Deutsche Sea Kings feiern halbes Jahrhundert
Vor 50 Jahren landeten die ersten beiden Sea Kings der Marine in ihrer neuen Heimat in Kiel-Holtenau. Zur Feier des Jubiläums kehrten zwei der Hubschrauber-Klassiker an ihre alte Wirkungsstätte zurück.
"The boys are back in town…spread the word around", schallt aus den Lautsprechern und erzeugt Vorfreude unter den Anwesenden auf dem inzwischen schon leicht überwucherten Flugbetriebsbereich an der Kieler Förde. Und tatsächlich sind viele dem Thema des Thin Lizzy Klassikers aus dem Jahr 1976 gefolgt und nach Kiel Holtenau gepilgert, bis 2012 Standort und Heimat des MFG 5. Freudige Ausrufe, Umarmungen, Geschichten werden ausgetauscht und aufgewärmt, hier und da ein paar Becher Bier… Warum treffen sich so viele Menschen an einem trüben und diesigen Tag im März auf einer verlassenen ehemaligen Bundeswehr Liegenschaft – was ist da los?
50 Jahre ist es her, 50 Jahre genau am 20. März 1974, als die ersten beiden Westland Sea King Mk.41 der Marine in Kiel-Holtenau gelandet sind. Das muss gefeiert werden! Als kurz vor 14.00 Uhr die beiden Sea King und zwei NH90 Sea Lion des MFG 5 aus Nordholz kommend am Marine-Ehrenmal vorbei Richtung Kieler Förde fliegen, wird es still, andächtig. Man kann die Geschichte förmlich mit den Händen greifen und es ist kaum zu glauben, dass ein Militärhubschrauber 50 Jahre im Dienst stand – und immer noch steht. Viel mehr Dienstzeit wird allerdings nicht dazu kommen, zumindest nicht bei der Marine. Im Sommer ist endgültig Schluss, Ende August wird es den letzten Flug eines deutschen Sea King geben. Danach werden sechs flugbereite Sea King und Ersatzteile an die Ukraine abgegeben. Dabei handelt es sich laut Kommodore Carsten Holtgreve keineswegs um "Altmetall", wie teilweise geunkt wird. "Die Maschinen an sich sind gut", sagt er, und glaubt, dass sie noch sehr gut für die Ukraine zu verwenden sind.
Beliebter Hubschrauber
Welche Bedeutung der Sea King in der Marine hat und hatte, spürt man, wenn man sieht, wie stark die Verbindung der Aktiven und Ehemaligen zu diesem Hubschrauber und untereinander ist. Kurz nachdem die beiden Sea King, nach einer Ehrenrunde über Kiel und der obligatorischen Löschfontäne vom Seenotrettungskreuzer "Berlin", synchron gelandet sind, strömen ungeahnte Mengen an Piloten und Technikern aus den beiden Helikoptern – schön, dass man ihnen diese Möglichkeit gegeben hat, "Gruppenbild inklusive". Sobald die Triebwerke abgestellt sind, bahnt sich dann auch die Masse aus Ehemaligen, Presse und Anwohnern den Weg zu den beiden Hubschraubern, Anfassen und Gucken ist angesagt! Die beteiligten Marinesoldaten beantworten geduldig alle Fragen und lassen Interessierte in den Hubschraubern Probe sitzen.
Der Sea King 89+63 des MFG 5 zeigte sich beim SAR Meet Ende August 2023 in Nordholz im gelungenen Retro-Trimm der 60er-Jahre.
Das SAR-Meet ist ein regelmäßiges, internationales Treffen der Such- und Rettungsflieger, das vor allem dem Kennenlernen und Erfahrungsaustausch dient.
Ein wichtiger Teil des Treffens ist die "Flying Challenge" - ein Wettstreit, bei dem die teilnehmenden Crews gegeneinander antreten.
Dabei gilt es, die erlernten Such- und Rettungsverfahren bestmöglich anzuwenden - und gleichzeitig offen zu sein für neue Impulse.
Die deutsche Marine war mit dem Sea King 89+55 beim Wettkampf mit dabei.
Außerdem nahmen eine H145 aus Niederstetten...
...sowie diese zivil registrierte EC135 teil.
Dieser Super Lynx Mk.88A rundete das deutsche Teilnehmerfeld ab.
Aus Litauen war diese SA365N3+ mit dabei.
Die Tschechen schickten eine Mil Mi-17...
...und eine PZL W-3A Sokol der 243 Sqn aus Prag-Kbely.
Derweil zeigten die deutschen Marineflieger im Static Display, dass Sonderanstriche auch dem Super Lynx gut zu Gesicht stehen.
Dennoch stahl der Retro-Sea King beim SAR Meet allen anderen teilnehmenden Helikoptern die Show.
Die Tage des Sea King bei der Marine sind nach über 50 Jahren im Dienst endgültig gezählt.
Nachfolger ist der NH90, mit dem die Belgier aus Koksijde den Sieg im Navigationswettbewerb erflogen.
Den Gesamtsieg sicherte sich allerdings die Besatzung aus Prag-Kbely mit ihrem W-3A Sokol.
Noch eine Wachablösung: Die tschechische Luftwaffe wird ihre Mi-17 zeitnah durch Bell UH-1Y Venom aus den USA ersetzen.
Piloten von damals
Richtig historisch wird es dann vor dem sonderlackierten "50 Jahre SAR" Sea King 89+63. Fregattenkapitän a.D. Ulrich Cramer und sein damaliger Kollege Hermann Neuber stehen vor dem Cockpit und geben Interviews. Sie sind die beiden Piloten, die die beiden Sea Kings 89+59 und 89+60 vor 50 Jahren überführt hatten. Ein einmaliger Moment, diesen beiden Originalen zuhören zu können. Natürlich werden die Erzählungen auch mit Humor begleitet, Langeweile gibt es da nicht! Unter anderem sagt Cramer schmunzelnd: "Es ging mit einem Beschiss los". Ursprünglich war die erste Landung in Kiel erst später geplant, aber wetterbedingt vorverlegt worden. So wurde für bereits geladene Marinevertreter die Erstlandung noch einmal nachgestellt. Auch seine Erzählungen über die vielen Rettungseinsätze wie die Schnee-Katastrophe 1978/79 sind, trotz aller Dramatik der damaligen Lage, immer wieder mit netten Anekdoten geschmückt.
Nachfolger NH90
Nun wird diese tatsächliche erste Landung in Kiel würdig gefeiert, mit mehreren Überflügen der zwei Sea Kings und den begleitenden zwei NH90 Sea Lion, die den Anstand haben nicht zu landen, und die Bühne komplett ihren Vorgängern zu lassen. Ganz am Ende der Veranstaltung, kommt dann sogar noch die Sonne raus, passend für einen König, dem "See König".
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