13.09.2016
FLUG REVUE

Versicherer plädiert für RegistrierungspflichtWachsende Drohnenzahl erzeugt neue Risiken

Drohnen werden in den kommenden Jahren einen Markt mit über 100 Millionen Dollar Umsatz erreichen. Mit der wachsenden Zahl der unbemannten Luftfahrzeuge seien aber auch neue Risiken verbunden, warnt der Versicherer Allianz.

Amazon Prime Air Paketdrohne Prototyp

Drohnen, hier eine professionelle Test-Lieferdrohne von Amazon, stellen einen riesigen Wachstumsmarkt dar. Allerdings wächst auch das Risiko, warnt die Allianz und fordert eine Registrierungspflicht auch für alle privaten, unbemannten Luftfahrzeuge. Foto und Copyright: Amazon  

 

Das Einsatzgebiet der Drohnen reiche von Luftbildaufnahmen, Pizzalieferungen, Inspektionen von Industrieanlagen oder Grenzkontrollen bis hin zur bloßen Freizeitbeschäftigung: Unbemannte Luftfahrzeuge (Unmanned Aircraft Systems/UAS) oder Drohnen sind ein weltweiter Boomsektor, der mit in unterschiedliche Branchen in den kommenden Jahren ein Marktvolumen von über 100 Milliarden US-Dollar erreichen könnte, so die Allianz.

Je mehr Drohnen jedoch im Luftraum unterwegs seien, desto stärker stiegen die Sicherheitsrisiken. Angefangen von Kollisionen und Abstürzen bis hin zu Cyberangriffen und Terrorismus. Um einen sicheren Betrieb von Drohnen zu gewährleisten, sei eine systematische Registrierung dieser Luftfahrzeuge und eine fundierte Qualifizierung der Piloten notwendig, so die Studie "Rise of the Drones: Managing the Unique Risks Associated with Unmanned Aircraft Systems" von Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS).

„Die bisherigen Beinahe-Zusammenstöße mit Drohnen geben Anlass zur Sorge, dass mit der wachsenden Anzahl von unbemannten Luftfahrzeugen auch die Gefahr von Kollisionen und anderen Schadenfällen steigen wird“, sagte James Van Meter, Aviation Practice Leader bei der AGCS.

Drohnen werden immer kleiner, günstiger und bedienungsfreundlicher, und die gelockerten regulatorischen Bedingungen erleichtern vor allem in den USA den Zugang zu solchen Flugobjekten. Die FAA schätzt, dass es bis Ende 2016 in den USA über 600.000 Drohnen allein zur kommerziellen Nutzung geben wird, dreimal so viele wie registrierte, bemannte Flugzeuge. Zudem schwirren in den USA rund 1,9 Millionen UAS für Freizeitzwecke durch die Luft. In Deutschland sind derzeit gemäß Schätzungen rund 400.000 Drohnen im Einsatz. Weltweit wird bis 2020 mit einem Anstieg auf rund 4,7 Millionen Drohnen gerechnet. Der Markt für kommerziell genutzte Drohnen-Technologie soll bis dahin auf 127 Milliarden US-Dollar wachsen.

„Die Zahl gewerblich genutzter Drohnen wird in den kommenden zehn Jahren immens steigen, da sie sowohl besonders einfache wie auch gefährliche Tätigkeiten effektiv ausführen können“, erklärt Thomas Kriesmann, Senior Underwriter General Aviation bei AGCS in Deutschland. Die Zahl der Arbeitsunfälle, wenn etwa ein Mitarbeiter bei einer Gebäudeinspektion vom Dach stürzt, und die Ausgaben für Arbeitsunfallversicherungen werden damit voraussichtlich sinken. Der Einsatz von UAS ist in einer Vielzahl an Branchen weltweit denkbar, um Probleme zu lösen, neue Dienste anzubieten oder Kosten zu sparen. Drohnen könnten genutzt werden bei der Lieferung von Blutkonserven und Impfstoffen in abgelegene Gebiete in Afrika, zur Eindämmung von Grasbränden, zur Schädlingsbekämpfung und selbst zum Ausliefern von Pizza und Kaffee, um nur einige wenige der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten zu nennen.

Versicherungsunternehmen selbst setzen ebenfalls mehr und mehr auf UAS, um die Risikoprüfung auf Baustellen oder für Infrastrukturprojekte einfacher und sicherer zu gestalten. Ferner ermöglichen Drohnen nach großen Katastrophen eine schnelle Schadenbegutachtung: So wurden nach den Explosionen im chinesischen Tianjin im letzten Jahr von Drohnen aufgenommene hochauflösende Bilder mit früheren Fotos verglichen, um beurteilen zu können, wie viele Importfahrzeuge in den Hafenanlagen zerstört wurden. Die Allianz unterstützt die Plattform FairFleet, die weltweit Piloten an Unternehmen vermittelt, die UAS einsetzen möchten.

