustergültig asphaltierten Start- und Landebahnen, sondern kommt mit unvorbereiteten Pisten aus. Dies ist für potenzielle Kunden wie den Royal Flying Doctor Service in Australien (der sechs Exem-plare der PC-24 bestellt hat) oder Safarianbieter im südlichen Afrika von hoher Bedeutung. Diese Tests stehen allerdings erst ganz am Ende des Erprobungsprogramms auf dem Plan.

Mit der Zulassung der PC-24 durch die EASA rechnet Pilatus Aircraft für Mitte 2017. Die ersten Auslieferungen sollen direkt nach der Zertifizierung erfolgen. Das Auftragsbuch wird sich aber früher wieder öffnen, nämlich dann, wenn die ersten belastbaren Flugerprobungsdaten vorliegen, die es dem Hersteller erlauben, Garantien für die Flugleistungen zu geben.


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Volker K. Thomalla


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