Kampfhubschrauber werden ausgeschlachtet

Die deutschen Tiger müssen noch früher gehen

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Mindestens fünf Jahre früher als geplant nimmt das Verteidigungsministerium den Kampfhubschrauber Tiger aus dem Dienst. Um die Einsatzbereitschaft zu verbessern, sollen Helikopter ausgeschlachtet werden. Doch es gibt auch eine gute Nachricht.

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Das frühere Tiger-Ende kam ohne große Ankündigung: In seinem neuesten, in dieser Woche veröffentlichten Rüstungsbericht sieht das Verteidigungsministerium die endgültige Außerdienststellung des Kampfhubschraubers Tiger schon für Anfang 2033 vor. Die ursprüngliche Planung beinhaltete eine Nutzung bis 2038. Außerdem wird die Anzahl der Helikopter bis 2028 auf 33 Exemplare verringert. Bis 2032 sollen noch "mindestens 24" im Einsatz bleiben. Diese entsprechen dann dem ASGARD-Standard (Afghanistan Stabilisation German Army Rapid Deployment), um einen einheitlichen Baustandard zu gewährleisten.

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Upgrade läuft weiter

Da bis Oktober vergangenen Jahres erst 13 Maschinen über diese für den Afghanistan-Einsatz eingeführten Modifikationen verfügten, müssen noch wenigstens elf Tiger ein entsprechendes Upgrade erhalten. Das Paket umfasst unter anderem einen Missions-Daten-Rekorder, zusätzliche Panzerung und eine verbesserte Kommunikationsausrüstung. Die letzten Tiger werden dann damit auch die leistungsfähigsten sein. Allerdings wollen die Beamten die Beseitigung von veralteten Bauteilen vor allem im elektronischen Bereich (Obsoleszenz) nur auf den "dringend notwendigen Umfang zum Erhalt der Flugtauglichkeit sowie des heutigen Fähigkeitsumfanges" konzentrieren. Eine Teilnahme an dem von Frankreich und Spanien begonnenen Kampfwertsteigerungs-Programm Tiger Mk II+ hatten sie schon im Vorfeld aus Kostengründen ausgeschlossen.

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Die verbleibenden Tiger werden alle auf den für den Afghanistan-Einsatz eingeführten Standard gebracht. Weitere Upgrades wird es aber nicht geben.

Teilegewinnung geplant

Um die oft bemängelte Einsatzbereitschaft zu verbessern, sollen die außer Dienst gestellten Muster eine Hochwertteilegewinnung durchlaufen. Wie schon in der Vergangenheit bei der F-4F Phantom und dem Tornado werden besonders wichtige Komponenten nach einer vordefinierten Liste ausgebaut und dem Kreislauf zugeführt. Trotzdem bleibt der Tiger auch gegen Ende seiner Karriere nicht ganz billig: bis 2028 liegen die durchschnittlichen Kosten zur Materialerhaltung pro Jahr und Fluggerät bei 4,5 Millionen Euro. Aktuell verfügen die Heeresflieger noch über 51 Einheiten. Den letzten Helikopter hatte das Heer im Juli 2018 übernommen.

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Nachfolger unbewaffnet?

Mit der Reduzierung der Flotte wollen die Planer auch den Übergang auf den Nachfolger in Form der H145M erleichtern. Dadurch werde die "anteilige Übernahme der Fähigkeitsbeiträge" des Tigers durch den leichten, als "Brückenlösung" bezeichneten Kampfhubschrauber ermöglicht. Deutschland hatte 62 Exemplare (plus Optionen für 20 weitere) bei Airbus Helicopters bestellt. Allerdings stehen bis dato nur 24 Rüstsätze für die bewaffnete Ausführung auf der Beschaffungsliste.

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