Trotz des wirtschaftlichen Höhenflugs der Drohnen sind neue Risiken und ein potenzieller Missbrauch der UAS-Technologie nicht zu unterschätzen. Zusammenstöße in der Luft mit anderen Luftfahrzeugen und Kontrollverlust stellen die beiden zentralen Gefahren dar. Ein Zusammenstoß kann passieren, wenn der Pilot bemannte Flugzeuge nicht rechtzeitig sehen und umfliegen kann. Dies trifft besonders für solche Luftfahrzeuge zu, die in einer Höhe von unter 150 Metern fliegen, wie Helikopter, landwirtschaftlich genutzte Flugzeuge oder auch Passagierflugzeuge, die sich im An- oder Abflug befinden. Die Berichte von UAS-Sichtungen durch Piloten, Bürger oder Sicherheitskräfte haben sich in den USA im vergangenen Jahr verfünffacht. Beinahe-Unfälle mit Drohnen haben sich unter anderem bereits in China, Dubai und Großbritannien ereignet.

Erhebliche Risiken drohen auch bei einem Kontrollverlust über das Gerät, der durch einen Systemfehler oder Frequenzstörungen bedingt sein kann oder wenn ein UAS außerhalb des Signalbereichs fliegt. Verliert ein Pilot während einer Gebäudeinspektion die Kontrolle über sein UAS und stürzt seine Drohne auf ein Geschäft oder einen LKW, könnte er schnell mit einem Gesamtwert von über fünf Millionen US-Dollar für die Schäden haften. Selbst eine sehr kleine Drohne könnte Schäden in Höhe von zehn Millionen US-Dollar verursachen, wenn sie das Triebwerk eines Flugzeugs beschädigt. Zunehmende Gefahr besteht auch durch potenzielle terroristische Anschläge, bei denen unbemannte Flugobjekte auf Großveranstaltungen oder Atom-Kraftwerke abzielen könnten. In anderen Szenarien könnten Hacker während eines Flugs die Kontrolle über die Drohne übernehmen und einen Absturz verursachen bzw. aufgezeichnete Daten an eine andere Kontrollstation übertragen ("Spoofing"). Nicht zuletzt sieht die Öffentlichkeit auch den Schutz ihrer Privatsphäre durch Drohnen beeinträchtigt.  

Ein sicherer Betrieb von UAS wird durch fehlende Regulierung erschwert. „In vielen Ländern gibt es wenige bis gar keine Standards für die Pilotenausbildung oder die Wartung“, so Van Meter. Eine fundierte Ausbildung der Piloten sei ein wesentlicher Faktor für die Reduzierung des Unfallrisikos. Viele Schadenfälle seien darauf zurückzuführen, dass Anfänger die Kontrolle über die Drohne verloren hätten. Die Ausbildung sollte Themen wie Meteorologie, Notfallanweisungen, Luftfahrtvorschriften, Systemwartung, Flugzeitberechnung sowie die Verwendung der integrierten Kamera abdecken.

In vielen Ländern der Welt ist es bisher nicht erforderlich, UAS zu registrieren. Damit bleibt der Drohnenpilot im Schadenfall anonym. „In Zukunft wird eine Identifikation der Drohne und ihres Bedieners nötig sein, um eine allgemeine Haftpflicht zu gewährleisten“, sagt Kriesmann. „Eine offizielle Registrierung wie bei anderen Fahrzeugen in der Luft oder am Boden wird über lang oder kurz kommen. 

Egal ob Sie ein Café oder ein Versandgeschäft betreiben, sie müssen für etwaige Schäden Dritter unbegrenzt haften. Bei Drohnen ist es nicht anders“, erklärt Van Meter. Drohnenpiloten sollten sich daher mindestens für Haftungsrisiken bis zu einer Höhe von einer Million US-Dollar absichern. Überträgt man die Wachstumserwartungen für gewerblich eingesetzte Drohnen auf den Versicherungsmarkt, könnte das Volumen des Drohnenversicherungsmarkts in den USA bis Ende 2020 potenziell auf über 500 Millionen US-Dollar steigen. Weltweit wäre ein Marktvolumen von rund einer Milliarde US-Dollar denkbar.

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www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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